By 2. März 2015 Read More →

DAX und Dow Jones – bald werden wir richtig Spaß haben

Im März will die EZB bekanntermaßen damit beginnen, für rund 60 Milliarden pro Monat Staatsanleihen aufzukaufen. Das darf sie zwar nicht, aber wenn sich schon die EU einen Dreck um die Verträge von Lissabon und Maastricht schert, befindet sich die Notenbank in bester Gesellschaft. Für uns eröffnen sich neue Chancen.

Liebe Leserinnen und Leser,

vorgebliche Ziele der Anleihekäufe: Die Wirtschaft soll angekurbelt und der Deflation der Garaus gemacht werden. Die Idee ist, pardon, ein wenig bescheuert. Oder freundlicher formuliert: Ins Kalkül der EZB scheint sich ein kleiner Denkfehler eingeschlichen zu haben. Denn warum sollten Banken lang laufende Staatsanleihen, die ja immer noch mit einem vergleichsweise hohen Zinscoupon ausgestattet sind, an die EZB verkaufen? In der Eurozone befinden sich aktuell Anleihen im Gegenwert von ca. sechs Billionen Euro im Umlauf. Und sie alle werfen natürlich mehr ab als bei der EZB hinterlegte Cash-Bestände, die mit üppigen minus 0,2 Prozent verzinst werden. Warum also sollten Banken, Versicherer und Fonds, die 83 Prozent dieser Anleihen halten, ihre Milchkühe an die Notenbank verkaufen?

Und wie und warum sollte das der Wirtschaft nutzen? Die wirkliche Absicht der EZB dürfte eine ganz andere sein: Seit dem sgn. Ende der Finanzkrise sind die Staatschulden ja nicht gesunken, sondern massiv gestiegen. Und um die Zinsbelastung für neue Schulden so gut wie auszuschalten, muss ein Null- oder besser noch Negativzins her. Anleihen, die der Anleger kauft und die ihm keine oder sogar eine zugesagt negative Verzinsung bringen, sind dennoch der Renner – sonst stünde der Bund Future nicht auf Allzeithoch.

Für den Anleger/Sparer sieht die Sache natürlich etwas anders aus: Die Staatsfinanzierung der EZB über ihre Zinspolitik und ab März ja auch über Anleihekäufe hat die Umlaufrendite auf 0,27 Prozent gedrückt. Und wirkt das erst einmal, dürfte so gut wie sicher sein, dass wir auch hier bald einen Negativzins sehen werden.

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Diese wunderschöne und von der Politik und den Medien als phantastisch bejubelte Geldpolitik hat nur einen Haken: Hinter der Formulierung „Die Zinsen werden gesenkt“ verbirgt sich de facto ein „Der Strafzins wird erhöht“. Ergebnis:

Wenn Sie sich von Ihrer Bank Geld leihen, werden Sie kräftig zur Kasse gebeten. Haben Sie hingegen Knete, werden Sie ebenfalls zur Kasse gebeten. Denn bei einem Negativzins dürfen Sie zuschauen, wie Ihr Erspartes langsam aber sicher abschmilzt wie der Schnee im März. Die Bank gewinnt immer.

Die Zerstörung der Verzinsung, das sollten sich unsere Politiker einmal hinter die Ohren schreiben, wird ihnen noch gewaltig Kopfzerbrechen bereiten. Die demographische Entwicklung, zusammen mit der Explosion der „atypisch Beschäftigten“ und einer Null- oder Negativverzinsung der privaten Altersvorsorge, ist ein wahrer Geniestreich zur Etablierung von Massen-Altersarmut.

Natürlich: Könnte man argumentieren: „Wir waren ja auf dem besten Weg, aber dann brach halt der Krieg aus.“, wäre das die Lösung. Kriege brechen aber nicht aus, Kriege werden gewollt und gemacht. Auch wenn es etwas zynisch klingen mag, es ist nicht so gemeint: Hoffen wir auf eine friedliche Währungsreform! Ein Zins- und Zinseszinssystem muss zwangsläufig immer dort ankommen, bevor der ganze Spuk immer und immer wieder von vorn beginnt. Das Zinsverbot, wie es im Alten Testament galt und heute noch im Islam gilt, ist daher nicht die schlechteste aller Ideen. Leider dient sie nicht denen, die immer und überall Geld machen wollen, weswegen Sie nicht auf ihre Umsetzung hoffen sollten.

