DAX-Chartanalyse: Heute könnte eine Vorentscheidung fallen

Zeigt der DAX aktuell nur eine Erholung oder sehen wir bereits den Auftakt zu einer neuen Rally? Den unmittelbar bevorstehenden Widerständen kommt eine hohe Bedeutung zu. Die DAX-Chartanalyse für den 18. Juni 2013. 

 

 

Die seit vergangenen Donnerstag laufende Erholung blieb auch zu Wochenbeginn intakt. Der DAX kletterte im Tagesverlauf bis an die obere Begrenzung des seit dem Rekordhochs bestehenden Abwärtskanals im Bereich um 8250 Punkte. Wie erwartet blieb den Bullen aber ein Ausbruch verwehrt und kurz vor Handelsschluss setzte eine kleine Rückkehrbewegung bis 8200 Punkte ein.

Vorbörslich werden Kurse von 8190 Punkten aufgerufen. Dem DAX bietet sich somit weiterhin eine gute Chance auf eine Erholung über 8250 Zähler. Knapp über dieser ersten Barriere nimmt die Markttiefe ein wenig ab und begünstigt eine weitere Erholung. Dem steht allerdings die bereits wieder fallende 21-Tage-Linie entgegen. Erst wenn auch der Sprung über den gleitenden Durchschnitt bei knapp 8300 Punkten gelingt, hellen sich die Aussichten auf. Die Luft nach oben bleibt aber begrenzt, denn mit dem jüngsten Bewegungshoch bei 8360 Punkten stehen die Käufer vor einer weiteren hohen Hürde. Wer somit erst mit einem zuverlässigeren Kaufsignal auf kurzfristiger Ebene einsteigen möchte, wartet Notierungen über dem letzten Zwischenhoch ab.

Das Abwärtsrisiko ist aber nicht zu unterschätzen, denn zuverlässige Haltebereiche auf der Südseite lassen sich kaum ausmachen. Da sich der DAX aktuell an der oberen Begrenzung des Abwärtskanals aufhält, bleibt bis zu einem Ausbruch eine Fortsetzung der Konsolidierung das favorisierte Szenario. Kurzfristig sind die Aussichten daher eher negativ und es droht eine erneute Rückkehrbewegung bis an die Südseite bei aktuell knapp 7900 Punkten. Vorgelagerte Haltebereich sind hingegen Mangelware. Zwischen 8120 bis 8140 Punkten liegt eine Umsatzhäufung, an der es erneut zu einer Stabilisierung kommen kann. Südlich von 8100 Zählern verläuft zwar die 55-Tage-Linie. Zuletzt löste der mittelfristige Durchschnitt aber keine Käufe aus und scheint daher nur eine geringe Relevanz zu haben. Erst um 8000 Punkten ist wieder mit verstärkter Nachfrage zu rechnen.

 

 

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Kennzahlen:

 

DAX-Pivot-Punkte für den 18. Juni:

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Für einige Anleger sind Pivot Punkte vielleicht noch Neuland. Kurz zur Erklärung: Die Pivot Punkte dienen der Kurszielbestimmung und haben ihren Ursprung in den Futures-, Termin- und Forexmärkten. Grundannahme ist, dass die Kursbewegungen des vorherigen Handelstages Einfluss auf den neuen Börsentag haben. Berechnungsgrundlage sind daher Tageshoch, Tagestief und Schlusskurs vom Vortag. Als Ergebnis erhält man drei Widerstandsmarken (Resist R 1-3) sowie drei Unterstützungsniveaus (Support S 1-3).

 

 

 

wichtige Chartmarken:

DAXMarken

 

 

 



 

Gefangen im Rechteck

Im mittelfristigen Tageschart wird die hohe Bedeutung des aktuellen Rechtecks sichtbar. Anfang Mai kletterte der DAX dynamisch in die grau hinterlegte Zone und spurtete bis an die obere Begrenzung bei 8515 Punkten. Allerdings scheiterte hier der Ausbruch, die logische Folge ist eine Rückkehrbewegung an die Unterkante. In den vergangenen Wochen hielt sich der DAX gut an diese Vorgaben und lief kürzlich die Zone um knapp 8000 Punkte an. Schnäppchenjäger verhinderten den Rücksetzer in das tiefer gelegene Rechteck und sorgten so für eine Stabilisierung.

Aktuell bietet sich erneut die Chance, in die oberen Regionen vorzustoßen. Ein erster Hinweis auf einen erneuten Test der Rekordstände wäre ein Anstieg über die Mittellinie bei rund 8260 Zählern (23,6 Prozent Fibonacci-Marke der April-Mai-Rally). Bleibt dem DAX der Anstieg verwehrt, steigt der Druck auf die Unterseite.

Die Indikatoren liefern nach wie vor ein gemischtes Bild. Der zuletzt sehr zuverlässige MACD steht nach wie vor auf „Verkaufen“. Immerhin hat der trendfolgende Oszillator seinen überhitzten Zustand verlassen und prüft nun die Nulllinie. Manche Analysten sehen einen Rücksetzer in negatives Terrain als Signal für eine anhaltende Schwächephase. Der geglättete Stochastik (DSS Bressert) bestätigte hingegen zuletzt nicht mehr die neuen Bewegungstiefs im DAX und deutet mit positiven Divergenzen eher auf eine Erholung.

