DAX-Chartanalyse: Wiederholt sich die Geschichte?

Kursverluste von knapp zwei Prozent waren in der Vergangenheit eher selten. Noch besteht aber kein Grund für eine Anpassung der kurzfristigen Aussichten. Die DAX-Chartanalyse für den 8. April 2014. 

Stundenanalyse:

Die deutlichen Kursverluste zum Wochenauftakt dürften so manchen Bullen überrascht haben. Der DAX schloss mit minus 1,9 Prozent auf Tagestief, ein schwachen Zeichen. Auch das Handelsvolumen zog an und lag wieder knapp über der Marke von drei Mrd. Euro. Im Gegenzug legte der VDAX-New deutlich um 17 Prozent auf 17,7 Punkte zu. Noch hat der Angstindikator etwas Platz bis zu den Wendepunkten der vergangenen Monate bei rund 22 Punkten. Die Nervosität dürfte somit hoch bleiben. Alle 30 Indexwerte verzeichneten Abgaben, was ebenfalls für einen marktbreiten Abverkauf spricht. Indexschwergewichte wie Siemens, Bayer und BASF kamen überdurchschnittlich unter die Räder. Bezogen auf die Gesamtzahl der Aktien im DAX sank die Quote der Papiere, die noch über ihrem Vier-Wochen-Durchschnitt notieren, auf 67 Prozent. Zuletzt war das Verhältnis auf knapp 100 Prozent gestiegen und signalisierte erneut rechtzeitig eine Überhitzung.

Charttechnisch hielt die erste schwache Unterstützung um 9550 den Abverkauf nur am Vormittag kurzzeitig auf. Mit der erneuten Schwäche der Wall Street wurde der Index schließlich bis 9500 durchgereicht. Hier liegen auch die vorbörslichen Indikationen. Als erstes Fazit bleibt festzuhalten, dass trotz des sehr schwachen Wochenauftakts keine wichtigen Kursmarken verletzt wurden. Die Korrektur spielt sich bisher oberhalb von wichtigen Unterstützungen ab, die kurzfristige Einschätzung für den Markt bleibt somit noch positiv. Weitere Verluste bis an die nächste Haltezone um 9450 müssen eingeplant werden. Sollten auch hier die Abgaben anhalten, rückt der wichtige Nachfragebereich um 9370 bis 9400 in den Fokus.

Der Stundenchart zeigt die Bedeutung des Bereichs. Neben zwei horizontalen Marken verlaufen hier die 21- und 100-Tage-Linie sowie das 38 Prozent Fibonacci-Level der übergeordneten Aufwärtsbewegung. Diese Kumulationsunterstützung sollte einige Schnäppchenjäger anlocken und eine Stabilisierung einleiten. Erst wenn auch hier die Verkäufe dominieren, kippt die kurzfristige Prognose.

Auf der Oberseite liegt eine erste Hürde an der Unterkante der am Montag gerissenen Kurslücke bei 9600. Sollte der DAX ähnlich wie am 20. und 24. März eine zügige Erholung einleiten, liegen weitere  schwache Widerstände bei 9660 und dann erneut oberhalb von 9700.

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Tagesanalyse:

Keine klare Ausgangslage

Nach den deutlichen Verlusten in der ersten März-Hälfte steht der DAX erneut im Bereich um 9600 / 9700. Hier wird sich nun entscheiden, wie nachhaltig der jüngste Aufwärtsimpuls wirklich ist. Bereits im Februar scheiterten die Käufer rund zwei Wochen lang an der Hürde um 9700. Auch jetzt dürften es die Bullen schwer haben, im ersten Versuch die Barriere zu nehmen. Anleger, die Mitte Februar eingestiegen sind und beim Rücksetzer bis unter 9000 investiert blieben, nutzen die Erholung zum Ausstieg auf Einstandskurs. Auf der anderen Seite dürften mutige Trader nach Kursgewinnen von rund acht Prozent in gut zwei Wochen Gewinne realisieren oder die Positionen eng absichern. Beides zusammen spricht eher gegen eine Fortsetzung der Aufwärtsbewegung und somit neue Rekordhochs. Neue, klare Kaufsignale liefert der DAX somit erst bei einem Anstieg über 9800. Auch von den Indikatoren erfährt der Index derzeit keinen Rückenwind mehr. Der MACD steht noch auf Kaufen, hingegen hat der sensiblere DSS Bressert bereits die obere Extremzone erreicht und signalisiert eine Überhitzung.

Eine erste erwähnenswerte Unterstützung liegt wie bereits in der Stundenanalyse erwähnt im Bereich um 9370. Die Unterseite des maßgeblichen Aufwärtskanals verläuft aktuell bei 9160 und somit bereist deutlich oberhalb der wichtigen, horizontalen Unterstützungszone um 8950 / 9000. Hier verlaufen zudem die 200-Tage-Linie und das 38 Prozent-Niveau der Aufwärtsbewegung seit Sommer 2013. Erst wenn dieser Bereich unterschritten wird, dreht die mittelfristige Trend auf abwärts.

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Wochenanalyse:

DAX prallt von Kanalgrenze erneut ab

Seit dem letzten ernst zu nehmenden Crash im Sommer 2011 läuft der DAX in einer von nur kurzen Konsolidierungen gekennzeichneten Aufwärtsbewegung. Maßgeblich auf der Unterseite ist eine seit Herbst 2011 bestehende Haussegerade, die im Jahr 2013 mehrfach angelaufen und bestätigt wurde (hellgrüne untere Linie; s. auch Tageschart). Auch der jüngste Anlauf Mitte März verlief erfolgreich. Zusammen mit der bei rund 8920 verlaufenden  viel beachteten 200-Tage-Linie stellt der Bereich um 9000 eine massive Bastion der Käufer dar. Solange der DAX dieses Niveau behauptet, bleiben die Aussichten auf der mittel- bis langfristigen Zeitebene  bullisch.

Auf der Oberseite ist nach der jüngsten Konsolidierungsbewegung zunächst etwas Platz vorhanden. In den vergangenen Wochen kletterte die obere, dunkelgrün eingezeichnete Aufwärtstrendlinie weiter Richtung Norden und lässt dem Markt Luft bis ungefähr 10.250. Die runde 10.000er-Schwelle könnte also vom DAX genommen werden, ohne das die Trendlinie überwunden werden muss. Gegenüber der Ausgangssituation zu Jahresbeginn eine deutliche Erleichterung für die Käufer.

Eher Gegenwind kommt derzeit von den Indikatoren. Seit Ende Januar sendet der trendfolgende MACD ein Verkaufssignal und liefert ein Argument für eher schwache Notierungen in den kommenden Wochen. Der Indikator steht zudem derzeit auf einem ähnlich erhöhten Niveau wie im Jahr 2000 und 2007, als der Markt ebenfalls ein Top ausbildete.

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Monatsanalyse:

Zwei Szenarien für die Zukunft

Im abgebildeten Monatschart seit 1960 wird vor allem die Bedeutung des Kursbereichs um 8000 / 9000 deutlich. Nach dem Ausbruch aus einer rund 20 Jahre andauernden Seitwärtsbewegung im Jahr 1983 zeigte der DAX bis zur Jahrtausendwende eine ausgeprägte Rally-Bewegung. Mit dem Platzen der Spekulationsblase wurde diese Aufwärtsbewegung in den vergangenen 13 Jahren konsolidiert. In dieser Zeit bildete der Deutsche Aktienindex deutlich steigende Bewegungstiefpunkte aus, was auf einen allmählich steigenden Kaufdruck deutet. Der Sprung über die Hochpunkte aus dem Jahr 2000 und 2007 bei 8200 war somit nur eine Frage der Zeit. Der DAX löste ein sehr bullish aufsteigendes Dreieck nach oben hin auf, aus dem theoretisch Notierungen deutlich jenseits der 10.000er-Marke abgeleitet werden können.

Nach dem nun erfolgten Ausbruch sind zwei grundsätzliche Szenarien denkbar. Aufgrund der Bedeutung der Zone um 8200 wäre eine Rückkehrbewegung und somit ein Retest des Ausbruchsniveau nicht überraschend. Ein möglicher Wendepunkt könnte an der psychologisch wichtigen Schwelle von 10.000 liegen. Ausgehend von einem kurzen Test der fünfstelligen Kursmarke wäre mit einer Korrektur bis in den Bereich von 8200 / 8500 zu rechnen, von dem aus dann eine nachhaltige Aufwärtsbewegung erfolgen würde. Zugleich eröffnet sich Anlegern, die den Einstieg bisher verpassten, auf langfristige Sicht noch einmal eine gute Einstiegsgelegenheit.

In einem zweiten Szenario bleibt ein Test der Zone um 8200 von oben aus. Stattdessen läuft der Markt nach einer recht wahrscheinlichen Konsolidierung bei rund 10.000 weiter aufwärts. Neue Widerstände müssten sich erst noch herausbilden. Unwahrscheinlicher erscheint hingegen ein Rücksetzer unter das Ausbruchsniveau von 8200.

Auf Basis der Indikatoren wäre noch ein wenig Luft nach oben vorhanden. Beachten Sie vor allem den trendfolgenden MACD, der in den vergangenen 13 Jahren eigentlich recht zuverlässig die Wendepunkte beim DAX antizipierte. Allmählich erreicht der Signalgeber die Niveaus aus dem Jahr 2000 und 2007 (rote Linie).

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About the Author:

Franz-Georg Wenner ist regelmäßiger Gast beim Deutschen Anlegerfernsehen und gern gesehener Vortragsredner. Er hält regelmäßig Webinare und referierte unter anderem beim Verein Technischer Analysten Deutschlands (VTAD). Bei BÖRSE ONLINE war er sechs Jahre Online-Koordinator und Redakteur mit den Schwerpunkten Nebenwerte Deutschland, Zertifikate und Technische Analyse. Zusätzlich betreute er für die Commerzbank den Zertifikate-Newsletter ideas daily. Bereits seine Diplomarbeit im Fachbereich BWL der Uni Düsseldorf beschäftigte sich mit der Intermarket-Analyse.

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