Die allermeisten Menschen möchten leben, ohne alt zu werden. Und unsere Fortschrittsgesellschaft hat dazu geführt, dass diese Allermeisten alt werden, ohne gelebt zu haben. Kleiner Systemfehler, wenn ich das anmerken darf. Genau deswegen – ich bin beileibe kein „Kapitalist“ – muss man sich heute die Börse zum Diener machen. Wer glaubt, gegen „die Großen“ eh keine Chance zu haben, sollte sich einfach einmal die Frage stellen, warum denn dann diese Großen heute so gut wie allesamt mit dem Rücken zur Wand stehen.

Ganz einfach: Weil sie viel zu viel damit beschäftigt sind, sich im Spiegel ihrer vermeintlichen Unverzichtbarkeit zu sonnen statt einmal zurück zu den Wurzeln dessen zu gehen, wo und wie man am Markt Geld verdient.

Weltwirtschaft: Abwärts

Der zuletzt in Korrekturmodus eingeschwenkte Ölpreis hat dem Rogers Rohstoff-Index zwar zu einer kleinen Erholung verholfen, mehr war es aber nicht.

Die Baisse der Rohstoffe dürfte noch (lange) nicht beendet sein. Die Weltwirtschaft, das sehen wir, lässt sich von den Notenbanken nicht mehr auf Trab bringen. Es fehlt an Kaufkraft. Und die wurde und wird den Globus umspannend auf dem Altar der sgn. „internationalen Wettbewerbsfähigkeit“ in die Tonne getreten. Eigentlich ist es von wirklich majestätischer Einfachheit.

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Der neue griechische Finanzminister Varoufakis, dessen der EU übermittelte, schwammige Reformpläne nach mir vorliegenden Informationen nicht in Athen, sondern in Brüssel verfasst wurden, hat es im neuen „Charlie Hebdo“ ganz anfassbar formuliert: Die Troika, die ja nun „Die Institutionen“ heißt, verhalte sich wie ein Mediziner des Mittelalters: Verschlechtere sich die Situation des Patienten nach einem Aderlass, müssen halt der nächste und der übernächste Aderlass her.

Wo der Mann Recht hat, hat er Recht. Dass Athen erneut mit gezinkten Karten spielt, ist ein anderes Thema. Die Deutschen werden zahlen, meine dazu Ottmar Issing, Ex-Chefvolkswirt der EZB.

Wall Street: Das letzte Aufgebot

Nun wird es etwas charttechnisch. Wer das für Kaffeesatzleserei hält, wird heute bei Tagesschau, Tagesthemen oder heute journal besser fündig, ohne es vielleicht zu ahnen.

Charttechnisch also hat der Dow Jones mit seinem letzten neuen Hoch zwar eine sehr bullishe Marke gesetzt. Über dem Index schweben aber die beiden seit 2009 bzw. 2011 etablierten Widerstandslinien. Und wenn Sie mir einen Ausflug in die Erfahrung erlaubten, brächte ich Ihnen von dort die Vermutung mit, dass der Index diese Hürde nicht meistern wird.

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Dazu passen auch die gestern von der New York Stock Exchange (NYSE) veröffentlichten Zahlen zur Nachfrage nach Börsenkrediten im Januar. Denn sie sind nach einem Stand von 456,283 Mrd. US$ nun auf 444,836 Mrd. gesunken. Nicht dramatisch, meinen Sie? Richtig. Aber wenn die Bereitschaft großer Adressen (und nur die werden hier erfasst) zur Spekulation auf Pump sinkt, dann war und ist das ein nicht zu vernachlässigender Indikator für einen Richtungswechsel an der Wall Street.

