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DAX-Chartanalyse: Zweifelhafte Kursreaktionen

Nach einer turbulenten Woche kann derzeit noch keine Entwarnung gegeben werden. Kurzfristig hinterlässt der DAX noch einen angeschlagenen Eindruck. Die Chartanalyse für den 31. Januar 2014.

Stundenanalyse:

Von alleine scheint der DAX derzeit nicht über genügend Kraft zu verfügen, um eine Erholungsbewegung zu starten. Wie schon so häufig in der Vergangenheit bleiben die Strategen hierzulande erst einmal in Deckung und warten die Eröffnung in New York ab. So auch am Donnerstag. Bis zum frühen Nachmittag dümpelte der DAX seitwärts, erst mit den überraschend schlechten US-Erstanträgen auf Arbeitslosenhilfe und sich  abzeichnenden Gewinnen an der Wall Street stiegen die Käufer ein. Die Reaktion des Marktes auf die US-Jobdaten ist eine interessante Beobachtung, denn schlechter als erwartete Zahlen führten wieder zu Kursgewinnen. Auf den ersten Blick nicht nachvollziehbar. Der Markt hofft, dass eine schwächere Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt die Fed dazu veranlassen könnte, bei der Reduzierung der monatlichen Anleihekäufe etwas den Fuß vom Gaspedal zu nehmen. Am kommenden Freitag steht erneut der offizielle Arbeitsmarktbericht auf der Agenda. Aufgrund der Kältewelle an der Ostküste ist erneut mit einer schwachen Entwicklung zu rechnen. Ein möglicher Kurstreiber, den es zu beachten gilt.

Aus rein charttechnischer Sicht brachte der Donnerstag hingegen wie erwartet keine wesentlichen neuen Erkenntnisse. 13 der 30 Indexwerte verzeichneten Verluste, wobei mit Siemens nur ein Indexschwergewicht unter den Verlierern zu finden war. SAP, Allianz, Bayer und BASF legten hingegen zu, ein gutes Zeichen. Rund 26 Prozent der DAX-Aktien notieren inzwischen nur noch über ihrem 20-Tage-Durchschnitt, wir nähern uns somit allmählich der überverkauften Zone an. Eine technische Gegenreaktion wird wahrscheinlicher, dies zeigt auch der Abstand des DAX zum Vier-Wochen-Durchschnitt (s. Spezial-Charts).

Dennoch bleibt nüchtern betrachtet festzuhalten, dass im kurzfristigen Bereich nach wie vor die Bären den Ton angeben. Dem DAX gelang es zwar, jeweils zum aussagekräftigen Tagesschluss immer über der 55-Tage-Linie den Handel zu beenden. Größere Erfolge blieben den Käufern bisher aber verwehrt. Dazu müsste der DAX zunächst die schwachen Hürden um 9400 und 9500 nehmen und im Anschluss den Bereich um 9530 bis 9550. Hier verlaufen die inzwischen leicht fallende 21-Tage-Linie sowie eine hartnäckige horizontale Hürde. Erst wenn wieder Kurse von mehr als 9550 aufgerufen werden, dürfte die Korrektur beendet sein.

Bis dahin müssen wir uns mit einem offenen Schlagabtausch zwischen Käufern und Verkäufen anfreunden. Bewegungen zwischen 9220 bis 9550 sind nahezu willkürlich und liefern kaum neue Anhaltspunkte, wohin die Reise gehen könnte. Unter 9220 lauert noch eine kleine Aufwärtslücke von Mitte Dezember, darunter stellt der Bereich um 9190 den letzten Halt dar vor der massiven Bastion um 8900 / 9000.

DAXST1

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Tagesanalyse:

Korrektur mit Ansage

Der Rücksetzer in der vergangenen Woche kommt nicht überraschend, denn charttechnisch schöpfte der DAX sein Potenzial auf der Oberseite aus. Erneut scheiterten die Bullen an einer seit Mai 2012 bestehenden oberen Trendlinie, die zusammen mit einer Parallellinie bei derzeit 8800 einen Trendkanal ergibt. In der Vergangenheit kam es häufig vor, dass der DAX nach einem Test der nördlichen Extremzone bis an die Unterseite lief. Widerholt sich das Muster, ist kurzfristig mit weiter fallenden Kursen bis 8800 zu rechnen.

Vorgelagert finden sich um 9200 und besonders 9000 noch zwei Stabilisierungsgelegenheiten. Vor allem die runde 9000er-Schwelle wurde im vierten Quartal 2013 mehrfach zu von oben angelaufen und bestätigt. Hier verläuft auch die 100-Tage-Linie als zusätzlicher Signalgeber. Wird auch dieser Bereich unterboten, ist der Weg frei für einen erneuten Test der unteren Kanalbegrenzung. Der mittelfristige Aufwärtstrend würde somit erst kippen, wenn der DAX unter 8800 zurückfällt. Es besteht somit derzeit noch kein Grund, an der Rally zu zweifeln.

