DAX-Chartanalyse: Privatanleger kaufen, Profis bleiben skeptisch

Ob der DAX knapp über oder unter der 10.000er-Marke notiert, ist aus technischer Sicht von geringer Bedeutung. Kurzfristig mehren sich aber die Hinweise, dass eine Konsolidierung bevorsteht. Profi-Investoren schätzen die Lage noch etwas negativer ein.    

Stunden- und Tagesanalyse:

So schnell kann es gehen: Während die Bullen mehrere Tage benötigten, um den Markt ausgehend von 9950 auf über 10.000 zu hieven, reichten den Bären zur Wochenmitte nur wenige Stunden. Lediglich drei Aktien – VW, Linde, FMC – beendeten den Tag in der Gewinnzone, für den Rest ging es abwärts. Nach wie vor ist die technische Lage der 30 Indexwerte als leicht überhitzt einzustufen, wie der erste Chart zeigt. Dargestellt ist die Anzahl der Aktien im DAX, die über ihrem 20-Tage-Durchschnitt notieren. Ab einer Quote von rund 85 Prozent steigt die Gefahr eines temporären Bewegungshochs an den Märkten deutlich an, eine Konsolidierung ist dann nur noch eine Frage der Zeit. Vor wenigen Tagen kletterte das Barometer auf luftige 95 Prozent, inzwischen kühlt sich die Situation bereits ein wenig ab. Das Chance-Risiko-Verhältnis bleibt aber wenig attraktiv. Erst wenn nur noch fünf bis 15 Prozent der Indexmitglieder ihren Monatsmittelwert behaupten, setzt vielfach eine Erholung ein. Anleger müssen nur den Mut haben, den Markt zu kaufen. Leichter gesagt als getan…

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Interessante Daten lieferte auch die jüngste Stimmungserhebung der Börse Frankfurt. Mit dem Sprung über die 10.000er-Marke sind viele Privatanaleger auf die Seite der Bullen gewechselt. Der Anteil der Optimisten liegt bei 51 Prozent, dass Sentiment liegt deutlich im grünen Bereich. Hingegen trauen sich die Profis nach wie vor nicht aus der Deckung, insgesamt liegt das Sentiment weiterhin im negativen Terrain. Die langsame Entwicklung und besonders die geringe Volatilität schreckt viele institutionelle Anleger ab.

Ein weiterer Grund könnte darin liegen, dass der S&P inzwischen recht gut gelaufen. Einer Analyse von Beespokeinvest zufolge liegt das durchschnittliche Kursziel der Wall Street-Experten bei 1968 Punkten. Anders formuliert: Dem S&P fehlt nur noch ein Zuwachs von rund einem Prozent, bis das S&P-Kursziel auf Jahresschlusskursbasis (!) erreicht ist. Sieben von 20 befragten Instituten haben sogar Kursziele ausgerufen, die unter dem aktuellen Niveau liegen. Darunter sind so bekannte Adressen wie Jefferies, HSBC, Goldman Sachs und Deutsche Bank. Die Charts finden Sie hier.

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Nach dem Sprung in fünfstellige Kursregionen kann die Gefahr einen Fehlausbruchs noch immer nicht ausgeschlossen werden. Sollten die Kurse im Anschluss an das positive Signal scharf Richtung Süden drehen, drohen vielfach umso deutlichere Verluste. Als eine mögliche Trigger-Marke ist der Bereich um 9860 / 9880 anzusehen. Neben dem Korrekturtief von Anfang Juni verlaufen hier auch die 21-Tage-Linie und ein mittelfristiger Aufwärtstrend. Die Relevanz dieses Kursbereichs ist somit als leicht erhöht einzuschätzen. Fällt der DAX weiter zurück, steht ein Retest des Ausbruchsniveaus um 9700 / 9800 auf der Agenda. Hier bietet sich Anlegern, die den jüngsten Sturm auf die 10.000 verpassten, eine gute Einstiegschance.

Vorbörslich zeichnen sich zumindest keine weiteren Gewinnmitnahmen ab. Broker sehen den DAX bei 9960. Jede Stabilisierung oberhalb von 9880 ist hingegen als Signal der Stärke zu werten und eröffnet die Chance auf frische Rekordhochs.

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Wochenanalyse:

Kaufsignal im MACD könnte DAX mittelfristig beflügeln

Seit der letzten richtigen Korrektur im Sommer 2011 läuft der Deutsche Aktienmarkt in einem stabilen Aufwärtskanal, dessen obere und untere Extrembereiche in den vergangenen Monaten und Jahren mehrfach bestätigt wurden. Während zum Jahreswechsel verstärkt die Oberseite im Fokus stand, führte die jüngste Konsolidierung zu widerholten Tests der unteren Aufwärtstrendlinie. Bisher nutzten die Käufer jeden Rücksetzer zum Einstieg, ein Kursverhalten, das wir auch im vergangenen Jahr mehrfach gesehen haben.