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Wie gut das in der Vergangenheit funktioniert hat, sehen Sie im nebenstehenden Chart.

DAX: Nur noch wenig Luft

Nun startet das EZB-Kaufprogramm. Aber das weiß der Markt ja seit lange. Und wer zumindest sich selbst gegenüber ehrlich ist, der weiß auch, dass es nicht funktionieren wird. Es sei denn, die Banker wären noch ein Stückchen dümmer als ihre Boni groß sind. Was ich mal nicht annehme.

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Was den DAX betrifft, befindet er sich im Einklang zum oben gezeigten Chart des Dow Jones: Ein wenig Platz nach oben ist noch, dann dürfte der Deckel drauf sein. Werden Kleinanleger durch die Medien mangels „Alternative“ regelrecht in Aktien hinein geprügelt, dann war das immer schon ein Warnzeichen. Natürlich sollten Sie mit an Bord dieser Titanic bleiben. Aber wenn die Stuarts anfangen, die Messingschilder zum Salon zu putzen, während der Eisberg unausweichlich ist, dann sollten Sie mal das Rettungsboot zu Wasser lassen. Und aus ihm ein Schnellboot machen.

Nein, ich will keine Panik verbreiten. Ich möchte Sie nur darauf hinweisen, dass die sich die Börsen jetzt wieder in einem ähnlich bemerkenswerten Zustand befinden wie 2000 und 2007. Ziehen Sie für all Aufwärtspositionen bitte Stopps ein. Auch dieser Bulle ist nicht „unkaputtbar“!

Private Profits: Umschaltung auf schnell

2014 war für Index-Tradings eine mittelschwere Katastrophe. Kein Trend. Anders als mit meinem sehr erfolgreichen DAX30-Trading habe ich keinen Fuß in die Türe bekommen. Volatile, manipulierte Märkte sind aber auch nichts anderes als eine neue Herausforderung. Ich habe in Private Profits meine Regeln zum Ein- und Ausstieg daher jetzt auf ein viel rascheres System umgestellt. Nur für die Index-Tradings, denn am DAX30-Sytem gibt es nichts zu verbessern. 27 von 30 Gewinnpositionen per Freitag sprechen für sich. Falls Sie daneben auch DAX, MDAX und TecDAX traden wollen, sehen Sie sich die neue Strategie doch einfach einmal kostenlos für 30 Tage an. http://www.private-profits.de/private-profits.html. Noch bin ich in allen drei genannten Indizes long. Aber den Start nach unten zu erwischen, ist hier mein derzeit vorrangiges Ziel.

Denn wenn es einmal kracht, dann wird es richtig krachen!

ZUSAMMENFASSUNG:

Griechenland: Das wird noch Eiter werden, salopp formuliert. Athen hat Recht, aber es spielt ein böses Spiel. Grexit wird kommen. Wall Street und DAX nähern sich nunmehr wichtigen Widerständen. Da mein zuverlässigster Trendwende-Indikator, die Nachfrage nach Börsenkrediten an der Wall Street, im Januar entgegen der Rekordjagd der Indizes gefallen ist, dürfte eine Abwärtswende der Märkte in Reichweite rücken. Und die sollten Sie geflissentlich eintüten!

Viel Erfolg und beste Grüße!

Axel Retz

 

About the Author:

Axel Retz ist seit über 25 Jahren als Chefredakteur von Börsenmagazinen und Börsendiensten tätig und betreibt das Portal private-profits. Konservative Anleger finden dort seit Jahren bewährte, treffsichere Strategien zur Outperformance der Märkte in Hausse- und Baissephasen. Aggressivere Trader finden alle notwendigen Tools, um mit kleinem Einsatz kurzfristige Gewinne zu erzielen. „Phasen, in denen sich keine Gewinne erzielen lassen, das sind die Seitwärtsmärkte. Aber sie sind nichts anderes als Unterbrechungen im Trendverhalten. Technische oder fundamentale Analyse? Für mich macht es die Mischung!“

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