Der beste Indikator für die Weltwirtschaft?

Themen des Tages:  US-Bilanzsaison ist eröffnet +++ ein Chart, zwei Meinungen +++ Griechenland erhält neue Milliarden 

 

 

Sommerflaute war vergangene Woche, jetzt geht es endlich wieder rund. Nein, gemeint ist natürlich nicht die Bundesliga. Bis in den heimischen Stadien wieder das Leder rollt, vergehen noch ein paar Wochen (9. August). In der Zwischenzeit werden wir aber sicherlich durch die mit Spannung erwartete US-Berichtssaison bestens unterhalten. Der Startschuss fiel gestern, traditionell mit dem Zahlenwerk von Alcoa. Da der Aluminiumriese als Gradmesser für die Weltkonjunktur gilt, verdient die Bilanz viel Beachtung. Unter dem Strich übertraf der vom Ex-Siemens-Chef Klaus Kleinfeld geführte Konzern die Erwartungen des Marktes – zumindest auf bereinigter Basis. Unter Berücksichtigung von Restrukturierungskosten und weiterer Belastungen blieb unter dem Strich ein Verlust von 119 Mio. Dollar. Am Markt wurden aber die positiven Nachrichten begrüßt, die Aktie legte nachbörslich zeitweise um rund ein Prozent zu. Für Aktionäre nur ein sehr schwacher Trost, denn das erste Halbjahr beendete Alcoa als schlechtester der 30 Dow Jones-Werte. Aber an der Börse wird bekanntlich die Zukunft gehandelt und hier bestätigte Alcoa seine Prognose für das Wachstum der weltweiten Aluminiumnachfrage in 2013 von sieben Prozent. Steigender Bedarf bei Aluminium, vor allem durch die US-Autobauer und die Luftfahrtindustrie stimmen den Konzern zuversichtlich. Sorgen bereitet hingegen weiterhin die Konkurrenz aus China. Der hohe Ausstoß aus Asien drückt seit Jahren den Preis für das leichte Metall und veranlasste Alcoa zu Werksschließungen, was natürlich wieder mit Kosten verbunden war.

Wie sensibel der Kurs auf die Entwicklung des Alu-Preises reagiert, zeigt eindrucksvoll der Chart. Seit rund einem Jahr hielt sich die Alcoa-Aktie nur mit viel Mühe über der Unterstützung von rund acht Dollar. Mitte Juni fiel der Aluminiumpreis auf ein Dreijahrestief unter die Barriere bei 1800 Dollar / Tonne und schickte auch Alcoa in den Keller. Ein perfektes Zusammenspiel von Rohstoffpreisentwicklung und Aktienkurs.

 

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Nicht ganz so perfekt ist auf den ersten Blick die angebliche Signalfunktion von Alcoa als Barometer für die Weltwirtschaft. Auch hier schauen wir auf den Kursverlauf. Dargestellt ist die Entwicklung der Alcoa-Aktie sowie des US-Leitindex S&P 500 seit Anfang 2008. Ohne eine genaue Korrelationsanalyse durchzuführen fällt recht schnell auf, dass sich beide Notierungen bis ungefähr Mitte 2011 in dieselbe Richtung entwickelten. Seitdem geht die Schere aber deutlich auseinander. Der breite Aktienmarkt profitierte vom billigen Notenbankgeld und markierte neue Rekorde, während Rohstoffe und damit auch Rohstoffkonzerne wie Alcoa fast eine gegenteilige Performance ablieferten. Ein weiteres Beispiel für die massiven Verzerrungen als Folge der Zentralbank-Interventionen. Oder anders formuliert: Selten war die Differenz zwischen den Rohstoffmärkten als Indikator der Weltwirtschaft (steigende Preise deuten auf eine gesunde Konjunktur) und den Aktienkursen größer als derzeit.

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Zum heutigen Handelstag

Wie erwartet bleibt Griechenland weiterhin „flüssig“. Nach zähen Verhandlungen erhalten die Griechen im Juli vier Milliarden von ihren europäischen Freunden, danach noch weitere 1,8 Milliarden im August und im Oktober noch einmal eine Milliarde. Weitere Sparanstrengungen und Reformen sollen die Griechen natürlich durchführen aber diese Mahnungen kennt man ja schon. Besonders
Frankreich und Österreich drängen wohl auf eine schnelle Auszahlung – Griechenland muss schon bald größere Mengen an Anleihen bedienen. An den Devisenmärkten wächst jedenfalls wieder das Vertrauen in die Gemeinschaftswährung. Nach dem deutlichen Rücksetzer in der Vorwoche von 1,305 auf 1,28 US-Dollar steigt der Euro am Morgen auf knapp 1,29 US-Dollar. Die gute Stimmung schwappt auch auf die Aktienmärkte über, der DAX steigt um 0,6 Prozent auf 8017 Punkte. Nach Meinung einiger Händler könnte damit aber bereits das Tagespensum ausgeschöpft sein. Die Spanne der von Dow Jones befragten Marktteilnehmer liegt heute zwischen 7950 bis 8040 Punkten. Wie in der DAX-Chartanalyse (LINK) bereits erwähnt empfehle ich Ihnen, vor allem die nördliche Begrenzung im Auge zu behalten.

 


Zur Verfügung gestellt von: Forexpros dem Aktien Portal

 

About the Author:

Franz-Georg Wenner ist regelmäßiger Gast beim Deutschen Anlegerfernsehen und gern gesehener Vortragsredner. Er hält regelmäßig Webinare und referierte unter anderem beim Verein Technischer Analysten Deutschlands (VTAD). Bei BÖRSE ONLINE war er sechs Jahre Online-Koordinator und Redakteur mit den Schwerpunkten Nebenwerte Deutschland, Zertifikate und Technische Analyse. Zusätzlich betreute er für die Commerzbank den Zertifikate-Newsletter ideas daily. Bereits seine Diplomarbeit im Fachbereich BWL der Uni Düsseldorf beschäftigte sich mit der Intermarket-Analyse.

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