By 17. Oktober 2014 Read More →

Deutsche Bank, Commerzbank & Co. – Fakten zum Crash

Im 110 Werte umfassenden HDAX weisen mit Dialog, TAG und Sky Deutschland nur noch drei Aktien auf Sicht von vier Wochen eine positive Performance auf. Fast schon historisch negativ sind die Relationen bei den DAX-Werten. Doch jeder Crash bietet auch Chancen, zu deutlich günstigeren Kursen einzusteigen. Sollte man jetzt schon kaufen?   

Ich hoffe Sie haben die durchaus spannenderen vergangenen Handelswochen gut überstanden. Leider erfüllte der DAX nicht so ganz meine Wünsche und zeigte schon während meines Urlaubs eine deutlich erhöhte Volatilität. Immerhin bestätigte der Markt aber die Prognose, dass es erst außerhalb der alten Handelsspanne von 9000 bis 10.000 Punkten wieder spannender wird. Es ist viel passiert, hier lohnt sich kurz ein Blick in den Rückspiegel:

  • Seit dem 19. September büßte der DAX um rund 13 Prozent ein, der MDAX gab um rund 10 Prozent nach, für den Euro Stoxx 50 ging es um 12 Prozent abwärts. Die Marktkapitalisierung im DAX ist in den vergangenen drei Wochen um rund 100 Mrd. Euro gefallen

 

  • Unter der Oberfläche haben die Blue Chips einen stark überverkauften Zustand erreicht. Keine Aktie behauptet ihren 21-Tage-Durchschnitt, Conti, Daimler und Linde liegen als beste Werte um rund 3,3 bis 4,3 Prozent unter dem kurzfristigen Durchschnitt. RWE ist mit minus 13,8 Prozent am Ende des Rankings zu finden, knapp vor Deutscher Bank (- 12,6 Prozent) und Infineon (-12 Prozent). Während der vergangenen Korrekturen kam es hingegen vielfach zu einer Erholung, wenn nur noch 5 bis 15 Prozent der Werte ihre 21-Tage-Linie behaupteten – diese Regel scheint derzeit nicht mehr zu gelten.

 

  • Im langfristigen Bereich behaupten sich mit Merck, FMC und Bayer nur drei Aktien über ihrer 200-Tage-Linie. Auf den drei Abstiegsrängen liegen Deutsche Bank (-22,5 Prozent), Adidas (-27 Prozent) und Lufthansa (-30 Prozent).

 

  • Etwas besser hielten sich wie bereits im bisherigen Jahresverlauf die US-Börsen, der S&P gab um knapp 7 Prozent nach, der Nasdaq Composite um 8 Prozent

 

  • Seit Jahresbeginn liegt der S&P mit 0,8 Prozent noch knapp im Plus – auf diese Marke gilt es zu achten. Dreht die Performance in den negativen Bereich, dürften weitere Investoren aussteigen. Der DAX Kursindex lag zuletzt bereits prozentual zweistellig hinten und zählt international zu den schwächsten Indizes in 2014. Nur noch in Österreich und Portugal entwickelten sich die Märkte schlechter.

 

  • Dennoch haben sich  auch in den USA die Kräfteverhältnisse markant verschoben. Vor allem die historisch lange Rally beim S&P hat nun einen deutlichen Dämpfer erhalten, der Markt hielt sich bis Mitte Oktober für 98 Wochen über seiner 200-Tage-Linie – eine historisch lange Zeitspanne. Nur noch 11 Prozent der Aktien stehen über ihrer 20-Tage-Linie, kurzfristig ist also auch der US-Markt kräftig überverkauft. Eine ähnliche Ausgangslage gab es zuletzt im August 2013, hier kam es im Anschluss zu einer schnellen Eindeckungsrally. (Link)

 

  • Für dieses positive Szenario spricht das zuletzt deutlich erhöhte Handelsvolumen (Ausverkauf, Panikmodus am Mittwoch => S&P zeitweise mit Intraday-Verlust von 3,04 Prozent – höchster Wert seit November 2011; Handelsvolumen um 109 Prozent über dem 50-Tage-Durchschnitt). Index liegt um rund 7,4 Prozent unter dem Rekordhoch vom Vormonat, dies ist der schärfste Rücksetzer seit Ende 2012. (Link) Die Vola (VIX-Index) liegt um 70 Prozent über seinem 200-Tage-Durchschnitt – seit 1997 war signalisierte dieses Niveau mehrfach eine Kapitulation der Bullen.

 

  • Besonders der Energiesektor kam wegen der fallenden Ölpreise (negative Einschätzung der Weltkonjunktur) unter die Räder. Kein Sektor büßte kräftiger ein, rund 40 Prozent der Aktien im S&P 500 Energy Sector erreichten 52-Wochen-Tiefs. Die Vola am Ölmarkt (WTI) stieg stärker an als während des 2008er-Crashs (!).

 

  • Sentiment: Hier kann leider noch keine Kapitulation ausgemacht werden. Die US-Privatinvestoren (AAII-Befragung) sind zu rund 40 Prozent bullisch, Angst sieht anders aus. Auch bei den US-Börsenbriefschreibern deutet der hohe Anteil im neutralen Lager nicht auf Panik, hier bestehen noch Abwärtsrisiken.

 

  • Flucht in Sicherheit hält an, Gold und Silber zeigen zumindest eine Stabilisierung, auch US-Bonds und deutsche Anleihen bleiben gefragt. 30jährige US-Bonds haben fast die Tiefs aus 2008 und 2012 (Crash) erreicht. In Europa keimen wieder die Sorgen um die Schuldenkrise auf – die Differenz zwischen griechischen und deutschen Bonds zieht an.

 

  • Immerhin verbesserten sich die Bewertungen, auch wenn nach wie vor nicht von „günstigen“ Aktien gesprochen werden kann. Beim DAX ist das Kurs-Gewinn- Verhältnis (KGV) für die kommenden 12 Monate seit Anfang September nach Angaben von MM Warburg um 0,8 Zähler auf 11,6 gefallen, beim Euro Stoxx 50 liegt das KGV aktuell bei 12,4 (-0,6 Zähler) und beim S&P 500 bei nun 15,3 (-0,3 Zähler).

DAX: Stunden- und Tagesanalyse

Tradesignal Online. Tradesignal® ist eine eingetragene Marke der Tradesignal GmbH. Nicht autorisierte Nutzung oder Missbrauch ist ausdrücklich verboten.

Wegen der enormen Volatilität im DAX ist es derzeit fast unmöglich, mit einem vertretbaren Risiko auf dem ermäßigten Kursniveau einzusteigen. Allein am gestrigen Nachmittag bewegte sich das Aktienbarometer innerhalb von weniger als zehn Minuten um mehr als 200 Punkte. Wer dennoch sein Glück versuchen möchte, sollte nur Spielgeld einsetzen und streng mit Stoppkursen arbeiten.

Kurz- und mittelfristig ist der Trend eindeutig abwärts gerichtet, neue Engagements auf der Long-Seite sind somit sehr risikoreich. Dennoch gibt es gute Gründe, auf eine Erholung zu setzen. Der Abstand zur 21-Tage-Linie hat ein unteres Extremniveau erreicht, gleiches gilt auch für viele DAX-Werte. Zudem bildete sich gestern eine klassische Hammer-Formation aus (die Tagestiefs wurden gekauft und der Markt schloss nahezu unverändert). Wichtig: Der mögliche Ausverkauf wurde von einer kräftigen Zunahmen beim Handelsvolumen begleitet – auf Xetra lagen die Umsätze bei 7,3 Mrd. Euro, der 3 Monatsdurchschnitt liegt bei 3,1 Mrd. Euro. Zielbereiche bei einer Erholung liegen bei 8690 / 8700 (Abwärtstrend; horizontaler Widerstand), darüber wäre Platz bis knapp 8900. Fällt der DAX hingegen per Tagesschluss auf neue Jahrestiefs (unter 8355), richtet sich der Blick auf die in der Wochenanalyse identifizierten Kursziele.

