Bisher nur ein Sturm im Wasserglas

Mit einem Vorwochenplus von rund 0,6 Prozent im Rücken sollten die Käufer optimistisch in den Handel starten. Aber erst wenn der DAX heute zulegt, steigt die Wahrscheinlichkeit für eine Erholungsbewegung deutlich an. Ansonsten droht ein neues Gewitter am Horizont.  

Seit Monatsbeginn ist die Volatilität spürbar angezogen. Ausgehend von 12 Prozent kletterte das Nervositätsbarometer zuletzt auf rund 16 Prozent und damit auf den höchsten Stand seit Mitte Mai. Doch als Angstindikator kann die Vola derzeit nur noch bedingt bezeichnet werden. Nach wie vor sehen wir im DAX einen offenen Schlagabtausch zwischen Käufern und Verkäufern, bisher kann sich keine Seite durchsetzen. Während die bereits investierten Anleger mangels Alternativen nicht verkaufen wollen oder weiter steigende Kurse erwarten, bewerten andere den Markt knapp unter der 10.000 als zu teuer und hoffen auf eine bereinigende Korrektur, um wieder günstiger einsteigen zu können. Auch wenn der DAX derzeit gut drei Prozent unter seinem Rekordhoch notiert, ist aus technischer Sicht noch nichts passiert. Wie immer dürfte von der Wall Street die weitere Tendenz vorgegeben werden. Aber auch auf der anderen Seite des Atlantiks wird der Markt von runden Kursmarken derzeit  ausgebremst. Der Dow kämpft mit der 17.000er-Hürde, beim S&P steht die 2000 auf der Agenda und der Nasdaq 100 zeigt Respekt vor der 4000. Solange diese psychologischen Schwellen nicht geknackt sind, bleiben auch in Frankfurt die Chancen auf eine Sommerrally äußerst gering.

 

Stunden- und Tagesanalyse:

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Zumindest der Wochenauftakt verspricht Spannung aus technischer Sicht. Hilfreich ist zunächst der Blick in den Rückspiegel. Am vergangenen Freitag führte der kleine Verfall an den Terminmärkten zu einem Anstieg beim Handelsvolumen auf 4,9 Mrd. Euro. Auch wenn die kleinen Verfalltermine am dritten Freitag im Monat eine wesentlich geringere Bedeutung haben als der Hexensabbat, kann dennoch eine leicht verzerrende Wirkung unterstellt werden. Mit Beginn der neuen Woche steigen somit die Chancen, dass ein neuer Trend ausgebildet wird und technische Handelsmarken wieder verstärkt Beachtung finden. Negativ ist hingegen die nun bevorstehende Sommerferienzeit einzuordnen. In den kommenden Wochen nimmt das Handelsvolumen ab, die Kurse können mit vergleichsweise geringen Beträgen in eine gewünschte Richtung gelenkt werden. Die Gefahr von Fehlsignalen nimmt zu.

Zu Handelsbeginn rückt zunächst die im Stunden- und Tageschart erkennbare Abwärtslücke zwischen 9743 und 9721 in den Fokus. Sollte der Kursbereich geschlossen werden, steigen die Chancen auf weiter anziehende Kurse. Im Tageschart ist eine Hammer-Formation zu erkennen. Sie entsteht, wenn die Notierungen im Anschluss an die Eröffnung deutlich nachgeben und bis zum Tagesschluss wieder einen Großteil der Verluste aufholen. Grundsätzlich sind Hammer-Formationen positiv und signalisieren zu 60 Prozent weiter anziehende Kurse. Da der Hammer zugleich unter erhöhten Volumen ausgebildet wurde, steigt die Wahrscheinlichkeit für eine Erholung. Sollte der DAX heute höher schließen als am vergangenen Freitag, tritt eine Umkehr in 90 Prozent der Fälle ein. Wer lieber etwas vorsichtiger ist, wartet somit die heutige Bewegung ab.

Aber Vorsicht: Erwarten Sie nicht zu viel auf der Oberseite. Ziehen die Kurse an, ist zunächst Platz bis an die fallende 21-Tage-Linie bei 9840. Am Monatsmittelwert scheiterte der DAX bereits in der vergangenen Woche. Erst wenn die Signallinie und anschließend auch der Bereich um 9870 (Hoch der Vorwoche; 61,8 Prozent Fibonacci-Niveau der jüngsten Abwärtsbewegung) zurückerobert sind, ist ein erneuter Anlauf in Richtung Rekordhoch um 10.050 einzuplanen. Auf dem Weg bis zum Allzeithoch wäre nur noch die Hürde um 9900 zu nehmen.

Bleibt hingegen heute eine positive Reaktion aus und fällt der DAX unter das Monatstief um 9617, trüben sich die Aussichten weiter ein. Im Blickpunkt rückt dann das mittelfristig richtungsweise Kursareal um 9440 bis 9600. Der Bereich kann aus technischer Sicht nicht hoch genug eingeordnet werden. Mit der 200-Tage-Linie, der südlichen Begrenzung des seit Sommer 2012 bestehenden Aufwärtskanals, einer horizontalen Unterstützung um 9600 sowie dem 50- und 38-Prozent-Korrekturniveau scheint der Markt sehr gut nach unten hin abgesichert. Zahlreiche Schnäppchenjäger dürften an der Seitenlinie lauern und bei einem Rücksetzer einsteigen. Bleibt dann aber die erhoffte Gegenbewegung aus, ziehen sich die spekulativen Käufer sehr schnell wieder zurück. Eine größere Umkehrbewegung wäre die Folge, mit entsprechend negativen Aussichten für die kommenden Wochen und Monate. Noch aber halten die Bullen alle Trümpfe in der Hand.

