DAX-Chartanalyse: Ziel 10.300 Punkte

Mit dem gestrigen Rücksetzer haben die Bären noch keinen wesentlichen Erfolg erzielt. Bisher hält das Ausbruchsniveau und somit die erste relevante Unterstützung. Der Blick richtet sich nun auf die zweite Jahreshälfte.     

Stunden- und Tagesanalyse:

Die ersten sechs Monate sind allmählich Geschichte, Halbzeit an den Finanzmärkten. Für den DAX fällt die Bilanz mit Zuwächsen von rund 2,6 Prozent eher mau aus. Trotz der Rekordjagd bewegte sich der Index gefühlt eigentlich nur seitwärts, abgesehen von kleinen Fehlsignalen auf der Ober- und Unterseite. Für die zweite Halbzeit bleibt nur zu hoffen, dass der zähe Kampf zwischen Bullen und Bären möglichst bald entschieden wird und ein neuer Trend entsteht. Keine Frage, auf den längeren Zeitperioden im Tages- und Wochenverlauf ist der Trendkanal eindeutig intakt und aufwärts gerichtet. Nach der Konsolidierung seit Jahresbeginn steht der DAX inzwischen aber in Schlagweite zur unteren Begrenzung, eine Entscheidung rückt allmählich näher.

Julius Bär blickt recht zuversichtlich auf die kommenden Monate. Der DAX dürfte mit seinen vielen konjunkturabhängigen Werten von der allgemein soliden Wirtschaftsentwicklung profitieren, zudem sollten risikoreiche Anlagen von der unverändert großzügigen Geldversorgung unterstützt bleiben. Größere Gefahren wegen steigender Inflationsraten und Zinserhöhungssorgen sehen die Schweizer eher nicht. Gut für den DAX, der am Jahresende bei 10.300 Punkten gesehen wird. Den Euro Stoxx 50 sehen die Experten bei 3300, für den spanischen Ibex 35 werden 11.100 und den italienischen FTSE MIB 22.100 Zähler erwartet.

Tradesignal Online. Tradesignal® ist eine eingetragene Marke der Tradesignal GmbH. Nicht autorisierte Nutzung oder Missbrauch ist ausdrücklich verboten.

Am Donnerstag sprang die Vola ein wenig an, der DAX tauchte in die breite Unterstützungszone um 9700 bis 9800 und holte im späten Geschäft – auch noch nachbörslich – einen Teil seiner Verluste wieder auf. Vorbörslich werden Kurse von 9822 aufgerufen, der Index dürfte somit zur Eröffnung im Bereich der Unterseite der jüngsten Range bei rund 9830 stehen.

Gelingt die Rückeroberung, hellen sich die Aussichten auf. Kurse über 9875 würden auf eine Fortsetzung der Erholung deuten und könnten weitere Anschlusskäufe auslösen, die den Markt recht zügig wieder an die langsam fallende 21-Tage-Linie um 9950 führen sollten. Kurse darüber hinaus sind eher unwahrscheinlich, zumal um 9970 und 10.000 schwächere Widerstände lauern. Grundsätzlich könnten sich aber bereits einige Akteure für die kommende Woche positionieren, die mit dem US-Feiertag am 4. Juli über eine positive Statistik verfügt.

Alternativ behalten die Verkäufer die Oberhand, der DAX würde noch weiter in den Unterstützungsbereich bis 9700 eintauchen. Kritisch wird es aber erst ab Kursen südlich von 9600, ein Szenario, das für heute ebenfalls nicht zu erwarten ist.

Tradesignal Online. Tradesignal® ist eine eingetragene Marke der Tradesignal GmbH. Nicht autorisierte Nutzung oder Missbrauch ist ausdrücklich verboten.

Wochenanalyse:

Aufwärtskanal bleibt trotz Konsolidierung intakt

Seit der letzten richtigen Korrektur im Sommer 2011 läuft der Deutsche Aktienmarkt in einem stabilen Aufwärtskanal, dessen obere und untere Extrembereiche in den vergangenen Monaten und Jahren mehrfach bestätigt wurden. Während zum Jahreswechsel verstärkt die Oberseite im Fokus stand, führte die jüngste Konsolidierung zu widerholten Tests der unteren Aufwärtstrendlinie. Bisher nutzten die Käufer jeden Rücksetzer zum Einstieg, ein Kursverhalten, das wir auch im vergangenen Jahr mehrfach gesehen haben.

Die rund sechs Monate anhaltende Seitwärtsbewegung verlief somit noch innerhalb des intakten Aufwärtstrends. Mit den jüngst ausgebildeten frischen Rekordhochs scheint die Schiebezone in Trendrichtung nach oben hin aufgelöst zu werden. Dabei stellt die 10.000er-Schwelle nur eine unbedeutende Kursmarke dar. Mittelfristig lässt der Kanal durchaus Luft bis über 10.700.

