By 29. August 2014 Read More →

DAX – Fibonacci gibt die Richtung vor

Der deutsche Leitindex hielt sich am Donnerstag recht genau an unser Drehbuch. Auch der Wochenschluss verspricht spannend zu werden, die weiteren Orientierungsmarken lassen sich gut aus dem hochaufgelösten Stundenchart ableiten.  

Es ist immer wieder erstaunlich, wie häufig der Impuls aus der Charttechnik durch neue Nachrichten bestätigt wird. So auch am Donnerstag. Aus technischer Sicht war eine Konsolidierung sehr wahrscheinlich, ich hatte auf die zahlreichen Gründe für eine Korrektur hingewiesen. Flankiert wurden diese negativen Perspektiven durch eine weitere Zuspitzung der Lage in der Ukraine. Beide Faktoren zusammen begünstigten den gestrigen Kursrutsch, der allerdings mit 1,1 Prozent noch vergleichsweise harmlos ausgefallen ist. Um lediglich 100 Punkte ging es abwärts, seit dem 8. August steht noch ein Zuwachs von knapp 600 Zählern auf der Habenseite. Politische Börsen sollen angeblich kurze Beine haben. Es scheint so, dass dieser Leitsatz zumindest nicht auf Krisen zutrifft, an denen Herr Putin beteiligt ist. Fazit: Der DAX bleibt vorerst in einem Spannungsfeld zwischen Ukraine-Konflikt und Hoffnung auf neue geldpolitische Maßnahmen der EZB (Sitzung am 4. September) gefangen. Eine recht unbequeme Ausgangslage für die kommenden Tage.

DAX: Stunden- und Tagesanalyse

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Wie erwartet ist der deutsche Aktienmarkt zunächst an der Hürde um 9600 gescheitert. Dort befindet sich wie im Tageschart eingezeichnet eine horizontale Hürde und das 61,8 Prozent Erholungsziel der gesamten Korrekturbewegung. Während die 200-Tage-Linie auf der Unterseite derzeit kaum eine Rolle spielt (und ohnehin nie punktgenau zu beachten ist), stabilisierte sich der DAX an der ersten Unterstützung um 9430. Hier verläuft neben einer eher schwachen horizontalen Zone auch das 23,4 Prozent-Niveau der Aufwärtsbewegung. Zusammen mit einer möglichen Aufwärtstrendlinie stehen die Chancen für einen erneuten Impuls Richtung Norden recht gut.

Wer mutig ist, kann das gute Chance-Risiko-Verhältnis nutzen und mit einem engen Stopp knapp unter 9400 auf der Long-Seite sein Glück versuchen – wohlwissend, dass der Markt aufgrund der geopolitischen Risiken jederzeit um mehrere hundert Punkte abstürzen könnte. Zielbereich im positiven Fall ist erneut das jüngste Bewegungshoch um 9600. Oberhalb von 9625 springt die Börsenampel wieder auf Grün, auf dem Weg bis zum Rekordhoch um 10.050 liegen Zwischenhürden um 9700 und 9800.

Fällt der DAX hingegen unter 9400, liegen die nächsten Zielgebiete bei 9330 und 9250 bzw. 9270 (21-Tage-Linie). Größere Verluste sind für den heutigen Tag eher nicht zu erwarten.

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Wochenanalyse:

Wiederholt sich die Geschichte?

Auch im langfristigen Wochenchart sind nun deutliche Bremsspuren zu erkennen. Ähnlich wie auf Tagesbasis gab auch hier der Aufwärtskanal die grundsätzliche Richtung vor. Erstmals seit Sommer 2012 rutsche der DAX wieder deutlich unter die 200-Tage-Linie. Allerdings eroberte der Markt vor zwei Jahren den langfristigen Gleitenden Durchschnitt rechnet schnell wieder zurück, ein ähnliches Szenario ist auch jetzt vorstellbar. Aktuell stabilisiert sich der DAX an der mittelfristig wichtigen Unterstützungsregion um 8900 / 9000. Die Börsenampel bleibt somit auf Orange.

