DAX-Chartanalyse: Eine gefährliche Entwicklung

Rekorde sind inzwischen zu einem täglichen Ritual an der Wall Street geworden, auch der DAX könnte heute die 10.000 knacken. Doch am richtungsweisenden Rentenmarkt scheinen die Akteure ein anderes Spiel zu spielen.    

Stunden- und Tagesanalyse:

Jubelstimmung bei vielen US-Indizes und ein lustloser DAX, so fällt die Bilanz für den gestrigen Feiertag aus. Daran dürfte sich  auch heute nicht sehr viel ändern. Die Vorgaben von den Weltbörsen sind durchaus positiv, dennoch sehen Broker den deutschen Aktienmarkt nur leicht höher bei 9945.

Zu viel Aufmerksamkeit sollte man der Kursentwicklung kurz vor dem Wochenende nicht schenken. Dazu reicht bereits ein Blick auf die Umsätze. Am Mittwoch lag das Volumen auf Xetra bei 2,5 Mrd. Euro, gestern wechselten nur für 1,7 Mrd. Euro Aktien den Besitzer. Am heutigen Brückentag dürfte die Marke von drei Mrd. Euro nicht erreicht werden. Unter diesen Voraussetzungen ist es für die wenigen aktiven Marktteilnehmer vergleichsweise einfach, die Kurse in die gewünschte Richtung zu handeln. Aus technischer Sicht sind die Bewegungen aber wenig aussagekräftig. Erst wenn mit Beginn der kommenden Woche wieder alle Akteure vor ihren Bildschirmen sitzen, sollte ein klarer Trend erkennbar werden.

Zwei Beobachtungen von der Wall Street, die aktuell genauer verfolgt werden sollten: Vom Rentenmarkt kommen zunehmend schlechtere Signale. Die Rendite 10jähriger US-Titel fiel zeitweise unter die wichtige Unterstützung um 2,40 / 2,45 Prozent und somit auf den tiefsten Stand seit Juni 2013. (Link) Sollte dieses Niveau durchbrochen werden und gleichzeitig die Inflationsrate im Mai steigen (April: 2 Prozent), schrumpft der Realzins weiter zusammen und könnte schon bald in den negativen Bereich kippen. Diese Entwicklung war in der Vergangenheit bereits mehrfach ein guter Frühindikator für eine Rezession bzw. Null-Wachstum der US-Wirtschaft. Entsprechend müssten die Gewinnerwartungen der Unternehmen angepasst werden, mit Folgen für die Aktienmärkte.

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Die neue Umfrage des AAII (Link) ergibt einen leichten Zustrom ins Bullenlager, während neutral positionierte US-Privatanleger immer noch den Löwenanteil ausmachen. Viel Kapital wartet somit nach wie vor an der Seitenlinie, obwohl die US-Indizes Rekorde feiern.

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Der DAX präsentiert sich auf allen Zeitebenen bullisch und notiert deutlich über dem Ausbruchsniveau um 9800. Hinweis: Der DAX Kursindex hat hingegen noch nicht die Hochs vom Januar überwunden, hier liegt eine Divergenz vor.

Seit zwei Tagen dümpelt der Markt in einer engen Range zwischen 9900 bis 9960. Erfolgt der Ausbruch auf der Oberseite, sollte endlich die 10.000er-Marke fallen. Wie bereits mehrfach erwähnt spielt die Schwelle aus technischer Sicht nur eine untergeordnete Rolle. Ein kurzer Impuls darüber hinaus ist möglich, eine Konsolidierung rückt aber allmählich näher. Aktuell notiert der Markt um 2,5 Prozent über dem 21-Tage-Durchschnitt. In den vergangenen neun Monaten drehte der DAX jeweils spätestens ab einer Differenz von 3,7 Prozent. (Link).

Setzen hingegen nach Aufschlägen von 500 Punkten seit dem letzten Tief vom 19. Mai Gewinnmitnahmen ein, liegt eine schwache Haltemarke um 9780. Einen solideren Eindruck hinterlässt der Bereich um 9735.

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Wochenanalyse:

Neuer Schwung bis an die obere Aufwärtstrendlinie?

Nicht nur auf Tagesbasis, sondern auch im Wochenkursverlauf ist die inzwischen seit rund sechs Monaten anhaltende Seitwärtsbewegung zu erkennen. Trotz dieser recht langen Konsolidierung bleibt der seit 2011 bestehende Hausseimpuls noch intakt. Im Chart wird dies durch einen Aufwärtskanal deutlich, dessen nördliche Begrenzungslinie zuletzt Anfang Januar angelaufen und bestätigt wurde. Mit der Seitwärtsbewegung ist der DAX zuletzt an die südliche Zone gelaufen und hat diese mehrfach bestätigt. Solange der Markt in dem Kanal gefangen bleibt, führen auch weiterhin die Bullen die Regie.

