By 6. August 2014 Read More →

DAX – wichtige Richtungsentscheidung rückt näher

Nach dem Kurssturz zum Ende der vergangenen Woche stabilisierte sich der Markt am Montag und Dienstag. Doch dies ist noch lange kein Grund, wieder auf die Long-Seite zu wechseln. Ganz im Gegenteil, der nächste Rücksetzer dürfte schon bald folgen. 

 

 

Schaut man auf die Marktstrukturdaten des gestrigen Tages in den USA, fällt die Bilanz eindeutig aus. An der rund 3000 Werte umfassenden NYSE lag das Abwärtsvolumen bei 77 Prozent, 69 Prozent der Aktien verzeichneten Verluste. 25 Werte erreichten neue Hochs, 75 neue Tiefpunkte. Die Tendenz ist klar abwärts gerichtet, weiter fallende Kurse sind zu erwarten. Richtig ist aber auch, dass der Markt inzwischen kurzfristig überverkauft ist. 26 Prozent der Aktien im S&P 500 liegen nur noch über ihrer 20-Tage-Linie. Erfahrungsgemäß ist mit einer Erholungsbewegung zu rechnen, wenn nur noch fünf bis 15 Prozent ihre kurzfristige Signallinie behaupten. Etwas Luft nach unten ist somit noch vorhanden, doch die Bären dürften schon bald nach Luft schnappen.

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Nach Gründen für Abwärtsbewegung zu suchen ist nahezu überflüssig. Geopolitische Risiken oder die zunehmenden Sorgen vor einer (früher als erwarteten) Zinserhöhung durch die US-Notenbank trafen auf einen zuletzt aus technischer und fundamentaler Sicht überhitzten Markt. Gute US-Konjunkturdaten – wie gestern der wichtige ISM-Dienstleistungsindex – führen derzeit noch zu fallenden Kursen. Hier lautet die entscheidende Frage: Wann werden die Investoren eine nachhaltige Erholung der amerikanischen Konjunktur in den Kursen einpreisen? In der Vergangenheit war es mehrfach so, dass eine erste Zinserhöhung von Kursverlusten begleitet wurde, weitere Straffungen der Geldpolitik gingen hingegen mit steigenden Kursen einher.

DAX: Stunden- und Tagesanalyse

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Vorbörslich steht der DAX bei rund 9100 und könnte somit gleich zu Handelsbeginn ein neues Bewegungstief ausbilden. Fällt der Index unter die Schwelle, rückt aus technischer Sicht die Region um das Jahrestief bei 8900 / 9000 auf die Agenda. Hier wird sich dann zeigen, wie die Marktteilnehmer die weiteren mittel- bis langfristigen Aussichten derzeit einschätzen. Der Rücksetzer unter die 200-Tage-Linie wie auch der Bruch des langfristigen Aufwärtstrend in der Vorwoche waren erste Warnsignale, dass ein nachhaltiger Stimmungsumschwung einsetzen könnte. Noch aber haben die Käufer eine gute Gelegenheit, den Schaden in Grenzen zu halten.

Dafür ist es aber zwingend notwendig, dass im Bereich um 8900 / 9000 wieder die Bullen die Kontrolle übernehmen. Derzeit ist noch davon auszugehen, dass zahlreiche Schnäppchenjäger die Gelegenheit nutzen werden und an der Schwelle (oder knapp darüber) in den Markt einsteigen. Eine Stabilisierung ist somit recht wahrscheinlich, zumindest kurzfristig. Denn sollten die Kurse im Anschluss nicht schnell nach oben drehen, verabschieden sich die mutigen Käufer genau so zügig wie sie eingestiegen sind. Neue Long-Positionen dürften mit einem engen Stopp versehen werden, die Toleranz auf der Unterseite dürfte gering sein. Verständlich, denn kurz- bis mittelfristig ist der Trend abwärts geneigt.

Nur der intern überverkaufte Markt kann als Argument der Käufer angeführt werden. Lediglich FMC und Merck behaupten sich derzeit noch über ihrer 21-Tage-Linie. Zumindest in den vergangenen Monaten drehte der Markt wieder nach oben, wenn nur noch fünf bis 15 Prozent der Aktien ihren kurzfristigen Signalgeber behaupteten. Zudem hat sich der DAX inzwischen recht weit von seiner 21-Tage-Linie entfernt. Mit minus 4,5 Prozent liegt der Index nur noch knapp unter dem Extremniveau der vergangenen Jahre von minus 5,8 Prozent. Ein direkter Durchbruch unter 8900 ist daher aktuell eher nicht zu erwarten. Falls doch, wäre Platz bis 8500.

