By 26. Januar 2015 Read More →

Die Folgen der EZB-Politik

Über Langeweile und fehlende Spannung an den Börsen können wir uns nicht beklagen. Der historische Schritt der EZB war formal natürlich keine Überraschung – obwohl in der Höhe etwas unerwartet. Die Aktienmärkte jubelten über die Entscheidung, doch dies könnte etwas voreilig sein.

Liebe Leserinnen und Leser,

 

meiner Meinung nach will die EZB mit der avisierten Summe für den Anleihekauf von 60 Mrd. monatlich die Märkte beeindrucken. Gemessen an der Reaktion bzw. dem Freudensprung von DAX und Co. ist ihr das auch gelungen. Ärgerlich ist „nur“, dass die EZB nun keine scharfen Waffen mehr im Köcher und sogar ihr gesamtes Pulver verschossen hat. Deshalb gehe ich davon aus, dass dies kein guter Tag für Europa war.

Vor allem bin ich kritisch, da der europäische Währungsraum mit seinen unterschiedlichen Ländern keineswegs mit der nationalen Einheit der USA oder Japans zu vergleichen ist, wo die Notenbanken mit ähnlich verzweifelten Aktionen versuchen, dass Schuldensystem am Leben zu halten. Da die Zeche irgendwann von irgendwem bezahlt werden muss, kann ich mir leider sehr gut vorstellen, dass die Zwistigkeiten zwischen den Ländern Europas zukünftig eher zunehmen werden.

Mal ganz davon abgesehen, dass es bisher keine Belege dafür gibt, ob die Politik des „QE“ dauerhaft erfolgreich sein wird. Denn auch bezüglich der Industrialisierung sind die USA und Europa nicht vergleichbar. Leider sind große Teile des südlichen Europas praktisch frei von industrieller Produktion. Insofern sehe ich nicht, wer das ganze schöne frische Geld der EZB aufnehmen soll. Falls wirklich neue Kredite in Anspruch genommen werden, sollte man auch bedenken, dass diese irgendwann zurückgezahlt werden müssen. Und damit wären wir wieder bei dem möglicherweise explosiven Streit, der durch die Anhäufung von Schulden in Europa entstehen könnte. Und das, obwohl die EZB-Entscheidung der Verbesserung der Integration von Europa dienen sollte.

Persönlich gehe ich aber davon aus, dass die Reformmüdigkeit eher verstärkt wird und sich daher die fundamentale Situation in den betreffenden Ländern nicht verbessern wird. Vielmehr werden sich die Schulden erhöhen und den Haushaltsspielraum dieser Länder zukünftig noch weiter einschränken. Leider gilt das Gesetz von Zins und Zinseszins nämlich auch bei einem geringen Zinsniveau.

Die Folgen für die Märkte und Ihr Geld

Wegen der erhöhten Geldmenge in den Märkten erwarte ich eine steigende Volatilität von Aktien- und Rentenkursen. Das vergangene Jahr mit seinen scharfen Einbrüchen und Richtungswechseln könnte dafür eine Blaupause sein. Ganz egal ob im Premiumbrief, der Anlageberatung oder der Vermögensverwaltung werde ich mich mit speziellen aktiven und passiven Anlagekonzepten darauf einrichten. Speziell in der Anlageberatung kann ich mich sehr individuell auf Sie und Ihre persönlichen Anlagewünsche konzentrieren, da das Bankhaus Metzler sein Angebot diesbezüglich ganz entscheidend erweitert hat. Sprechen Sie mich einfach darauf an.

Die Reaktion der Marktteilnehmer über das größer als erwartete Experiment der EZB zeigt Ihnen das Chartbild des breiten europäischen Aktienmarktes. Konkret sehen Sie in der folgenden Grafik den Euro Stoxx 600 Index.

Intensive Überlegungen, ob der Ball im Feld der Bullen oder der Bären liegt, erübrigen sich heute. Zu deutlich ist die Überlegenheit der Nachfrage. Katapultartig wurde die positive X-Achse in den vergangenen Tagen über den entscheidenden Widerstand bei 348 Punkten geschossen. Das neue und meist sehr zuverlässige Projektionsziel der P & F Technik deutet auf die Region von 430 Punkten. Kritisch wird es für die Käufer erst, falls sich ein Pullback unter die neue Unterstützung bei 348 Punkten ergeben sollte und vor allem, falls sich ein Verkaufs-signal unterhalb von 332 ereignet. Dann wäre aber bereits die massive Unterstützung der aufsteigenden Trendgerade in Sicht, die heute bei 320 verläuft. Alle Konsolidierungen oberhalb sind relativ harmlos und sollten den langfristig orientierten Investor nicht aus seinen Positionen treiben.

