By 14. Januar 2014 Read More →

Deutsche Bank, Commerzbank, Sentiment und Rohstoffe – ein Rundumschlag

Auch in der besten Suppe finden sich bisweilen Haare. Und die können auch schon einmal aus einem Bärenfell stammen. Dass die Bullen das so gar nicht wahr haben wollen, macht es nicht besser. 

 

Spätestens im Kindergarten lernen die meisten von uns, dass sich ein Türmchen nicht beliebig hoch bauen lässt und dass die Sache mit jedem weiteren Bauklötzchen nach und nach immer wackeliger wird. Schmerzvoll daran erinnert werden gerade Anleger, die beim Windkraftfinanzierer Prokon eingestiegen sind. Denn das Unternehmen, das seine Anleger mit Zinsversprechen von 6 – 8 Prozent geködert hatte, auf seiner Internetseite eine unverhohlene Warnung an seine Investoren: Würden weitere Anleger Geld abziehen, sei eine Insolvenz unvermeidbar.

In den Medien ist Prokon alles andere als ein unbeschriebenes Blatt. Kritiker werfen dem Unternehmen seit Jahren vor, seine Zinserträge nicht durch Erträge aus dem operativen Geschäft, sondern aus einer Art Schneeballsystem zu generieren, bei dem das Geld neuer Anleger für die Bedienung der Forderungen alter Anleger verwendet wird.

Notenbanker waren vermutlich nie im Kindergarten, auch wenn sie sich bisweilen so aufführen. Ein Zinsklötzchen wird aufs andere getürmt – mit der kleinen, aber ausschlaggebenden Besonderheit, dass die Klötzchen immer größer werden. Das tut man, es darf gestaunt werden, um der Stabilität des Systems willen.

Dass es den Verantwortlichen, wenn gerade einmal keine Kamera und kein Mikrofon in der Nähe ist, dabei alles andere als wohl sein dürfte, zeigt sich in den Protokollen der US-Notenbanksitzung, aber auch in den Sonntagsreden der Deutschen Bundesbank oder des Bundesfinanzministers. Ein Problem aber scheint nun dennoch näher zu rücken:

Seit geraumer Zeit hat die Federal Reserve unterstrichen, ihre Geldpolitik straffen zu wollen, falls die Arbeitslosenquote auf 6,5 Prozent fällt. Dass die dahinterstehende Logik nicht nachvollziehbar ist, wollen wir einmal außen vor lassen und den Blick auf die gestern veröffentlichten US-Arbeitsmarktzahlen für Dezember richten.

Angeblich wurden 74.000 neue Stellen geschaffen, während die Arbeitslosenquote von 7,0 auf 6,7 Prozent fiel. Nur: Allein um die Beschäftigungsrate stabil zu halten, bräuchten die Vereinigten Staaten wegen ihres Bevölkerungswachstums monatlich 150.000 neue Arbeitsplätze. Irgendetwas an den Zahlen kann also nicht stimmen. Und das tut es auch nicht. Denn fernab der statistischen Tricks der letzten Jahrzehnte krankt die Erhebung der Zahlen schon am verwendeten Ansatz:

Sowohl die Arbeitslosenquote als auch die Anzahl neuer Jobs werden in Telefonumfragen ermittelt und dann hochgerechnet. Dass dabei zwangsläufig Blödsinn herauskommen kann, liegt auf der Hand. Dessen ungeachtet liegen 6,7 Prozent nun nicht mehr weit von der „Fed-Grenze“ von 6,5 Prozent entfernt, aber der die US-Notenbank nach eigenem Bekunden restriktiver werden will. Das Makabre daran:

Die tatsächliche, um die statistischen „Bereinigungen“ bereinigte Arbeitslosenquote, wie sie von www.shadowstats.com berechnet wird, ist im Dezember sogar wieder leicht gestiegen und liegt nun bei 23,1 Prozent. Was dabei herauskommen wird, sollte die Notenbank tatsächlich ihre Politik des ultraleichten Geldes verschärfen, liegt auf der Hand.

Ja ja, diese Amerikaner, werden Sie vielleicht denken. Aber seien wir nicht zu vorschnell. Die Änderung des Sozialgesetzbuchs von 2008 gestattet es der Bundesagentur für Arbeit, Hartz IV-Empfänger ab einem Alter von 63 Jahren in Frührente zu schicken. Und davon wird auch fleißig Gebrauch gemacht. So hat sich die Anzahl der Zwangsverrentungen seit 2008 mehr als verdreifacht. Effekt: Die Arbeitslosenquote, die schon durch die zahlreichen unsinnigen „Maßnahmen“ der Arbeitsagentur um rund eine Million geschönt wird, sinkt statistisch noch weiter, während die Verrenteten mit Abschlägen auf ihr Altersruhegeld zurecht kommen müssen. So elegant lassen sich zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen und dummen Wählern als Erfolg verkaufen.