Auf der Südseite ist der DAX gut abgesichert. Neben der erwähnten, zuletzt mehrfach bestätigten Aufwärtstrendlinie bei derzeit 9600 sorgen auch die 200-Tage-Linie bei 9320 und die breite horizontale Unterstützungszone um 8950 / 9000 für Sicherheit. Eine größere Umkehrformation und somit Schwächesignal in der mittel- bis langfristigen Zeitebene wird erst mit Kursen von unter 8950 aktiviert.

Von Seiten der Markttechnik liegen derzeit keine einheitlichen Signale vor. Positiv zu interpretieren ist der MACD. Nach der Konsolidierung baute der trendfolgende Indikator seinen leicht überhitzten Zustand ab und lieferte kürzlich ein Einstiegssignal. Dem steht die überhitzte Situation im DSS Bressert gegenüber.

Tradesignal Online. Tradesignal® ist eine eingetragene Marke der Tradesignal GmbH. Nicht autorisierte Nutzung oder Missbrauch ist ausdrücklich verboten.

Monatsanalyse:

Zwei Szenarien für die Zukunft

Im abgebildeten Monatschart seit 1960 wird vor allem die Bedeutung des Kursbereichs um 8000 / 9000 deutlich. Nach dem Ausbruch aus einer rund 20 Jahre andauernden Seitwärtsbewegung im Jahr 1983 zeigte der DAX bis zur Jahrtausendwende eine ausgeprägte Rally-Bewegung. Mit dem Platzen der Spekulationsblase wurde diese Aufwärtsbewegung in den vergangenen 13 Jahren konsolidiert. In dieser Zeit bildete der Deutsche Aktienindex deutlich steigende Bewegungstiefpunkte aus, was auf einen allmählich steigenden Kaufdruck deutet. Der Sprung über die Hochpunkte aus dem Jahr 2000 und 2007 bei 8200 war somit nur eine Frage der Zeit. Der DAX löste ein sehr bullish aufsteigendes Dreieck nach oben hin auf, aus dem theoretisch Notierungen deutlich jenseits der 10.000er-Marke abgeleitet werden können.

Nach dem nun erfolgten Ausbruch sind zwei grundsätzliche Szenarien denkbar. Aufgrund der Bedeutung der Zone um 8200 wäre eine Rückkehrbewegung und somit ein Retest des Ausbruchsniveau nicht überraschend. Ein möglicher Wendepunkt könnte an der psychologisch wichtigen Schwelle von 10.000 liegen. Ausgehend von einem kurzen Test der fünfstelligen Kursmarke wäre mit einer Korrektur bis in den Bereich von 8200 / 8500 zu rechnen, von dem aus dann eine nachhaltige Aufwärtsbewegung erfolgen würde. Zugleich eröffnet sich Anlegern, die den Einstieg bisher verpassten, auf langfristige Sicht noch einmal eine gute Einstiegsgelegenheit.

In einem zweiten Szenario bleibt ein Test der Zone um 8200 von oben aus. Stattdessen läuft der Markt nach einer recht wahrscheinlichen Konsolidierung bei rund 10.000 weiter aufwärts. Neue Widerstände müssten sich erst noch herausbilden. Unwahrscheinlicher erscheint hingegen ein Rücksetzer unter das Ausbruchsniveau von 8200.

Auf Basis der Indikatoren wäre noch ein wenig Luft nach oben vorhanden. Beachten Sie vor allem den trendfolgenden MACD, der in den vergangenen 13 Jahren eigentlich recht zuverlässig die Wendepunkte beim DAX antizipierte. Allmählich erreicht der Signalgeber die Niveaus aus dem Jahr 2000 und 2007 (rote Linie).

Tradesignal Online. Tradesignal® ist eine eingetragene Marke der Tradesignal GmbH. Nicht autorisierte Nutzung oder Missbrauch ist ausdrücklich verboten.

Posted in: Deutschland

About the Author:

Franz-Georg Wenner ist regelmäßiger Gast beim Deutschen Anlegerfernsehen und gern gesehener Vortragsredner. Er hält regelmäßig Webinare und referierte unter anderem beim Verein Technischer Analysten Deutschlands (VTAD). Bei BÖRSE ONLINE war er sechs Jahre Online-Koordinator und Redakteur mit den Schwerpunkten Nebenwerte Deutschland, Zertifikate und Technische Analyse. Zusätzlich betreute er für die Commerzbank den Zertifikate-Newsletter ideas daily. Bereits seine Diplomarbeit im Fachbereich BWL der Uni Düsseldorf beschäftigte sich mit der Intermarket-Analyse.

Comments are closed.

Werbung
Werbung banner ad
Wir benutzen Cookies um die Nutzerfreundlichkeit der Webseite zu verbessen. Durch die weitere Nutzung der Seite www.chartanalysen-online.de stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu.