By 28. Oktober 2014 Read More →

Deutsche Bank, Commerzbank & Co. – die wirkliche Lage sieht anders aus

Nicht nur Bank-Aktien zeigen derzeit eine erhöhte Volatilität, auch die Handelsspanne beim DAX ist nach wie vor überdurchschnittlich. Ein klares Zeichen erhöhter Nervosität. Zu Recht. Denn nicht nur die Ergebnisse des angeblichen Stresstests werfen doch einige Fragen auf.

Es ist schon manchmal erstaunlich, welche Interpretationen und Begründungen für die Kursentwicklung von DAX & Co. herangezogen werden. Gestern war mal wieder so ein Tag. In vielen Börsenmedien wurde der ifo-Index als Begründung für den schwachen Wochenauftakt herangezogen. Richtig ist, dass das wichtigste heimische Konjunkturbarometer nach wie vor keinen Boden findet. In den Führungsetagen der deutschen Konzerne ist die Stimmung passend zur Jahreszeitlich eher ungemütlich, dass Geschäftsklima fiel auf den niedrigsten Stand seit Dezember 2012 und zeigte den sechsten Rückgang in Folge. Fast noch wichtiger ist aber die Tatsache, dass eine Bodenbildung bei den Geschäftserwartungen weiter auf sich warten lässt. Auch in den kommenden Monaten dürfte es daher stürmisch bleiben, eine schnelle Erholung zeichnet sich nicht ab. Sicherlich, im Vergleich zu anderen europäischen Nationen steht die deutsche Wirtschaft noch gut da. Aber eine Entkopplung wird es nicht geben.

Und wie reagierte der DAX? Mit weiter fallenden Kursen, wobei hier das Wörtchen „weiter“ entscheidend ist. Denn bereits vorher kippte die Stimmung, nicht erst mit Veröffentlichung der Daten aus München. Ein kleiner aber feiner Unterschied. Und dies ist auch nachvollziehbar, denn die Ergebnisse des EZB-Stresstests waren ebenfalls nicht überzeugend. Nur 25 der 130 geprüften Banken haben den TÜV nicht bestanden, hieß es aus dem Notenbank-Tower. Allerdings: Wichtige Bereiche wurden bei dem Test überhaupt nicht unter die Lupe genommen. Dazu zählen besonders die milliardenschweren Staatsanleihen-Bestände in den Bilanzen. Was passiert, wenn sich die Euro-Krise zurückmeldet und die Bonds aus Griechenland, Spanien oder Italien unter Wasser geraten? Tja, dass wird dann wohl die Praxis zeigen. Gleiches gilt auch für den gesamten Derivate-Bereich. Hier lauern bei Marktturbulenzen bekanntlich die größten Risiken, wie die jüngere Vergangenheit zeigte. Aber auch hier schaute die EZB nicht genauer hin, sicherlich auch, weil bei den komplexen Produkten wenn überhaupt nur wenige Experten realistische Szenarien prüfen könnten.

Stress ist also relativ, es kommt immer darauf an, welches Ergebnis man haben möchte. Zumindest die britische Notenbank scheint den Kollegen aus Frankfurt einen Schritt voraus zu sein und kündigte bereits an, eine deutlich strengere Prüfung durchzuführen, bei der auch die Großbanken wahrscheinlich nicht bestehen werden. Wir dürfen gespannt sein.

 

DAX: Stunden- und Tagesanalyse

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Angesichts dieser Tatsachen scheint auch den DAX-Bullen der Mut zu fehlen für weitere Anschlusskäufe über der 9000. Ähnlich die Lage in den USA. Der S&P zeigte eine stramme Erholung, doch nun steht mit einer horizontalen Barriere sowie der 100-Tage-Linie im Bereich 1960 / 1970 eine hohe Hürde bevor. Dieser Widerstand dürfte wohl nur dann fallen, wenn die Fed auf ihrer Sitzung am Mittwoch mit positiven Nachrichten überrascht. Wieder einmal hängt somit die weitere Entwicklung an den Notenbanken. Charttechnische Marken verlieren in einem solchen Umfeld an Relevanz. Entsprechend sollten sich Anleger mit größeren Engagements eher zurückhalten und zunächst schauen, wie die Akteure auf die neue Ausgangslage reagieren.

Wer sich die Tageskerzen im DAX anschaut, sieht nun einen Bearish Engulfing Pattern. Die kleine Kerze vom vergangenen Freitag (Unsicherheit) wurde am Montag von einer langen, schwarzen Kerze umschlossen. Ein negatives Signal, noch aber fehlt der entscheidende Gegenschlag. Denn der DAX handelt noch über der im Stundenchart eingezeichneten, horizontalen Unterstützung bei rund 8840 bis 8860. Solange diese Zone hält, bleibt der Aufwärtsimpuls noch intakt. Bei einem Rücksetzer steht zunächst die 8700er-Region zur Verfügung, hier steht die Börsenampel aber bereits auf Orange. Darunter wäre mit neuen Jahrestiefs zu rechnen.

Auf der Oberseite bremst derzeit die 21-Tage-Linie den Markt aus, der Durchschnitt verläuft bei 9000 und wurde zuletzt noch nicht per Stundenchluss überschritten. Gelingt dies, liegen die nächsten Ziele bei 9100 und darüber 9170.

Heute findet wieder ein Chartwebinar statt – DAX 10.000 Check Oktober mit vielen Einzelaktien, die wir auf zahlreiche technische Daten abklopfen werden. Anmelden können Sie sich gerne hier.

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Wochenanalyse:

Top-Formation wurde aufgelöst

Mit den jüngsten Verlusten hat der DAX die breite Schiebezone zwischen 9000 bis 10.000 nach unten hin verlassen und ein klassisches Verkaufssignal geliefert. Dabei spielt es keine Rolle, ob die Bewegung seit Herbst 2013 als Rechteck, Dreifach-Top, SKS oder was auch immer klassifiziert wird, denn die Kurszielbestimmung ist bei allen Varianten gleich. Um das Abwärtspotenzial zu bestimmen, wird die Höhe der Formation an den Ausbruchspunkt gespiegelt, hier zeigt der Chart weitere Risiken bis rund 7750 (rote Balken). Es könnte also durchaus sein, dass die 2000 / 2007er-Hochs unterboten werden und auch die letzten Optimisten aufgeben, bevor eine Erholung einsetzt. Diese Kursziel bleibt vorerst bestehen, solange der DAX nicht per Wochenschluss die 9000 deutlich zurückerobert.

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Monatsanalyse:

Die Würfel sind offenbar gefallen

Im langfristigen Monatschart standen zwei Szenarien bisher im Blickpunkt: Entweder eine kurze Konsolidierung bei 10.000 mit anschließend weiter steigenden Kursen oder ein klassischer Retest der 2000 / 2007er-Hochs. Gerade die bearische Variante erschien zuletzt deutlich wahrscheinlicher, und so kam es nun auch. Der MACD leistete erneut sehr gute Dienste und warnte frühzeitig vor einer Korrektur. Ich hatte zuletzt mehrfach auf die erhöhten Risiken hingewiesen.

Für Anleger, die den Ausbruch Mitte 2013 verpassten, eröffnet sich somit auf den ersten Blick noch einmal eine gute Gelegenheit zum Einstieg. Allerdings hat sich die Lage im MACD noch längst nicht abgekühlt, wir handeln unverändert auf einem erhöhten Niveau, dass Verkaufssignal ist intakt. Bis in den Bereich um 7750 / 8000 bleibt das Szenario einer Retest-Bewegung noch möglich. Darunter wird es dann deutlich bearischer, Kursverluste bis an die gestrichelte Aufwärtstrendlinie (Hilfslinie) bei rund 6000 wären denkbar, wenn auch das Kursziel aus der Wochenanalyse unterboten werden sollte. Noch aber besteht Grund zur Hoffnung, dass wir diese Kursregionen nicht sehen werden.   

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About the Author:

Franz-Georg Wenner ist regelmäßiger Gast beim Deutschen Anlegerfernsehen und gern gesehener Vortragsredner. Er hält regelmäßig Webinare und referierte unter anderem beim Verein Technischer Analysten Deutschlands (VTAD). Bei BÖRSE ONLINE war er sechs Jahre Online-Koordinator und Redakteur mit den Schwerpunkten Nebenwerte Deutschland, Zertifikate und Technische Analyse. Zusätzlich betreute er für die Commerzbank den Zertifikate-Newsletter ideas daily. Bereits seine Diplomarbeit im Fachbereich BWL der Uni Düsseldorf beschäftigte sich mit der Intermarket-Analyse.

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