Kurserholungen auf dem aktuellen Niveau spielen hingegen kaum eine Rolle. Selbst wenn der DAX bei 9400 steht, wäre dies nur eine Bärenmarktrally. Zwischen 9400 und 9500 lauern weitere charttechnische Herausforderungen. Erst ab Kursen von mehr als 9500 (DAX wäre wieder über der 200-Tage-Linie), springt die Börsenampel auf Orange.

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Wochenanalyse:

Rückschlag noch nicht überbewerten

Auch im langfristigen Wochenchart sind nun deutliche Bremsspuren zu erkennen. Ähnlich wie auf Tagesbasis gab auch hier der Aufwärtskanal die grundsätzliche Richtung vor. Bleibt nun eine Stabilisierung im Bereich der 200-Tage-Linie aus, stellt der Kursbereich um 8950 / 9000 die nächste Zielmarke auf der Unterseite dar. Aber erst wenn auch  diese Zone per Wochenschluss unterboten wird, springt die mittel- bis langfristige Börsenampel auf Rot.

Bereits seit mehreren Wochen warne ich an dieser Stelle vor der negativen Divergenz im MACD. Während der DAX in den vergangenen Monaten höhere Hochs ausbildete, wurden diese nicht mehr durch den trendfolgenden Indikator bestätigt (rote Linie beim MACD). Die kurzfristig überverkaufte Lage im DSS Bressert ist ein erster Hoffnungsschimmer, allerdings kann der Signalgeber durchaus über mehrere Wochen im unteren Extrembereich verlaufen (s. Sommer 2012).

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Monatsanalyse:

Zwei Szenarien für die Zukunft

Im abgebildeten Monatschart seit 1960 wird vor allem die Bedeutung des Kursbereichs um 8000 / 9000 deutlich. Nach dem Ausbruch aus einer rund 20 Jahre andauernden Seitwärtsbewegung im Jahr 1983 zeigte der DAX bis zur Jahrtausendwende eine ausgeprägte Rally-Bewegung. Mit dem Platzen der Spekulationsblase wurde diese Aufwärtsbewegung in den vergangenen 13 Jahren konsolidiert. In dieser Zeit bildete der Deutsche Aktienindex deutlich steigende Bewegungstiefpunkte aus, was auf einen allmählich steigenden Kaufdruck deutet. Der Sprung über die Hochpunkte aus dem Jahr 2000 und 2007 bei 8200 war somit nur eine Frage der Zeit. Der DAX löste ein sehr bullish aufsteigendes Dreieck nach oben hin auf, aus dem theoretisch Notierungen deutlich jenseits der 10.000er-Marke abgeleitet werden können.

Nach dem nun erfolgten Ausbruch sind zwei grundsätzliche Szenarien denkbar. Aufgrund der Bedeutung der Zone um 8200 wäre eine Rückkehrbewegung und somit ein Retest des Ausbruchsniveau nicht überraschend. Ein möglicher Wendepunkt könnte an der psychologisch wichtigen Schwelle von 10.000 liegen. Ausgehend von einem kurzen Test der fünfstelligen Kursmarke wäre mit einer Korrektur bis in den Bereich von 8200 / 8500 zu rechnen, von dem aus dann eine nachhaltige Aufwärtsbewegung erfolgen würde. Zugleich eröffnet sich Anlegern, die den Einstieg bisher verpassten, auf langfristige Sicht noch einmal eine gute Einstiegsgelegenheit.

In einem zweiten Szenario bleibt ein Test der Zone um 8200 von oben aus. Stattdessen läuft der Markt nach einer recht wahrscheinlichen Konsolidierung bei rund 10.000 weiter aufwärts. Neue Widerstände müssten sich erst noch herausbilden. Unwahrscheinlicher erscheint hingegen ein Rücksetzer unter das Ausbruchsniveau von 8200. Eine ähnliche Situation liegt auch im amerikanischen Leitindex S&P 500 vor.

Auf Basis der Indikatoren wäre noch ein wenig Luft nach oben vorhanden. Beachten Sie aber auch hier den MACD, der in den vergangenen 13 Jahren eigentlich recht zuverlässig die Wendepunkte beim DAX antizipierte. Allmählich erreicht der Signalgeber wieder die Niveaus aus den Jahren 2000 und 2007 (rote Linie).

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Posted in: Deutschland, Indizes

About the Author:

Franz-Georg Wenner ist regelmäßiger Gast beim Deutschen Anlegerfernsehen und gern gesehener Vortragsredner. Er hält regelmäßig Webinare und referierte unter anderem beim Verein Technischer Analysten Deutschlands (VTAD). Bei BÖRSE ONLINE war er sechs Jahre Online-Koordinator und Redakteur mit den Schwerpunkten Nebenwerte Deutschland, Zertifikate und Technische Analyse. Zusätzlich betreute er für die Commerzbank den Zertifikate-Newsletter ideas daily. Bereits seine Diplomarbeit im Fachbereich BWL der Uni Düsseldorf beschäftigte sich mit der Intermarket-Analyse.

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