Die rund sechs Monate anhaltende Seitwärtsbewegung verlief somit noch innerhalb des intakten Aufwärtstrends. Mit den jüngst ausgebildeten frischen Rekordhochs scheint die Schiebezone in Trendrichtung nach oben hin aufgelöst zu werden. Dabei stellt die 10.000er-Schwelle nur eine unbedeutende Kursmarke dar. Mittelfristig lässt der Kanal durchaus Luft bis über 10.600.

Auf der Südseite ist der DAX gut abgesichert. Neben der erwähnten, zuletzt mehrfach bestätigten Aufwärtstrendlinie bei derzeit 9500 sorgen auch die 200-Tage-Linie bei 9260 und die breite horizontale Unterstützungszone um 8950 / 9000 für Sicherheit.

Positiv zu interpretieren ist auch der MACD. Nach der Konsolidierung baute der trendfolgende Indikator seinen leicht überhitzten Zustand ab und lieferte kürzlich ein Einstiegssignal.

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Monatsanalyse:

Zwei Szenarien für die Zukunft

Im abgebildeten Monatschart seit 1960 wird vor allem die Bedeutung des Kursbereichs um 8000 / 9000 deutlich. Nach dem Ausbruch aus einer rund 20 Jahre andauernden Seitwärtsbewegung im Jahr 1983 zeigte der DAX bis zur Jahrtausendwende eine ausgeprägte Rally-Bewegung. Mit dem Platzen der Spekulationsblase wurde diese Aufwärtsbewegung in den vergangenen 13 Jahren konsolidiert. In dieser Zeit bildete der Deutsche Aktienindex deutlich steigende Bewegungstiefpunkte aus, was auf einen allmählich steigenden Kaufdruck deutet. Der Sprung über die Hochpunkte aus dem Jahr 2000 und 2007 bei 8200 war somit nur eine Frage der Zeit. Der DAX löste ein sehr bullish aufsteigendes Dreieck nach oben hin auf, aus dem theoretisch Notierungen deutlich jenseits der 10.000er-Marke abgeleitet werden können.

Nach dem nun erfolgten Ausbruch sind zwei grundsätzliche Szenarien denkbar. Aufgrund der Bedeutung der Zone um 8200 wäre eine Rückkehrbewegung und somit ein Retest des Ausbruchsniveau nicht überraschend. Ein möglicher Wendepunkt könnte an der psychologisch wichtigen Schwelle von 10.000 liegen. Ausgehend von einem kurzen Test der fünfstelligen Kursmarke wäre mit einer Korrektur bis in den Bereich von 8200 / 8500 zu rechnen, von dem aus dann eine nachhaltige Aufwärtsbewegung erfolgen würde. Zugleich eröffnet sich Anlegern, die den Einstieg bisher verpassten, auf langfristige Sicht noch einmal eine gute Einstiegsgelegenheit.

In einem zweiten Szenario bleibt ein Test der Zone um 8200 von oben aus. Stattdessen läuft der Markt nach einer recht wahrscheinlichen Konsolidierung bei rund 10.000 weiter aufwärts. Neue Widerstände müssten sich erst noch herausbilden. Unwahrscheinlicher erscheint hingegen ein Rücksetzer unter das Ausbruchsniveau von 8200.

Auf Basis der Indikatoren wäre noch ein wenig Luft nach oben vorhanden. Beachten Sie vor allem den trendfolgenden MACD, der in den vergangenen 13 Jahren eigentlich recht zuverlässig die Wendepunkte beim DAX antizipierte. Allmählich erreicht der Signalgeber die Niveaus aus dem Jahr 2000 und 2007 (rote Linie).

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Posted in: Deutschland

About the Author:

Franz-Georg Wenner ist regelmäßiger Gast beim Deutschen Anlegerfernsehen und gern gesehener Vortragsredner. Er hält regelmäßig Webinare und referierte unter anderem beim Verein Technischer Analysten Deutschlands (VTAD). Bei BÖRSE ONLINE war er sechs Jahre Online-Koordinator und Redakteur mit den Schwerpunkten Nebenwerte Deutschland, Zertifikate und Technische Analyse. Zusätzlich betreute er für die Commerzbank den Zertifikate-Newsletter ideas daily. Bereits seine Diplomarbeit im Fachbereich BWL der Uni Düsseldorf beschäftigte sich mit der Intermarket-Analyse.

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