DAX – zwei Trends stehen auf dem Prüfstand

Anleger, die bisher noch nicht in den wohlverdienten Urlaub gefahren sind und den DAX weiter verfolgen, werden gut unterhalten. Besonders aus charttechnischer Sicht stehen die Märkte vor einer Weggabelung: Entweder setzt sich der kurz- oder der langfristige Trend durch.

 

DAX: Stunden- und Tagesanalyse

Kaum zeigt der deutsche Aktienmarkt etwas mehr Bewegung, strömen verstärkt einige Trader in den Markt und versuchen ihr Glück. So wie am Montag, als der Markt nach einer sehr ruhigen Eröffnung vor sich hin dümpelte und mit Beginn der US-Sitzung um rund 100 Punkte absackte. In einigen Marktkommentaren und Berichten war schon von einem Ausverkauf und Absturz zu lesen – ganz so dramatisch war es dann doch nicht. Bis zur Schlussglocke holte der Index rund die Hälfte der Verluste auf und ging um rund 0,5 Prozent tiefer aus dem Handel. Das Umsatzvolumen zog erneut an und lag mit 2,9 Mrd. Euro auf einem deutlich erhöhten Niveau (3-Monats-Durchschnitt: 2,9 Mrd. Euro; 1-Jahres-Durchschnitt 3 Mrd. Euro).

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Reichlich Spannung verspricht nun die Charttechnik. Der Stundenchart deutet die prekäre Ausgangslage bereits an: Der DAX fiel zum Wochenauftakt unter das bisherige Monatshoch und somit die Unterstützungsregion um 9580 / 9625. Im Tagestief bei 9527 notierte der Markt kurzzeitig sogar unter der seit gut zwei Jahren bestehenden Aufwärtstrendlinie. Hingegen wurde die seit Ende Mai bestehende Untergrenze des kurzfristigen Abwärtskanals exakt getroffen. Wesentlich wichtiger als Intraday-Bewegungen ist aber der Tagesschluss – und hier rettete sich der deutsche Aktienmarkt so gerade noch über den langfristigen Aufwärtstrend sowie die Kombination aus horizontaler Unterstützung und 38,2 Prozent Fibonacci-Niveau. Ich hatte gestern darauf hingewiesen, dass zahlreiche Schnäppchenjäger einen möglichen Rücksetzer zum Einstieg nutzen werden.

Die entscheidende Frage lautet: Welcher Trend wird sich durchsetzen – der kurzfristige Abwärtstrend oder der übergeordnet noch intakte langfristige Aufwärtstrend? Es ist nur eine Frage der Zeit, an einem gewissen Punkt muss sich der Markt für eine Richtung entscheiden.

Während der langfristige Aufwärtstrend weiter anzieht, fällt die Oberkante des kurzfristigen Abwärtskanals. Spätestens Ende August / Anfang September schneiden sich beide Linien bei rund 9700, in rund vier Wochen werden wir als definitiv wissen, welcher Impuls die Oberhand behält. Sehr wahrscheinlich wird aber bereits vorher eine Entscheidung fallen – vielleicht schon in dieser Woche. Denn mit der Fed-Zinsentscheidung am Mittwoch und den US-Arbeitsmarktdaten am Freitag stehen zwei Termine von übergeordneter Bedeutung auf der Agenda.

Dank guter Vorgaben von den internationalen Börsen dürfte zunächst eine technische Erholung starten, der DAX wird knapp oberhalb des frischen Widerstandsbereichs um 9580 / 9625 erwartet. Darüber lauert um 9710 ein schwacher Widerstand, richtungsweisend bleibt die Region um die 21-Tage-Linie bei 9785 bzw. die horizontale Barriere um 9800.

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Wochenanalyse:

MACD mit gefährlicher Divergenz

Mittel- bis langfristig betrachtet ist die Rally trotz der seit gut sieben Monaten laufenden Konsolidierung weiterhin als intakt zu bezeichnen. Richtungsweisend ist ein seit Sommer 2012 bestehender Aufwärtskanal, dessen Extremzonen mehrfach bestätigt wurden und somit über eine gewisse Relevanz verfügen. Während zum Jahreswechsel verstärkt die Oberseite im Fokus stand, steht seit März die untere Begrenzung der Range im Mittelpunkt. Bisher nutzten die Käufer jeden Rücksetzer zum Einstieg, ein Verhalten, das wir auch im vergangenen Jahr mehrfach gesehen haben. Lediglich die Tatsache, dass der DAX bereits länger nicht mehr die obere Trendlinie angelaufen hat, kann als Signal für eine abflauende Nachfragekraft ausgelegt werden.

