Die QE-Programme der Fed – Auswirkungen und Folgen an den Börsen

Themen des Tages:  Analyse der QE-Maßnahmen +++  Fed-Präsidenten werden an die Front geschickt +++ Chinesische Zentralbank sorgt für Unruhe

 

 

Am vergangenen Mittwoch äußerte sich Fed-Chef Ben Bernanke erstmals recht konkret – und für viele offenbar überraschend deutlich – zum Ende des laufenden QE-Programms. Demnach könnten die monatlichen Anleihekäufe über 85 Mrd. Dollar im späteren Jahresverlauf 2013 reduziert und  Mitte 2014 komplett eingestellt werden. Allerdings nur unter der Bedingung, dass die Wirtschaft auch eine Belebung zeigt. Die Vorgaben der Fed liegen bei einer Arbeitslosenrate von 6,5 Prozent und einer Inflation von 2,5 Prozent, wobei Bernanke gerade die Arbeitslosenquote als einen flexiblen Schwellenwert bezeichnete. Fakt ist aber, dass die US-Wirtschaft von diesen Zielmarken sehr weit entfernt ist. Die Arbeitslosenrate liegt bei 7,6 Prozent, die Inflation bei lediglich 1,4 Prozent. Sorgen vor einer deflationären Entwicklung sind aktuell wesentlich angebrachter. Dennoch spielen die Märkten seit einigen Tagen verstärkt ein bevorstehendes Ende der Notenbank-Interventionen. Schauen wir uns daher einmal an, welches Verhaltensmuster nach Beendigung der bisherigen QE-Programme zu beobachten war.

Im Herbst und Winter 2008 herrscht Untergangsstimmung an den Finanzmärkten. Die Fed wird von der Dynamik der Abwärtsbewegung überrascht und senkt viel zu spät die Zinsen. Mitte Dezember liegt der richtungsweisende Leitzins bei null Prozent, und eine positiver Effekt ist nicht zu erkennen. Unkonventionelle Maßnahmen werden angewendet. In einer ersten Welle kauft die Notenbank im Dezember 2008 mit Hypotheken besicherte Wertpapiere im Wert von 600 Mrd. Dollar. Bereits im März wird das Programm auf 750 Mrd. Dollar ausgeweitet. Zudem ordert die Fed US-Staatsanleihen über 300 Mrd. Dollar. S&P 500 aber auch der Rohstoffmarkt erholen sich deutlich. Mit dem Ende von QE1 ist aber auch die Party auf dem Parkett vorbei, der Aktienindex sackt um 15 Prozent ab.

Die Wirtschaft zeigt sich immer noch recht schwach, und die Fed beschließt im November 2010 QE2. Bis Juni 2011 nimmt die Notenbank Bonds über 600 Mrd. in ihre Bücher. Zusätzlich werden auslaufende Anleihen über 300 Mrd. Dollar reinvestiert. Die Reaktion an den Märkten fällt noch deutlicher aus: Der S&P sackt um rund 18 Prozent ab.

Im September 2011 überrascht die Fed mit einer neuen Idee: „Operation Twist“. Dazu werden kurzlaufende Bonds verkauft und längerlaufende Titel in das Depot aufgenommen. Ziel der Übung: Das Renditeniveau in den längeren Laufzeiten soll gedrückt werden, um die Konjunktur anzuschieben. Insgesamt beläuft sich das Volumen auf 400 Mrd. Dollar. An den Aktienmärkten reagieren zwar immer noch die Bullen, da es sich aber nur um Umschichtungen in der Fed-Bilanz handelt, fallen die Kursgewinne etwas geringer aus. Auch der Abschwung ist nicht so ausgeprägt, zumal bereits die nächsten Interventionen angekündigt werden.