Für eine Korrektur sprechen auch die abgebildeten Indikatoren. Der MACD steht nach den Verlusten vom vergangenen Freitag auf Verkaufen. Auch der DSS Bresser bestätigte nicht mehr das jüngste Hoch beim DAX und bildete eine negative Divergenz. Eine zügige Gegenbewegung über 9800 und somit ein Ausbruch aus dem Trendkanal auf der Oberseite ist vorerst recht unwahrscheinlich.

DAXT

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Wochenanalyse:

An der Grenze angekommen

Seit dem letzten ernst zu nehmenden Crash im Sommer 2011 läuft der DAX in einer von nur kurzen Konsolidierungen gekennzeichneten Aufwärtsbewegung. Maßgeblich auf der Unterseite ist eine seit Herbst 2011 bestehende Aufwärtstrendlinie, die im Jahr 2013 mehrfach angelaufen und bestätigt wurde. Verstärkt wird die aktuell bei knapp 8820 verlaufende Gerade von der viel beachteten 200-Tage-Linie, die klar steigend im Bereich um 8600 notiert. Für den Deutschen Aktienmarkt bleiben die Aussichten auf der mittel- bis langfristigen Zeitebene  bullisch, solange der Markt über dem 200-Tage-Durchschnitt notiert. Ausgehend vom aktuellen Niveau könnte der DAX somit deutlich korrigieren, ohne das eine Neueinschätzung erforderlich wäre.

Während auf der Unterseite somit recht viel Luft vorhanden ist, erscheint das Potential Richtung Norden eher begrenzt. Als Spielverderber für die Bullen erweist sich eine seit Frühjahr 2012 bestehende Trendlinie, an der es zuletzt mehrfach zu Gewinnmitnahmen kam. Erst wenn die Gerade überwunden ist, eröffnet sich für den DAX weiterer Spielraum. Die Aussichten sind aber eher schlecht, denn zuletzt bestätigte Indikatoren wie der abgebildete DSS Bressert nicht mehr die neuen Hochs im Leitindex. Auch der MACD zeigt eine deutlich nachlassende Schwungkraft, ein Verkaufssignal könnte bereits bald folgen.

DAXW

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Monatsanalyse:

Zwei Szenarien für die nächsten Jahre

Im abgebildeten Monatschart seit 1960 wird vor allem die Bedeutung des Kursbereichs um 8000 / 9000 deutlich. Nach dem Ausbruch aus einer rund 20 Jahre andauernden Seitwärtsbewegung im Jahr 1983 zeigte der DAX bis zur Jahrtausendwende eine ausgeprägte Rally-Bewegung. Mit dem Platzen der Spekulationsblase wurde diese Aufwärtsbewegung in den vergangenen 13 Jahren konsolidiert. In dieser Zeit bildete der Deutsche Aktienindex deutlich steigende Bewegungstiefpunkte aus, was auf einen allmählich steigenden Kaufdruck deutet. Der Sprung über die Hochpunkte aus dem Jahr 2000 und 2007 bei 8200 war somit nur eine Frage der Zeit.

Nach dem nun erfolgten Ausbruch sind zwei grundsätzliche Szenarien denkbar. Aufgrund der Bedeutung der Zone um 8200 wäre eine Rückkehrbewegung und somit ein Retest nicht überraschend. Ein möglicher Wendepunkt könnte an der psychologisch wichtigen Schwelle von 10.000 liegen. Ausgehend von einem kurzen Test der fünfstelligen Kursmarke wäre mit einer Korrektur bis in den Bereich von 8200 / 8500 zu rechnen, von dem aus dann eine nachhaltige Aufwärtsbewegung erfolgen würde. Zugleich eröffnet sich Anlegern, die den Einstieg bisher verpassten, auf langfristige Sicht noch einmal eine gute Einstiegsgelegenheit.

In einem zweiten Szenario bleibt ein Test der Zone um 8200 von oben aus. Stattdessen läuft der Markt nach einer recht wahrscheinlichen Konsolidierung bei rund 10.000 weiter aufwärts. Neue Widerstände müssten sich erst noch herausbilden. Unwahrscheinlicher erscheint hingegen ein Rücksetzer unter das Ausbruchsniveau von 8200.

Auf Basis der Indikatoren wäre noch ein wenig Luft nach oben vorhanden. Beachten Sie vor allem den trendfolgenden MACD, der in den vergangenen 13 Jahren eigentlich recht zuverlässig die Wendepunkte beim DAX antizipierte. Noch hat der Signalgeber nicht die Niveaus aus dem Jahr 2000 und 2007 erreicht (rote Linie).

DAXM

 

Posted in: Deutschland

About the Author:

Franz-Georg Wenner ist regelmäßiger Gast beim Deutschen Anlegerfernsehen und gern gesehener Vortragsredner. Er hält regelmäßig Webinare und referierte unter anderem beim Verein Technischer Analysten Deutschlands (VTAD). Bei BÖRSE ONLINE war er sechs Jahre Online-Koordinator und Redakteur mit den Schwerpunkten Nebenwerte Deutschland, Zertifikate und Technische Analyse. Zusätzlich betreute er für die Commerzbank den Zertifikate-Newsletter ideas daily. Bereits seine Diplomarbeit im Fachbereich BWL der Uni Düsseldorf beschäftigte sich mit der Intermarket-Analyse.

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