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Wochenanalyse:

MACD mit gefährlicher Divergenz

Mittel- bis langfristig betrachtet ist die Rally trotz der seit gut sieben Monaten laufenden Konsolidierung weiterhin als intakt zu bezeichnen. Richtungsweisend ist ein seit Sommer 2012 bestehender Aufwärtskanal, dessen Extremzonen mehrfach bestätigt wurden und somit über eine gewisse Relevanz verfügen. Während zum Jahreswechsel verstärkt die Oberseite im Fokus stand, steht seit März die untere Begrenzung der Range im Mittelpunkt. Bisher nutzten die Käufer jeden Rücksetzer zum Einstieg, ein Verhalten, das wir auch im vergangenen Jahr mehrfach gesehen haben. Lediglich die Tatsache, dass der DAX bereits länger nicht mehr die obere Trendlinie angelaufen hat, kann als Signal für eine abflauende Nachfragekraft ausgelegt werden.

Aus technischer Sicht stellt die 10.000er-Schwelle nur eine unbedeutende Kursmarke dar. Inzwischen scheint der psychologische Effekt aber den DAX zumindest zu einer Atempause zu zwingen. Potenzial auf der Oberseite wäre durchaus noch vorhanden, mittelfristig lässt der Kanal Platz bis 10.900.

Auf der Südseite ist der DAX gut abgesichert. Neben der erwähnten, zuletzt mehrfach bestätigten Aufwärtstrendlinie bei derzeit rund 9530 sorgen auch die 200-Tage-Linie bei 9440 und die breite horizontale Unterstützungszone um 8900 / 9000 für Sicherheit. Eine größere Umkehrformation und somit Schwächesignal in der mittel- bis langfristigen Zeitebene wird erst mit einem Wochenschluss unter 8900 aktiviert.

Etwas kritisch sind die Signale der Markttechnik einzuordnen. Der DSS Bressert hat seine obere Extremzone verlassen und läuft auf den unteren Bereich zu. Besonders aber der etwas trägere und langfristig ausgerichtete MACD auf Wochenbasis bereitet Sorgen. Während der DAX vor wenigen Wochen ein im Vergleich zum Jahresauftakt höheres Hoch ausbildete, wurde diese Bewegung durch den MACD nicht mehr bestätigt. Diese negative Divergenz muss genau verfolgt werden und könnte ein Hinweis auf eine größere Korrekturbewegung sein.

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Monatsanalyse:

Zwei Szenarien für die Zukunft

Im abgebildeten Monatschart seit 1960 wird vor allem die Bedeutung des Kursbereichs um 8000 / 9000 deutlich. Nach dem Ausbruch aus einer rund 20 Jahre andauernden Seitwärtsbewegung im Jahr 1983 zeigte der DAX bis zur Jahrtausendwende eine ausgeprägte Rally-Bewegung. Mit dem Platzen der Spekulationsblase wurde diese Aufwärtsbewegung in den vergangenen 13 Jahren konsolidiert. In dieser Zeit bildete der Deutsche Aktienindex deutlich steigende Bewegungstiefpunkte aus, was auf einen allmählich steigenden Kaufdruck deutet. Der Sprung über die Hochpunkte aus dem Jahr 2000 und 2007 bei 8200 war somit nur eine Frage der Zeit. Der DAX löste ein sehr bullish aufsteigendes Dreieck nach oben hin auf, aus dem theoretisch Notierungen deutlich jenseits der 10.000er-Marke abgeleitet werden können.

Nach dem nun erfolgten Ausbruch sind zwei grundsätzliche Szenarien denkbar. Aufgrund der Bedeutung der Zone um 8200 wäre eine Rückkehrbewegung und somit ein Retest des Ausbruchsniveau nicht überraschend. Ein möglicher Wendepunkt könnte an der psychologisch wichtigen Schwelle von 10.000 liegen. Ausgehend von einem kurzen Test der fünfstelligen Kursmarke wäre mit einer Korrektur bis in den Bereich von 8200 / 8500 zu rechnen, von dem aus dann eine nachhaltige Aufwärtsbewegung erfolgen würde. Zugleich eröffnet sich Anlegern, die den Einstieg bisher verpassten, auf langfristige Sicht noch einmal eine gute Einstiegsgelegenheit.

In einem zweiten Szenario bleibt ein Test der Zone um 8200 von oben aus. Stattdessen läuft der Markt nach einer recht wahrscheinlichen Konsolidierung bei rund 10.000 weiter aufwärts. Neue Widerstände müssten sich erst noch herausbilden. Unwahrscheinlicher erscheint hingegen ein Rücksetzer unter das Ausbruchsniveau von 8200. Eine ähnliche Situation liegt auch im amerikanischen Leitindex S&P 500 vor.

Auf Basis der Indikatoren wäre noch ein wenig Luft nach oben vorhanden. Beachten Sie aber auch hier den MACD, der in den vergangenen 13 Jahren eigentlich recht zuverlässig die Wendepunkte beim DAX antizipierte. Allmählich erreicht der Signalgeber wieder die Niveaus aus den Jahren 2000 und 2007 (rote Linie).

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Posted in: Deutschland

About the Author:

Franz-Georg Wenner ist regelmäßiger Gast beim Deutschen Anlegerfernsehen und gern gesehener Vortragsredner. Er hält regelmäßig Webinare und referierte unter anderem beim Verein Technischer Analysten Deutschlands (VTAD). Bei BÖRSE ONLINE war er sechs Jahre Online-Koordinator und Redakteur mit den Schwerpunkten Nebenwerte Deutschland, Zertifikate und Technische Analyse. Zusätzlich betreute er für die Commerzbank den Zertifikate-Newsletter ideas daily. Bereits seine Diplomarbeit im Fachbereich BWL der Uni Düsseldorf beschäftigte sich mit der Intermarket-Analyse.

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