DAX-Chartanalyse: Woche der Entscheidung

Korrekturen können auf zwei Arten ablaufen: Über die Preisachse oder über die Zeitebene. Bisher hält sich der DAX nach der starken Rally noch gut. Die DAX-Chartanalyse für den 27. Mai 2013.  

 

Nach zwei Verlusttagen in Folge und der ersten negativen Wochenbilanz seit Mitte April bleibt die Nervosität erhöht. Ausgehend vom Hoch büßte der DAX bisher rund drei Prozent oder 250 Punkte ein. Die Konsolidierung verläuft somit noch sehr harmlos, gleiches gilt auch für die Umsatzentwicklung. Das durchschnittliche Volumen von 3,8 Mrd. Euro auf Xetra an
den vergangenen beiden Verlusttagen liegt nur leicht über dem 1-Monats-Durchschnitt. Von einem Ausverkauf kann somit noch keine Rede sein.

 
Für Unbehagen sorgt aktuell die Tatsache, dass Korrekturen auf zwei Arten ablaufen können: Entweder die Kurse pendeln über einen Zeitraum Hin und Her oder es setzt sich eine Abwärtsspirale in Gang, die angesichts der vorherigen Rally auch sehr dynamisch ausfallen könnte. Bisher stehen die Zeichen eher auf Seitwärtskonsolidierung, zumal der DAX am  vergangenen Freitag das Minimalziel einer Korrektur in Form des 23,6 Prozent Fibonacci-Retracements (blaue Linie) der jüngsten Rally um 8280 Zähler verteidigte. Solange auch die nächste Zone zwischen 8220 bis 8250 Zählern nicht unterschritten wird, bleiben die kurzfristigen Aussichten seitwärts gerichtet. Ungemütlicher wird es erst ab Kursen südlich von 8100 Punkten. Der nächste Widerstand liegt bei 8400. Zumindest zum Wochenauftakt dürften wegen des Feiertags in den USA keine  charttechnisch relevanten Marken gebrochen werden.

 

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Seitwärts oder abwärts?

Erstmals seit Mitte März zeigte der DAX Ende der vergangener Woche wieder eine etwas deutlichere Korrektur. Der Zeitpunkt kommt eigentlich nicht überraschend, denn am vergangenen Mittwoch traf der Markt nahezu exakt das 161,8 Prozent Fibonacci-Extension bei 8515 Punkten. Zudem liegt hier auch die obere Begrenzung des Rechtecks, in dem sich der DAX seit Anfang Mai befindet. Da der Ausbruch auf der Oberseite und damit der Sprung in das nächste Rechteck verwehrt blieb, liegt das nächste Kursziel an der Unterkante bei knapp 8000 Punkten und damit ungefähr dem 50 Prozent Fibonacci-Retracement der April/Mai-Rally.

Noch wäre es derzeit aber zu früh, auf eine Fortsetzung der Abgaben bis an die 8000er-Marke zu setzen. Für Unsicherheit sorgt aktuell vor allem die Frage, wie der DAX den nach wie vor überkauften Zustand abbauen wird, denn Korrekturen können auf zwei Arten ablaufen. Bei einer Bereinigung über die Zeitachse pendelt der DAX vorerst nur seitwärts. Eine ähnliche Entwicklung zeigte der Markt bereits nach der November / Dezember-Rally zu Beginn des Jahres. Übertragen auf die aktuellen charttechnischen Unterstützungen und Widerstände könnten die Kurse zwischen 8200 bis 8600 Punkten hin und her pendeln. Sollte die untere Grenze aber deutlich per Tagesschluss unterschritten werden, ist eher mit einer ausgedehnteren Korrektur über die Preisebene zu rechnen. Kurzfristig ausgerichtete Trader sollten dann die Reißleine ziehen, denn erst im Bereich zwischen 7950 bis 8000 Punkten ist mit Blick auf das Volumengebirge wieder mit einer verstärkten Nachfrage zu rechnen

Mit Gegenwind ist kurzfristig lem von Seiten der Indikatoren zu rechnen. Hier gilt es vor allem die Entwicklung im MACD zu verfolgen. Der trendfolgende Oszillator steht zu Wochenbeginn kurz vor einem fast lehrbuchmäßigen Verkaufssignal. Zuletzt lag eine nicht ganz so deutliche Situation Mitte/Ende März vor.

 

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Übergeordnetes Kaufsignal

Der DAX zeigte sich zuletzt deutlich bullischer als vermutet und scheint nun auch nachhaltig über die Hochs aus 2007 nach oben zu laufen. Die bisherige Vermutung, dass wir in diesem Jahr vielleicht nur ein ähnliches Kursverhalten wie 2007 sehen – Seitwärtsbewegung zwischen 7400 bis 8200 Punkten – scheint offenbar falsch zu sein.

Im Vordergrund steht natürlich die Frage, wann von einem nachhaltigen Ausbruch auf der Oberseite gesprochen werden kann. Trotz der negativen Bilanz in der Vorwoche notiert der Leitindex solide über der 8200er-Marke. So lange dieses Niveau auf Wochenschlusskursbasis verteidigt wird, bleibt das Kaufsignal im langfristigen Wochenchart auf jeden Fall bestehen. Kurzzeitig kann es aber wie in der Tagesanalyse beschrieben durchaus auch zu einem Pullback bis an die 8000 kommen.

Der Blick ist somit klar aufwärts gerichtet. Seit der zweiten Jahreshälfte 2011 läuft der DAX in einem breiten Aufwärtskanal, der aktuell Luft auf der Oberseite bis rund 9660 Punkte lässt. Zuletzt wurde die nördliche Begrenzung im März 2012 angelaufen, die Relevanz ist nach bisher aber nur zwei Testes noch recht gering.

Nach unten hin hat der DAX ebenfalls viel Platz, denn mit 8500 Zählern handeln wir aktuell ungefähr in der Mitte der Range. Im optimalen Szenario fällt der Markt nicht mehr unter 8000 Punkte per Wochenschluss. Sollte es dennoch zu weiteren Kursverlusten kommen, liegen zwischen 7400 bis 7600 zahlreiche robuste Unterstützungen.

 

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DAX – 10.000 Punkte wären nur eine Zwischenstation

Der Monatschart vermittelt eigentlich am deutlichsten, wie wichtig die Kursentwicklung derzeit aber auch in den kommenden Wochen ist. Aktuell sieht es so aus, als ob der DAX die seit 2000 und somit seit rund 13 Jahren anhaltende große Seitwärtsbewegung endlich nach oben hin auflösen kann und somit den „Deckel lüftet“. Im Jahr 2007 scheiterte der Markt fast das gesamt Jahr hindurch an einem nachhaltigen Anstieg über das 2000er-Hoch, in 2011 zogen sich die Käufer bereits deutlich tiefer bei rund 7400 Punkten wieder zurück.

Vollkommen überraschend kommt die jüngste Entwicklung aber nicht, denn seit 2003 lässt sich eine Serie von steigenden Korrekturtiefs ausmachen. Zusammenfassend kann die Entwicklung seit der Jahrtausendwende somit auch als großes aufsteigendes Dreieck gewertet werden. Der Sprung in dreistellige Kursregionen an der 10.000er-Marke wäre nur eine Zwischenstation hin zu deutlich höheren Niveaus jenseits der 15.000. Aber das ist noch Zukunftsmusik.

Auch in dieser sehr langfristigen Betrachtung weisen die Indikatoren bereits teilweise einen überhitzten Zustand auf. Allerdings können die Signalgeber durchaus über mehrere Monate, sogar Jahre, im oberen Extrembereich laufen, ehe ein Verkaufssignal aktiv wird. Beste Beispiele liefern die Jahre 2004/2005 und 2010 (DSS Bressert). Etwas entspannter ist derzeit noch die Lage im trendfolgenden MACD. Aktuell liegt die MACD-Linie noch deutlich unter den oberen Wendepunkten der vergangenen Jahre (grüner Kasten).

Fast man alles zusammen, könnte ein mögliches Szenario wie folgt aussehen. Der DAX schafft den nachhaltigen Ausbruch und läuft – unter Korrekturen – bis an die 10.000. Hier kommt es zu einer Pullbackbewegung, die sich oft beobachten lässt, wenn der Markt lange an charttechnisch wichtigen Marken scheiterte und diese schließlich knackt. Übertragen auf den DAX wäre mit einer Rückkehrbewegung bis 8200 / 8500 zu rechen. Hier würde sich für Nachzügler noch einmal eine günstige Gelegenheit ergeben, eher der Börsenexpress nachhaltig in fünfstellige Regionen aufbricht.

 

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Posted in: Chart-Show, Indizes

About the Author:

Franz-Georg Wenner ist regelmäßiger Gast beim Deutschen Anlegerfernsehen und gern gesehener Vortragsredner. Er hält regelmäßig Webinare und referierte unter anderem beim Verein Technischer Analysten Deutschlands (VTAD). Bei BÖRSE ONLINE war er sechs Jahre Online-Koordinator und Redakteur mit den Schwerpunkten Nebenwerte Deutschland, Zertifikate und Technische Analyse. Zusätzlich betreute er für die Commerzbank den Zertifikate-Newsletter ideas daily. Bereits seine Diplomarbeit im Fachbereich BWL der Uni Düsseldorf beschäftigte sich mit der Intermarket-Analyse.

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