Im September 2012 und somit rund drei Monate vor dem Ende von „Operation Twist“ wird die Fed noch aggressiver. QE3 wird lanciert, wobei das Programm erstmalig zeitlich und im Volumen unbefristet ist. Im Dezember 2012 wird QE3 mit dem Ende von „Operation Twist“ auf US-Staatsanleihen ausgeweitet. Seither kauft die Fed jeden Monat Hypothekenpapiere über 40 Mrd. Dollar und Bonds im Volumen von 45 Mrd. Dollar vom Markt auf. Die Börse feiert die massiven Liquidititässpritzen und klettert auf frische Rekordhochs. Zumindest die Aktienmärkte jubeln, an den Rohstoffbörsen fällt die Euphorie wesentlich gedämpfter aus.

 

QE3

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Sollte die Fed tatsächlich die monatlichen Käufe über 85 Mrd. Dollar beenden, erscheint auf Basis der vergangenen Kursreaktionen die bisherige Korrektur von gut sechs Prozent ausgehend vom Rekordhoch noch als zu gering. Auch wenn die Fed einen sukzessiven Rückzug ankündigte und die Leitzinsen weiter bei 0-0,25 Prozent bleiben, dürfte die Abgabebereitschaft noch anhalten. Es wäre allerdings auch nicht das erste Mal, dass die negativen Kursreaktionen am Aktienmarkt zu neuen Eingriffen der Fed führen würden. Erst am Wochenende warnte die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) die Notenbanken davor, den Ausstieg aus der expansiven Geldpolitik aus Angst vor neuen Turbulenzen an den Finanzmärkten zu verschieben. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

 

 

Zum heutigen Handelstag:

Nachdem Bernanke gesprochen hat, werden jetzt wieder die Fed-Präsidenten an die Front geschickt, um die Märkte zu beruhigen. Das ist gestern auch kurzfristig gelungen als die US-Märkte sich zum Handelsschluss deutlich erholt haben. Vor allem am Bondmarkt konnten die Renditen deutlich sinken, nachdem sie zuvor auf ein 4-Jahreshoch gestiegen waren. Verschiedene Fed-Präsidenten hatten sich zu Wort gemeldet. Demnach dürfe die lockere Geldpolitik noch eine Weile anhalten und auch die Marktreaktion sei nicht bedrohlich, sollte sie nicht über einen längeren Zeitraum auf so hohem Niveau bleiben. Doch die Nachrichten aus China machen diesen Beruhigungsabsichten einen Strich durch die Rechnung.

In China bleibt die Lage am Geldmarkt hingegen angespannt. Offenbar bleibt die chinesische Zentralbank untätig mit dem Ergebnis, dass sich die Liquiditätsklemme nicht auflöst. HIER können Sie die Entwicklung des Shibor verfolgen. Damit schickt sie den chinesischen Aktienmarkt in Shanghai um fast drei Prozent nach unten. Auch in Japan gaben die Kurse um 0,7 Prozent nach. Am Devisenmarkt setzt sich der jüngste Trend zu einem stärkeren US-Dollar weitestgehend fort. Er wird weiterhin als sicherer Hafen angesteuert. Gestiegene Anleiherenditen machen Dollar-Anlagen zu einem vergleichsweise attraktiven Investment. Die höhere Zinsdifferenz zugunsten des US-Dollars sollte etwa den Euro-Dollar-Wechselkurs weiter stützen, auch wenn die US-Renditen wieder leicht gefallen sind

 

 


Zur Verfügung gestellt von: Forexpros dem Aktien Portal

 

About the Author:

Franz-Georg Wenner ist regelmäßiger Gast beim Deutschen Anlegerfernsehen und gern gesehener Vortragsredner. Er hält regelmäßig Webinare und referierte unter anderem beim Verein Technischer Analysten Deutschlands (VTAD). Bei BÖRSE ONLINE war er sechs Jahre Online-Koordinator und Redakteur mit den Schwerpunkten Nebenwerte Deutschland, Zertifikate und Technische Analyse. Zusätzlich betreute er für die Commerzbank den Zertifikate-Newsletter ideas daily. Bereits seine Diplomarbeit im Fachbereich BWL der Uni Düsseldorf beschäftigte sich mit der Intermarket-Analyse.

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