Aus technischer Sicht stellt die 10.000er-Schwelle nur eine unbedeutende Kursmarke dar. Inzwischen scheint der psychologische Effekt aber den DAX zumindest zu einer Atempause zu zwingen. Potenzial auf der Oberseite wäre durchaus noch vorhanden, mittelfristig lässt der Kanal Platz bis 10.900.

Auf der Südseite ist der DAX gut abgesichert. Neben der erwähnten, zuletzt mehrfach bestätigten Aufwärtstrendlinie bei derzeit rund 9560 sorgen auch die 200-Tage-Linie bei 9470 und die breite horizontale Unterstützungszone um 8900 / 9000 für Sicherheit. Eine größere Umkehrformation und somit Schwächesignal in der mittel- bis langfristigen Zeitebene wird erst mit einem Wochenschluss unter 8900 aktiviert.

Etwas kritisch sind die Signale der Markttechnik einzuordnen. Der DSS Bressert hat seine obere Extremzone verlassen und läuft auf den unteren Bereich zu. Besonders aber der etwas trägere und langfristig ausgerichtete MACD auf Wochenbasis bereitet Sorgen. Während der DAX vor wenigen Wochen ein im Vergleich zum Jahresauftakt höheres Hoch ausbildete, wurde diese Bewegung durch den MACD nicht mehr bestätigt. Diese negative Divergenz muss genau verfolgt werden und könnte ein Hinweis auf eine größere Korrekturbewegung sein.

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Monatsanalyse:

Zwei Szenarien für die Zukunft

Im abgebildeten Monatschart seit 1960 wird vor allem die Bedeutung des Kursbereichs um 8000 / 9000 deutlich. Nach dem Ausbruch aus einer rund 20 Jahre andauernden Seitwärtsbewegung im Jahr 1983 zeigte der DAX bis zur Jahrtausendwende eine ausgeprägte Rally-Bewegung. Mit dem Platzen der Spekulationsblase wurde diese Aufwärtsbewegung in den vergangenen 13 Jahren konsolidiert. In dieser Zeit bildete der Deutsche Aktienindex deutlich steigende Bewegungstiefpunkte aus, was auf einen allmählich steigenden Kaufdruck deutet. Der Sprung über die Hochpunkte aus dem Jahr 2000 und 2007 bei 8200 war somit nur eine Frage der Zeit. Der DAX löste ein sehr bullish aufsteigendes Dreieck nach oben hin auf, aus dem theoretisch Notierungen deutlich jenseits der 10.000er-Marke abgeleitet werden können.

Nach dem nun erfolgten Ausbruch sind zwei grundsätzliche Szenarien denkbar. Aufgrund der Bedeutung der Zone um 8200 wäre eine Rückkehrbewegung und somit ein Retest des Ausbruchsniveau nicht überraschend. Ein möglicher Wendepunkt könnte an der psychologisch wichtigen Schwelle von 10.000 liegen. Ausgehend von einem kurzen Test der fünfstelligen Kursmarke wäre mit einer Korrektur bis in den Bereich von 8200 / 8500 zu rechnen, von dem aus dann eine nachhaltige Aufwärtsbewegung erfolgen würde. Zugleich eröffnet sich Anlegern, die den Einstieg bisher verpassten, auf langfristige Sicht noch einmal eine gute Einstiegsgelegenheit.

In einem zweiten Szenario bleibt ein Test der Zone um 8200 von oben aus. Stattdessen läuft der Markt nach einer recht wahrscheinlichen Konsolidierung bei rund 10.000 weiter aufwärts. Neue Widerstände müssten sich erst noch herausbilden. Unwahrscheinlicher erscheint hingegen ein Rücksetzer unter das Ausbruchsniveau von 8200. Eine ähnliche Situation liegt auch im amerikanischen Leitindex S&P 500 vor.

Auf Basis der Indikatoren wäre noch ein wenig Luft nach oben vorhanden. Beachten Sie aber auch hier den MACD, der in den vergangenen 13 Jahren eigentlich recht zuverlässig die Wendepunkte beim DAX antizipierte. Allmählich erreicht der Signalgeber wieder die Niveaus aus den Jahren 2000 und 2007 (rote Linie).

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Posted in: Deutschland

About the Author:

Franz-Georg Wenner ist regelmäßiger Gast beim Deutschen Anlegerfernsehen und gern gesehener Vortragsredner. Er hält regelmäßig Webinare und referierte unter anderem beim Verein Technischer Analysten Deutschlands (VTAD). Bei BÖRSE ONLINE war er sechs Jahre Online-Koordinator und Redakteur mit den Schwerpunkten Nebenwerte Deutschland, Zertifikate und Technische Analyse. Zusätzlich betreute er für die Commerzbank den Zertifikate-Newsletter ideas daily. Bereits seine Diplomarbeit im Fachbereich BWL der Uni Düsseldorf beschäftigte sich mit der Intermarket-Analyse.

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