 

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Aufwärtskanal lässt viel Platz

Die erste Jahreshälfte kann sich durchaus sehen lassen. Bereits seit Mitte 2011 läuft das Aktienbarometer in einem rund 1500 Punkte breiten Aufwärtskanal. Zuletzt wurde die Untergrenze dieser Range während der Korrektur Mitte April angelaufen und bestätigt. Seitdem erholte sich der Markt, kletterte über die bisherigen Rekordhochs aus 2000 und 2007 und steht nun ungefähr in der Mitte der Range.

Charttechnisch relevante und bereits bestätigte Widerstände sind nun Mangelware. Mit dem Spurt auf frische Hochs lieferte der DAX das beste Kaufsignal ab, welches die Technische Analyse zu bieten hat. Die kürzlich erfolgte Rückkehrbewegung ist vor allem an viel beachteten Marken wie der Region um die alten Rekordniveaus vollkommen normal und trendbestätigend zu werten – solange es nicht zu einem signifikanten Rücksetzer und damit Fehlausbruch kommt.

Nach oben hin ist der Weg nun frei bis mindestens an die obere Begrenzung des Trendkanals bei rund 9800 Punkten. Zuvor dürften aber einige runde Kursmarken für Gewinnmitnahmen sorgen. Nach unten hin hat der DAX ebenfalls viel Platz. Im optimalen Szenario fällt der Markt nicht mehr unter 8000 Punkte per Wochenschluss. Sollte es dennoch zu weiteren Kursverlusten kommen, liegen zwischen 7400 bis 7600 zahlreiche robuste Unterstützungen wie zum Beispiel die Unterkante des erwähnten Trendkanals oder auch die viel beachtete 200-Tage-Linie.

 

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DAX – 10.000 Punkte wären nur eine Zwischenstation

Der Monatschart vermittelt eigentlich am deutlichsten, wie wichtig die Kursentwicklung derzeit aber auch in den kommenden Wochen ist. Aktuell sieht es so aus, als ob der DAX die seit 2000 und somit seit rund 13 Jahren anhaltende große Seitwärtsbewegung endlich nach oben hin auflösen kann und somit den „Deckel lüftet“. Im Jahr 2007 scheiterte der Markt fast das gesamt Jahr hindurch an einem nachhaltigen Anstieg über das 2000er-Hoch, in 2011 zogen sich die Käufer bereits deutlich tiefer bei rund 7400 Punkten wieder zurück.

Vollkommen überraschend kommt die jüngste Entwicklung aber nicht, denn seit 2003 lässt sich eine Serie von steigenden Korrekturtiefs ausmachen. Zusammenfassend kann die Entwicklung seit der Jahrtausendwende somit auch als großes aufsteigendes Dreieck gewertet werden. Der Sprung in dreistellige Kursregionen an der 10.000er-Marke wäre nur eine Zwischenstation hin zu deutlich höheren Niveaus jenseits der 15.000. Aber das ist noch Zukunftsmusik.

Auch in dieser sehr langfristigen Betrachtung weisen die Indikatoren bereits teilweise einen überhitzten Zustand auf. Allerdings können die Signalgeber durchaus über mehrere Monate, sogar Jahre, im oberen Extrembereich laufen, ehe ein Verkaufssignal aktiv wird. Beste Beispiele liefern die Jahre 2004/2005 und 2010 (DSS Bressert). Etwas entspannter ist derzeit noch die Lage im trendfolgenden MACD. Aktuell liegt die MACD-Linie noch deutlich unter den oberen Wendepunkten der vergangenen Jahre (grüner Kasten).

Fast man alles zusammen, könnte ein mögliches Szenario wie folgt aussehen. Der DAX schafft den nachhaltigen Ausbruch und läuft – unter Korrekturen – bis an die 10.000. Hier kommt es zu einer Pullbackbewegung, die sich oft beobachten lässt, wenn der Markt lange an charttechnisch wichtigen Marken scheiterte und diese schließlich überwindet. Übertragen auf den DAX wäre mit einer Rückkehrbewegung bis 8200 / 8500 zu rechen. Hier würde sich für Nachzügler noch einmal eine günstige Gelegenheit ergeben, eher der Börsenexpress nachhaltig in fünfstellige Regionen aufbricht.

 

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Posted in: Chart-Show, Indizes

About the Author:

Franz-Georg Wenner ist regelmäßiger Gast beim Deutschen Anlegerfernsehen und gern gesehener Vortragsredner. Er hält regelmäßig Webinare und referierte unter anderem beim Verein Technischer Analysten Deutschlands (VTAD). Bei BÖRSE ONLINE war er sechs Jahre Online-Koordinator und Redakteur mit den Schwerpunkten Nebenwerte Deutschland, Zertifikate und Technische Analyse. Zusätzlich betreute er für die Commerzbank den Zertifikate-Newsletter ideas daily. Bereits seine Diplomarbeit im Fachbereich BWL der Uni Düsseldorf beschäftigte sich mit der Intermarket-Analyse.

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