Sollte es zu einem Trendbruch kommen, stellt die 200-Tage-Linie zusammen mit der horizontalen Unterstützung um 8950 / 9150 eine letzte wichtige Bastion dar. Erst wenn diese Zone nachhaltig unterschritten wird, trüben sich die Aussichten wesentlich ein. Die Kursbewegungen des DAX in den vergangenen sechs Monaten oberhalb von 9000 wären dann als eine Top-Formation einzustufen, deren Höhe auf ein Korrekturpotential bis rund 8150 deuten würde. Exakt auf diesem Niveau liegen auch die Umkehrbewegungen aus 2000 und 2007 (s. auch Monatsanalyse).

Noch ist aber das entscheidende Verkaufssignal nicht gegeben. Bis dahin bleibt eine Fortsetzung des Hausseimpulses wahrscheinlicher. Für ein klares mittelfristiges Kaufsignal sollte der DAX aber mindestens per Wochenschluss  über das Rekordhoch von 9800 ansteigen. Im positiven Fall lässt die dunkelgrüne Trendlinie Platz bis rund 10.500.

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Monatsanalyse:

Zwei Szenarien für die Zukunft

Im abgebildeten Monatschart seit 1960 wird vor allem die Bedeutung des Kursbereichs um 8000 / 9000 deutlich. Nach dem Ausbruch aus einer rund 20 Jahre andauernden Seitwärtsbewegung im Jahr 1983 zeigte der DAX bis zur Jahrtausendwende eine ausgeprägte Rally-Bewegung. Mit dem Platzen der Spekulationsblase wurde diese Aufwärtsbewegung in den vergangenen 13 Jahren konsolidiert. In dieser Zeit bildete der Deutsche Aktienindex deutlich steigende Bewegungstiefpunkte aus, was auf einen allmählich steigenden Kaufdruck deutet. Der Sprung über die Hochpunkte aus dem Jahr 2000 und 2007 bei 8200 war somit nur eine Frage der Zeit. Der DAX löste ein sehr bullish aufsteigendes Dreieck nach oben hin auf, aus dem theoretisch Notierungen deutlich jenseits der 10.000er-Marke abgeleitet werden können.

Nach dem nun erfolgten Ausbruch sind zwei grundsätzliche Szenarien denkbar. Aufgrund der Bedeutung der Zone um 8200 wäre eine Rückkehrbewegung und somit ein Retest des Ausbruchsniveau nicht überraschend. Ein möglicher Wendepunkt könnte an der psychologisch wichtigen Schwelle von 10.000 liegen. Ausgehend von einem kurzen Test der fünfstelligen Kursmarke wäre mit einer Korrektur bis in den Bereich von 8200 / 8500 zu rechnen, von dem aus dann eine nachhaltige Aufwärtsbewegung erfolgen würde. Zugleich eröffnet sich Anlegern, die den Einstieg bisher verpassten, auf langfristige Sicht noch einmal eine gute Einstiegsgelegenheit.

In einem zweiten Szenario bleibt ein Test der Zone um 8200 von oben aus. Stattdessen läuft der Markt nach einer recht wahrscheinlichen Konsolidierung bei rund 10.000 weiter aufwärts. Neue Widerstände müssten sich erst noch herausbilden. Unwahrscheinlicher erscheint hingegen ein Rücksetzer unter das Ausbruchsniveau von 8200.

Auf Basis der Indikatoren wäre noch ein wenig Luft nach oben vorhanden. Beachten Sie vor allem den trendfolgenden MACD, der in den vergangenen 13 Jahren eigentlich recht zuverlässig die Wendepunkte beim DAX antizipierte. Allmählich erreicht der Signalgeber die Niveaus aus dem Jahr 2000 und 2007 (rote Linie).

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Posted in: Deutschland

About the Author:

Franz-Georg Wenner ist regelmäßiger Gast beim Deutschen Anlegerfernsehen und gern gesehener Vortragsredner. Er hält regelmäßig Webinare und referierte unter anderem beim Verein Technischer Analysten Deutschlands (VTAD). Bei BÖRSE ONLINE war er sechs Jahre Online-Koordinator und Redakteur mit den Schwerpunkten Nebenwerte Deutschland, Zertifikate und Technische Analyse. Zusätzlich betreute er für die Commerzbank den Zertifikate-Newsletter ideas daily. Bereits seine Diplomarbeit im Fachbereich BWL der Uni Düsseldorf beschäftigte sich mit der Intermarket-Analyse.

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