 

US-Earning Season: Böses Omen

Wie immer wird die Quartalsberichtssaison in den USA durch den Aluminiumgiganten Alcoa eröffnet. Und der präsentierte am Donnerstag nachbörslich unerwartet schlechte Zahlen. Hatte das Unternehmen im entsprechenden Vorjahresquartal noch einen Gewinn um 242 Millionen US$ ausgewiesen, brachten Oktober bis Dezember letzten Jahres ein Minus von 2,3 Mrd. US$ aufs Papier.

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Die Erwartungen der Analysten wurden damit deutlich verfehlt. Nun bleibt abzuwarten, was in der kommenden Woche an Zahlen kommt. Sollte Alcoa richtungweisend gewesen sein, könnte den Anlegern schwanen, dass die nahe der Reaktionsschwelle der Federal Reserve liegenden Arbeitsmarktdaten und schwächere Gewinnausweise ein Cocktail sind, der das aktuelle Kursniveau als „etwas“ zu hoch erscheinen lässt. Aber wie gesagt: Warten wir erst einmal die nächsten Zahlen ab! Was Alcoa betrifft, wird es unter 10 US-Dollar kritisch. Und dieser Kurs liegt ja nun in unmittelbarer Reichweite …

US-Immobilienmarkt:  Dunkle Wolken

Während sich die Masse der Experten mittlerweile auf einen „Aufschwung“ in den USA verständigt zu haben scheint, sieht es in einigen Bereichen ganz anders aus. Beispielsweise ausgerechnet am US Immobilien-bzw. Hypothekenmarkt, also gerade dort, wo die Finanzkrise im August 2007 zuerst klarere Konturen angenommen hatte. Denn wie Sie im Chart sehen, ist die Anzahl der Hypothekenanträge zuletzt auf den tiefsten Stand des mir zur Verfügung stehenden Datenmaterials seit 2001 gefallen.

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Quelle: markt-daten.de

Die Frage, die sich damit stellt, ist klar: Wenn weder die historisch beispiellos niedrigen Zinsen noch die Aussicht auf eine baldige Verschlechterung der Konditionen die Immobilieninteressenten aus der Reserve locken können, dann dürfte der nächste Abschwung am US-Häusermarkt nicht mehr lange auf sich warten lassen!

Rohstoffe mit neuem Verkaufssignal

Noch etwas sollten die Haussiers beachten. Und zwar die Rohstoffpreise. Denn anders als bullishe Erwartungen etwa aus Politik, Notenbanken oder IWF sind sie ein belastbarer Indikator für die Perspektive der Weltwirtschaft. Rechnen die Akteure dort mit einer anziehenden Konjunktur, steigen die Preise etwa für Industriemetalle, Bauholz oder Energie. Umgekehrt fallen sie, wenn die Marktteilnehmer mit einer Abschwächung der Wirtschaft rechnen und entsprechend weniger Rohstoffe kaufen.

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Letzteres schein gegenwärtig der Fall zu sein. Denn der Rogers Rohstoffpreis-Index ist in der vergangenen Woche erstmals wieder unter seine letzten Tiefs und damit auf den niedrigsten Stand seit Mitte 2012 gefallen.

Für sich genommen, sollte das nicht überbewertet werden. Aber es fügt einen weiteren Mosaikstein in das Bild einer heraufziehenden Deflation oder zumindest Stagnation, auch wenn die Notenbanken dieser Welt dieses Szenario verbal ins Reich des Unmöglichen verdammen. Zieht die Fed in diesem Umfeld tatsächlich die Zinsschraube an, versetzt sie der Wirtschaft den Todesstoß. Denn eine Deflation wird bekanntermaßen durch Zinssenkungen bekämpft, nicht durch Zinserhöhungen. Die Fed steht damit vor einem Problem: Sinkt die Arbeitslosenquote auf 6,5 Prozent, müsste sie schon allein aus Gründen der Glaubwürdigkeit handeln. Tut sie es, wird sie diesen Schritt schneller wieder rückgängig machen müssen als sie meint. Und das wäre nun auch wieder alles andere als Vertrauen bildend.