Wie schützen Sie sich vor erhöhten Schwankungen ?

Ein großes Risiko für uns Anleger, welches sich aus der erhöhten Geldmenge ergibt, sind hohe Kursschwankungen. Dagegen kann man sich mit verschiedenen speziellen Investmentfonds und guten vermögensverwaltenden Mischfonds schützen, die ich auch für meine Kunden in der Anlageberatung einsetze. Allerdings weisen diese wegen wegen des Aufwands der aktiven Verwaltung etwas höhere Kosten auf als ein passiver ETF.

Ein probates Mittel gegen höhere Kosten sind passive Fonds (ETF`s), die einen Index abbilden. Aber natürlich haben auch diese Instrumente Nachteile, da praktisch jeder Index von einigen hoch kapitalisierten Werten dominiert wird. Der Anleger holt sich bei steigenden Kursen eine erhöhte Rückschlagsgefahr der teuren und schweren Titel in sein Depot.

Denken Sie hierbei z.B. an den Schweizer Index SMI, bei dem fünf Aktien 70 % der Marktkapitalisierung auf sich vereinigen.

Abhilfe verspricht hier ein spezieller ETF, der jeder Aktie genau das gleiche Gewicht zubilligt. Wenige Aktien können also nicht den gesamten Kursverlauf prägen. Diese Instrumente bezeichnet man im „finanzdeutschen Sprachgebrauch“ als „Equal Weight“ ETF.

Noch einfacher läßt sich die Vola mit einem ETF begrenzen, der sich sich auf diejenigen Werte in einem Index beschränkt, die die geringste Schwankung aufweisen. Oder umgekehrt diejenigen Titel ausschließt, die die höchste Vola haben.  Um den heutigen Rahmen nicht zu sprengen, werde ich gerne, falls Sie Interesse daran haben, in der kommenden Woche darauf eingehen.

Zum Abschluss zeige ich Ihnen den wichtigsten gleichgerichteten Index der Welt, den ich hier übrigens schon einige Male besprochen habe, denjenigen auf den S & P 500.

Wie Sie sehen, ist der Aufwärtstrend gemessen an den wichtigsten Durchschnitten eindeutig intakt. Sowohl die 200- Tage- Linie als auch der 50- Tage- Durchschnitt steigen oder verlaufen mindestens waagerecht. Wichtig ist vor allem, dass trotz der Korrektur in wichtigen Sektoren der 50- Tage- Durchschnitt nicht unter den 200- Tage- Durchschnitt gefallen ist. Obwohl wir noch längst kein neues Hoch geschafft haben, wie z.B. im DAX, sind Chart- und Markttechnik positiv.

Der kurzfristige Trendwechsel in der Nähe der 200 Tage Linie, den Sie an den positiven weißen Kerzenkörpern erkennen, deutet auf das Lager der Bullen. Ebenso die aufsteigende Tendenz im MACD mit seinem Histogramm. Von einer Überhitzung sind wir in diesem Index noch weit entfernt, was sich in den kommenden Tagen stabilisierend auf andere Indizes wie den DAX auswirken könnte.

Nun aber wünsche ich Ihnen viel Erfolg mit ihren Positionen.

Mit herzlichen Grüßen vom Rhein,

Ihr Klaus Buhl

Posted in: Gastbeiträge

About the Author:

Klaus Buhl ist seit über 15 Jahren als Portfoliomanager und Analyst tätig und betreibt u.a. das Portal www.libra-invest.de. Dort erhalten Sie praktische Hinweise über die sinnvolle Kombination von marktneutralen bzw. vermögensverwaltenden Strategien in Abhängigkeit vom jeweiligen Börsenzyklus. Ein kostenloser Newsletter informiert regelmäßig über neue Entwicklungen. „Ich verspreche Ihnen keinen schnellen Reichtum, aber konstante Performance und regelmäßige Erträge in jeder Marktphase. Aber vor allem: Keine Verluste mehr!”

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