Am kommenden Dienstag findet wieder ein kostenloses Webinar statt, hier werden wir uns die Charts noch wesentlich genauer anschauen. Sie können sich schon jetzt gerne hier anmelden.

Tradesignal Online. Tradesignal® ist eine eingetragene Marke der Tradesignal GmbH. Nicht autorisierte Nutzung oder Missbrauch ist ausdrücklich verboten.

Wochenanalyse:

Top-Formation wurde aufgelöst

Mit den jüngsten Verlusten hat der DAX die breite Schiebezone zwischen 9000 bis 10.000 nach unten hin verlassen und ein klassisches Verkaufssignal geliefert. Dabei spielt es keine Rolle, ob die Bewegung seit Herbst 2013 als Rechteck, Dreifach-Top, SKS oder was auch immer klassifiziert wird, denn die Kurszielbestimmung ist bei allen Varianten identisch. Um das Abwärtspotenzial zu bestimmen, wird die Höhe der Formation an den Ausbruchspunkt gespiegelt, hier zeigt der Chart weitere Risiken bis rund 7750. Es könnte also durchaus sein, dass die 2000 / 2007er-Hochs unterboten werden und auch die letzten Optimisten aufgeben, bevor eine Erholung einsetzt. Diese Kursziel bleibt vorerst intakt, solange der DAX nicht per Wochenschluss die 9000 zurückerobert.

Tradesignal Online. Tradesignal® ist eine eingetragene Marke der Tradesignal GmbH. Nicht autorisierte Nutzung oder Missbrauch ist ausdrücklich verboten.

Monatsanalyse:

Die Würfel sind offenbar gefallen

Im langfristigen Monatschart standen zwei Szenarien bisher im Blickpunkt: Entweder eine kurze Konsolidierung bei 10.000 mit anschließend weiter steigenden Kursen oder ein klassischer Retest der 2000 / 2007er-Hochs. Gerade die bearische Variante erschien zuletzt deutlich wahrscheinlicher, und so kam es nun auch. Der MACD leistete erneut sehr gute Dienste und warnte frühzeitig vor einer Korrektur. Ich hatte zuletzt mehrfach auf die erhöhten Risiken hingewiesen.

Für Anleger, die den Ausbruch Mitte 2013 verpassten, eröffnet sich somit auf den ersten Blick noch einmal eine gute Gelegenheit zum Einstieg. Allerdings hat sich die Lage im MACD noch längst nicht abgekühlt, wir handeln unverändert auf einem erhöhten Niveau, dass Verkaufssignal ist intakt. Bis in den Bereich um 7750 / 8000 bleibt das Szenario einer Retest-Bewegung noch intakt. Darunter wird es dann deutlich bearischer, Kursverluste bis an die gestrichelte Aufwärtstrendlinie (Hilfslinie) bei rund 6000 wären denkbar, wenn auch das Kursziel aus der Wochenanalyse unterboten werden sollte. Noch aber besteht Grund zur Hoffnung, dass wir diese Kursregionen nicht sehen werden.   

Tradesignal Online. Tradesignal® ist eine eingetragene Marke der Tradesignal GmbH. Nicht autorisierte Nutzung oder Missbrauch ist ausdrücklich verboten.

Posted in: Deutschland, Indizes

About the Author:

Franz-Georg Wenner ist regelmäßiger Gast beim Deutschen Anlegerfernsehen und gern gesehener Vortragsredner. Er hält regelmäßig Webinare und referierte unter anderem beim Verein Technischer Analysten Deutschlands (VTAD). Bei BÖRSE ONLINE war er sechs Jahre Online-Koordinator und Redakteur mit den Schwerpunkten Nebenwerte Deutschland, Zertifikate und Technische Analyse. Zusätzlich betreute er für die Commerzbank den Zertifikate-Newsletter ideas daily. Bereits seine Diplomarbeit im Fachbereich BWL der Uni Düsseldorf beschäftigte sich mit der Intermarket-Analyse.

Comments are closed.

Wir benutzen Cookies um die Nutzerfreundlichkeit der Webseite zu verbessen. Durch die weitere Nutzung der Seite www.chartanalysen-online.de stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu.