DAX-Chartanalyse: Startet die nächste Abwärtswelle?

Die Aussichten für eine Fortsetzung der Erholungsbewegung haben sich zuletzt eingetrübt. Einige Signale deuten eher auf eine entgegengesetzte Bewegung. Die DAX-Chartanalyse für den 3. Juli 2013.  

 

 

Auch wenn der DAX gestern zeitweise unter die 7900er-Marke rutschte und unter dem Strich eine negative Tagesbilanz mit einem Verlust von 0,9 Prozent auf 7911 Punkte blieb – weder die Bullen noch die Bären scheinen derzeit über genügend Kraft zu verfügen, eine Entscheidung herbeizuleiten. Stattdessen pendelt der Markt seitwärts knapp unter der 8000. Eigentlich wenig überraschend, denn wie in der Tagesanalyse beschrieben verläuft in dieser Region auch die Oberkante des aktuellen Rechtecks. Die zähe Seitwärtsbewegung untermauert somit nur die Bedeutung der Zone. Auch wenn es für Trader unbefriedigend ist, aber aktuell müssen wir einfach abwarten, in welche Richtung der neue Impuls erfolgen wird.

Eine erneute Abwärtsbewegung ist dennoch leicht zu favorisieren. Die Erholungsbewegung ausgehend vom Test der 200-Tage-Linie fiel sehr dynamisch aus. Seit einigen Tagen ist das Momentum aber wegen fehlender Anschlusskäufe deutlich auf dem Rückzug. Zudem bildete der DAX erneut ein tieferes Hoch aus und drehte bereits unter der zuletzt relevanten 21-Tage-Linie wieder Richtung Süden. Insgesamt mehren sich somit die  Anzeichen, die auf eine erneute Schwächephase deuten. Auch im Tageschart wird es nun kritisch. Am Dienstag hatte ich auf die Chance hingewiesen, dass bei einem positiven Handelsverlauf der MACD ein Kaufsignal liefern könnte. Nach den gestrigen Verlusten droht nun aber der MACD an seiner Signallinie zu scheitern und nach unten zu drehen – in der Fachsprache auch bullish failure genannt. Erfahrungsgemäß kommt es im Anschluss meist noch einmal zu einer deutlichen Abwärtswelle. Zuletzt hatten wir eine ähnliche Situation im MACD Mitte April.

Gleich zu Handelsbeginn wird es spannend, denn der DAX könnte unter dem gestrigen Tagestief starten. Die vorbörsliche Indikationen liegen bei 7865 Punkten. Die sehr geringe Markttiefe auf diesem Kursniveau deutet auf eine ineffiziente Zone, so dass dynamischere Bewegungen im Tagesverlauf eingeplant werden sollten. Eine leichte Unterstützung findet sich um 7800 Punkten. Wesentlich zuverlässiger ist kurzfristig aber die Kombination aus Aufwärtstrendlinie und 200-Tage-Durchschnitt im Bereich um 7700 / 7720 Zählern. Auf der Oberseite sind gute Orientierungspunkte hingegen Mangelware. Die Widerstände bei 7940 und 7960 sind sehr schwach, erst um 8035 geraten die Bären erneut in Bedrängnis.

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Kennzahlen:

 

DAX-Pivot-Punkte für den 3. Juli:

DAXPivot

 

 

 

 

Für einige Anleger sind Pivot Punkte vielleicht noch Neuland. Kurz zur Erklärung: Die Pivot Punkte dienen der Kurszielbestimmung und haben ihren Ursprung in den Futures-, Termin- und Forexmärkten. Grundannahme ist, dass die Kursbewegungen des vorherigen Handelstages Einfluss auf den neuen Börsentag haben. Berechnungsgrundlage sind daher Tageshoch, Tagestief und Schlusskurs vom Vortag. Als Ergebnis erhält man drei Widerstandsmarken (Resist R 1-3) sowie drei Unterstützungsniveaus (Support S 1-3).

 

 

 

wichtige Chartmarken:

DAXMarken

 

 

 



200-Tage-Linie gibt Sicherheit

Mit der deutlichen Gegenbewegung in der vergangenen Handelswoche entspannte sich ein wenig die kurz- bis mittelfristige charttechnische Situation im DAX. Exakt auf Höhe der 200-Tage-Linie sowie eines langfristigen Aufwärtstrends setzte verstärktes Kaufinteresse ein und führte zu einer technischen Erholung, die den Leitindex zum Wochenschluss bis an die 8000er-Marke und somit die Oberkante des aktuellen Rechtecks führte. Zugleich verläuft hier auch das 38,2 Prozent Fibonacci-Niveau der seit dem Rekordhoch laufenden, übergeordneten Abwärtsbewegung.

In den kommenden Tagen könnten daher die Würfel fallen, wohin die Reise gehen wird. Positiv zu werten wäre die Rückeroberung der 8000er-Marke und damit auch der erneute Sprung in das nächst höher gelegene Rechteck. Dem DAX würde sich auf Basis dieser Methode weiteres Aufwärtspotenzial bis in die Nähe des Rekordhochs bei 8520 Punkten eröffnen. Allerdings dürfte der Weg Richtung Norden nicht leicht werden. Neben der fallenden 21-Tage-Linie, an der es in den vergangenen Wochen mehrfach zu einem Rücksetzer kam, belastet auch der kurzfristige Abwärtstrend (s. Stundenanalyse). Erst wenn der DAX diese Hürden überwindet und per Tagesschluss das letzte Bewegungshoch bei 8285 / 8300 Punkten überwindet, dreht der Trend wieder klar nach oben.