Sentiment mit jähem Dreh

Bewegung ist jetzt auch in den nebenstehenden Chart gekommen. Wie Sie wissen, hatte die Quote der negativ gestimmten US-Börsenbriefe vor Weihnachten ein neues 26-Jahrestief markiert und war in den vergangenen Wochen dort verblieben.

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Diese schiere Überoptimismus, der fast schon das heute überstrapazierte Prädikat „historisch“ verdient, hat in der abgelaufenen Woche jedoch einer heftigen Aufwärtszacke Platz gemacht. Was die Verfasser der Börsendienste zum Umdenken  bewegt haben mag, ist unklar. Umso klarer ist, dass dieser Schwenk zu einer Art sich selbst erfüllender Prophezeiung werden könnte, wenn die Anleger der aufkeimenden Skepsis folgen und Gewinne mitnehmen. Was zu tun ist, hatte ich ja bereits in der letzten Woche skizziert: Wer long ist, sollte auch long bleiben und sich nicht gegen den Markt stemmen. Unverzichtbar bleiben allerdings enge Stopps. In meinem Börsendienst „private profits“ bin ich derzeit noch im MDAX und im TecDAX auf der Longseite. Und beim TecDAX habe ich den Gewinn sichernden Stopp in der vergangenen Woche gleich zweimal nachgezogen. Es schläft sich ruhiger, wenn man weiß, was gesichert ist!

Deutsche Bank: Zweimal hinschauen

Es ist wie immer: Kaum veröffentlicht irgendwer einen bullishen Kommentar zu einer Aktie, rührt sich das Heer der Plagiateure, die dann aus einem vermeintlichen Kaufsignal gleich eine „Super-Chance“ oder eine „Mega-Chance“ machen. Sollten Sie nun Deutsche Bank-Aktien kaufen?

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Noch nicht. Dass die Aktie trotz der schier nicht abreißen wollenden Serie strafrechtlich relevanter Verfehlungen aus früheren Zeiten in der letzten Woche den Ausbruch aus dem charttechnischen „symmetrischen Dreieck“ hinbekommen hat, ist zwar schön, aber es gibt da nicht nur ein Haar in der Suppe. Zum einen ist ein Ausbruch aus einer derartigen Formation, wenn er tatsächlich erst aus der Spitze des Dreiecks heraus erfolgt, charttechnisch so gut wie wertlos. Zum anderen hätten die Umsätze den Ausbruch bestätigen müssen, was ebenfalls nicht der Fall war. Und drittens stößt der Kurs bereits nahe 40 Euro auf ein sehr massives Widerstandsniveau. Fazit: Viel Getöse um (noch) nichts. Anders sieht das bei der zweiten Bank-Aktie im DAX aus!

Commerzbank: Vor Ausbruch

Verglichen mit Deutsche Bank sieht Commerzbank aktuell erheblich interessanter aus. Das Haus hat nicht einmal ansatzweise so viele Leichen im Keller wie der große Wettbewerber. Das ist natürlich noch kein Kaufargument.

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Aber auch charttechnisch sieht der Titel sehr viel versprechend aus. Unter anziehenden Umsätzen(!) schob sich der Kurs in der letzten Woche bis zum Januarhoch des letzten Jahres vor. Kann diese Bremsmarke mit einem Schlusskurs von über 13,25 Euro signifikant überwunden werden, ist aus charttechnischem Blickwinkel der Weg frei bis zunächst einmal 16 und danach 25 Euro. Klingt nach viel, aber sehen Sie sich einmal an, wo der Kurs herkommt! Die Initialzündung zum Ausbruch könnte von den in der neuen Woche anstehenden Quartalszahlen einiger US-Banken kommen. Gelingt der Befreiungsschlag, lohnt hier der Einstieg – mit engem Stopp!

Viel Erfolg und beste Grüße!

Axel Retz

About the Author:

Axel Retz ist seit über 25 Jahren als Chefredakteur von Börsenmagazinen und Börsendiensten tätig und betreibt das Portal private-profits. Konservative Anleger finden dort seit Jahren bewährte, treffsichere Strategien zur Outperformance der Märkte in Hausse- und Baissephasen. Aggressivere Trader finden alle notwendigen Tools, um mit kleinem Einsatz kurzfristige Gewinne zu erzielen. „Phasen, in denen sich keine Gewinne erzielen lassen, das sind die Seitwärtsmärkte. Aber sie sind nichts anderes als Unterbrechungen im Trendverhalten. Technische oder fundamentale Analyse? Für mich macht es die Mischung!“

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