Bereits seit mehreren Wochen warne ich an dieser Stelle vor der negativen Divergenz im MACD. Während der DAX in den vergangenen Monaten höhere Hochs ausbildete, wurden diese nicht mehr durch den trendfolgenden Indikator bestätigt (rote Linie beim MACD). Die kurzfristig überverkaufte Lage im DSS Bressert ist ein erster Hoffnungsschimmer, allerdings kann der Signalgeber durchaus über mehrere Wochen im unteren Extrembereich verlaufen (s. Sommer 2012).

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Monatsanalyse:

Zwei Szenarien für die Zukunft

Im abgebildeten Monatschart seit 1960 wird vor allem die Bedeutung des Kursbereichs um 8000 / 9000 deutlich. Nach dem Ausbruch aus einer rund 20 Jahre andauernden Seitwärtsbewegung im Jahr 1983 zeigte der DAX bis zur Jahrtausendwende eine ausgeprägte Rally-Bewegung. Mit dem Platzen der Spekulationsblase wurde diese Aufwärtsbewegung in den vergangenen 13 Jahren konsolidiert. In dieser Zeit bildete der Deutsche Aktienindex deutlich steigende Bewegungstiefpunkte aus, was auf einen allmählich steigenden Kaufdruck deutet. Der Sprung über die Hochpunkte aus dem Jahr 2000 und 2007 bei 8200 war somit nur eine Frage der Zeit. Der DAX löste ein sehr bullish aufsteigendes Dreieck nach oben hin auf, aus dem theoretisch Notierungen deutlich jenseits der 10.000er-Marke abgeleitet werden können.

Nach dem nun erfolgten Ausbruch sind zwei grundsätzliche Szenarien denkbar. Aufgrund der Bedeutung der Zone um 8200 wäre eine Rückkehrbewegung und somit ein Retest des Ausbruchsniveau nicht überraschend. Ein möglicher Wendepunkt könnte an der psychologisch wichtigen Schwelle von 10.000 liegen. Ausgehend von einem kurzen Test der fünfstelligen Kursmarke wäre mit einer Korrektur bis in den Bereich von 8200 / 8500 zu rechnen, von dem aus dann eine nachhaltige Aufwärtsbewegung erfolgen würde. Zugleich eröffnet sich Anlegern, die den Einstieg bisher verpassten, auf langfristige Sicht noch einmal eine gute Einstiegsgelegenheit.

In einem zweiten Szenario bleibt ein Test der Zone um 8200 von oben aus. Stattdessen läuft der Markt nach einer recht wahrscheinlichen Konsolidierung bei rund 10.000 weiter aufwärts. Neue Widerstände müssten sich erst noch herausbilden. Unwahrscheinlicher erscheint hingegen ein Rücksetzer unter das Ausbruchsniveau von 8200. Eine ähnliche Situation liegt auch im amerikanischen Leitindex S&P 500 vor.

Das Hauptaugenmerk gilt aber dem MACD. Der trendfolgende Indikator hat sich in den vergangenen 20 Jahren bereits mehrfach als guter Taktgeber für den langfristigen Verlauf erwiesen. Besonders an den Bewegungshochpunkten in 2000 und 2007 warnte der Signalgeber jeweils frühzeitig vor einer neuen Baisse. Die aktuelle Ausgangslage weist dabei viele Parallelen mit der Situation von vor 14 und sieben Jahren auf. Der MACD steht auf einem ähnlichen Niveau (knapp unter der roten Linie), zudem lieferte der Indikator erstmals seit August 2011 wieder ein Verkaufssignal.  

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About the Author:

Franz-Georg Wenner ist regelmäßiger Gast beim Deutschen Anlegerfernsehen und gern gesehener Vortragsredner. Er hält regelmäßig Webinare und referierte unter anderem beim Verein Technischer Analysten Deutschlands (VTAD). Bei BÖRSE ONLINE war er sechs Jahre Online-Koordinator und Redakteur mit den Schwerpunkten Nebenwerte Deutschland, Zertifikate und Technische Analyse. Zusätzlich betreute er für die Commerzbank den Zertifikate-Newsletter ideas daily. Bereits seine Diplomarbeit im Fachbereich BWL der Uni Düsseldorf beschäftigte sich mit der Intermarket-Analyse.

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