Bis dahin sind Erholungen nur als Bärenmarktrally einzuordnen. Scheitert der nachhaltige Sprung auf die 8000, erscheint ein erneuter Test der Clusterunterstützung aus Aufwärtstrendlinie und 200-Tage-Durchschnitt sehr wahrscheinlich. Übergeordnet sind auch weitere Verluste bis 7450 Punkte durchaus denkbar.

Gemessen an den Indikatoren kann ebenfalls noch keine Entwarnung gegeben werden. Allerdings notiert der seit dem Rekordhoch fallende MACD inzwischen auf dem niedrigsten Stand seit über einem Jahr. Eine Erholung und somit auch ein Kaufsignal dürfte nicht mehr lange auf sich warten lassen. Der geglättete Stochastik fällt zudem mit einer leichten positiven Divergenz auf. Wer wie empfohlen mutig war und an der 200-Tage-Linie kaufte, bleibt weiter dabei.

 

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Schwächesignale bereiten noch keine Probleme

Auf Wochensicht eröffnete sich für Anleger kürzlich eine gute Einstiegsgelegenheit, denn der DAX testete erfolgreich die untere Begrenzung eines seit Mitte 2011 bestehenden, rund 1500 Punkte breiten Aufwärtskanal. Zuletzt wurde die südliche Zone während der Korrektur Mitte April angelaufen und ebenfalls bestätigt. Im Anschluss erholte sich der Markt, kletterte über die bisherigen Rekordhochs aus 2000 und 2007 und startete erneut in eine Konsolidierung. Gerade an viel beachteten Chartmarken wie langjährigen Rekordhochs setzen oft Gewinnmitnahmen ein und eröffnen eine zweite Einstiegschance für Anleger, die bei der ersten Aufwärtswelle  nicht dabei waren.

Zur Vorsicht mahnt die Tatsache, dass der DAX bereits seit über einem Jahr nicht mehr die obere Begrenzung des Kurkorridors erreichte und sich zuletzt sogar der Druck auf die Unterseite erhöhte.

Aktuell bleibt die Prognose für den mittel- bis langfristigen Horizont noch auf neutral. Die Unterkante des Aufwärtskanals verläuft knapp unter der 200-Tage-Linie bei rund 7690 Punkten. Erst wenn der DAX diese wichtige Bastion sowie die horizontale Zone um 7450 per Wochenschluss unterschreitet, trübt sich die übergeordnete charttechnische Lage ein.

Die Indikatoren deuten klar auf ein bearisches Szenario. Der DSS Bressert verläuft ausgehend vom überkauften Niveau fallend und lieferte kürzlich ein Verkaufssignal ab, das auch vom trendfolgenden MACD bestätigt wird. Die Wahrscheinlichkeit auf eine Fortsetzung der Korrektur ist unter dem Strich als erhöht einzuschätzen.

 

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10.000 oder 5300 Punkte?

Im Monatschart hat die bisherige Korrektur ausgehend vom Rekordhoch bei 8558 Punkten noch keinen größeren Schaden angerichtet. Bleiben weitere Rücksetzer aus, sollte der DAX die seit 2000 und somit rund 13 Jahren anhaltende große Seitwärtsbewegung endlich nach oben hin auflösen und den „Deckel lüften“. Im Jahr 2007 scheiterte der Markt fast das gesamt Jahr hindurch an einem nachhaltigen Anstieg über das 2000er-Hoch, in 2011 zogen sich die Käufer bereits deutlich tiefer bei rund 7400 Punkten wieder zurück. Noch ist es aber zu früh, von einem nachhaltigen Ausbruch zu sprechen. Ein Monatsschluss unter der 8000er-Marke und damit auch unter den 2007er-Hochs würde berechtigte Zweifel aufkommen lassen.

Mittel- bis langfristig weist der Weg für den DAX aber aufwärts. Seit 2003 lässt sich eine Serie von steigenden Korrekturtiefs ausmachen. Zusammenfassend kann die Entwicklung seit der Jahrtausendwende somit auch als großes aufsteigendes Dreieck gewertet werden. Der Sprung in dreistellige Kursregionen an der 10.000er-Marke wäre nur eine Zwischenstation hin zu deutlich höheren Niveaus jenseits der 15.000. Aber das ist noch Zukunftsmusik.

Auch in dieser sehr langfristigen Betrachtung weisen die Indikatoren bereits teilweise einen überhitzten Zustand auf. Allerdings können die Signalgeber durchaus über mehrere Monate, sogar Jahre, im oberen Extrembereich laufen, ehe ein Verkaufssignal aktiv wird. Beste Beispiele liefern die Jahre 2004/2005 und 2010 (DSS Bressert). Etwas entspannter ist derzeit noch die Lage im trendfolgenden MACD. Aktuell liegt die MACD-Linie noch deutlich unter den oberen Wendepunkten der vergangenen Jahre (grüner Kasten).

Dennoch kann ein erneuter Test der langjährigen Aufwärtstrendlinie nicht ausgeschlossen werden. Aktuell verläuft der kritische Bereich um 5300 Punkten.

 

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About the Author:

Franz-Georg Wenner ist regelmäßiger Gast beim Deutschen Anlegerfernsehen und gern gesehener Vortragsredner. Er hält regelmäßig Webinare und referierte unter anderem beim Verein Technischer Analysten Deutschlands (VTAD). Bei BÖRSE ONLINE war er sechs Jahre Online-Koordinator und Redakteur mit den Schwerpunkten Nebenwerte Deutschland, Zertifikate und Technische Analyse. Zusätzlich betreute er für die Commerzbank den Zertifikate-Newsletter ideas daily. Bereits seine Diplomarbeit im Fachbereich BWL der Uni Düsseldorf beschäftigte sich mit der Intermarket-Analyse.

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