By 23. September 2013 Read More →

DAX-Chartanalyse: Anleger haben die Wahl

In den vergangenen gut zwei Wochen kletterte der DAX von rund acht Prozent. Für die bevorstehenden fünf Handelstage sieht es nicht so gut aus. Mehre Faktoren sprechen gegen eine Fortsetzung der Rekordjagd. Die DAX-Chartanalyse für den 23. September 2013.

 

Die Bundestagswahl und Landtagswahl in Hessen sind Geschichte, jetzt bleibt nur noch die Frage, welchen neuen Koalitionspartner CDU/CSU finden werden. Etwas unklarer ist derzeit noch die Lage beim DAX. Nach der Rekordjagd stehen die Zeichen auf Konsolidierung, zumal sich aus vergangenen Wahlperioden eine recht ungünstige Kursentwicklung in der Woche nach einer Bundestagswahl diagnostizieren lässt. Offen ist derzeit, ob der kurzfristig überhitzte Zustand durch eine Seitwärtsbewegung abgebaut wird oder über stärkere Gewinnmitnahmen. Sollte das zweite Szenario eintreffen, dürften sich zahlreiche Schnäppchenjäger freuen, die bei der jüngsten Rally nicht dabei waren und nun auf eine zweite Chance hoffen. Jeder noch so kleine Kursrücksetzer könnte gekauft werden, eine Entwicklung, die wir in diesem Jahr bereits öfters gesehen haben und grundsätzlich gegen einen größeren Rücksetzer spricht. Vor diesem Hintergrund erscheint eine Korrektur bis unter die 8000er-Marke eher unwahrscheinlich, denn gerade an der runden Schwelle dürften viele Investoren den Markt stützen. Nicht beantwortet werden kann aktuell auch die Frage, wie lange die wohl bevorstehende Konsolidierung andauern wird. Hier können wir nur auf Erfahrungswerte zurückgreifen. Eine Seitwärtsbewegung im Anschluss an eine Rally verläuft meistens über mehrere Wochen (Januar, Februar), während Kurskorrekturen innerhalb einer übergeordneten Trendbewegung schneller abgearbeitet werden (Juni).

Am vergangenen Freitag verabschiedete sich der DAX mit einem Abschlag von 0,2 Prozent auf 8676 ins Wochenende. Zur heutigen Eröffnung dürfte sich daran wenig ändern, Broker taxieren den Index bei 8690. Kurzfristig ändert sich somit nichts an der charttechnischen Ausgangslage. Sollten die Bullen trotz der überhitzten Markttechnik am Ball bleiben, stellt die Region um das Rekordhoch bei 8750 / 8770 einen ersten schwachen Widerstand dar. Knapp darüber bei 8800 verläuft eine innere Aufwärtstrendlinie, an der es bereits in der Vorwoche zu Verkäufen kam. Kursgewinne darüber hinaus halte ich für heute eher für unwahrscheinlich.

Auf der Unterseite findet sich eine erste, schwache Unterstützung um 8665, fällt der DAX weiter zurück dürfte die Erschöpfungslücke bis 8645 zügig geschlossen werden. Hier bietet sich dem Markt, ähnlich wie um 8576 / 8580 eine weitere Chance zur Stabilisierung. Fallen die Kurse bis in die zweite Aufwärtslücke (Fortsetzungslücke), liegen schwache Unterstützungen bei 8557 (altes Rekordhoch) und 8540 (Aufwärtstrendlinie). Als wesentlich robuster gilt aber erst der Bereich 8440 / 8460 (50 Prozent Fibonacci-Retracement).

 
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Kennzahlen:

 

DAX-Pivot-Punkte für den 23. September:

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Für einige Anleger sind Pivot Punkte vielleicht noch Neuland. Kurz zur Erklärung: Die Pivot Punkte dienen der Kurszielbestimmung und haben ihren Ursprung in den Futures-, Termin- und Forexmärkten. Grundannahme ist, dass die Kursbewegungen des vorherigen Handelstages Einfluss auf den neuen Börsentag haben. Berechnungsgrundlage sind daher Tageshoch, Tagestief und Schlusskurs vom Vortag. Als Ergebnis erhält man drei Widerstandsmarken (Resist R 1-3) sowie drei Unterstützungsniveaus (Support S 1-3).

 

wichtige Chartmarken:

DAXMarken

 

 

Innere Aufwärtstrendlinie bremst den DAX

Durchweg positiv präsentiert sich derzeit der Tageschart. Alle kurz- bis mittelfristigen gleitenden Durchschnitte, Trendlinien und der übergeordnete Wochenchart sowie die Indikatoren  weisen derzeit Richtung Norden und stützen den jüngsten Ausbruch auf das Rekordniveau. Auch das erhöhte Handelsvolumen der vergangenen Tage spricht für eine nachhaltige Bewegung.

Grundsätzlich eröffnet sich dem DAX auf Basis der Rechteck-Methode aber weiteres Potenzial bis 9080 Zähler. Dieses Niveau dürfte der DAX aber nicht ohne eine vorherige Konsolidierung erreichen. Zuletzt scheiterte das Aktienbarometer an einer eher schwachen, inneren Aufwärtstrendlinie, die vor allem in der ersten Jahreshälfte im Vordergrund stand und aktuell bei rund 8800 verläuft.

Zur Beurteilung der weiteren Aussichten stellen Indikatoren eine wertvolle Hilfe dar. Allerdings lassen sich mit den Signalen keine exakten Wendepunkte bestimmen, sie dienen lediglich als Warnung vor überhitzten Marktphasen. Aktuell hat der DAX eher wenig Luft nach oben. Der DSS Bressert notiert bereits seit mehreren Tagen in der nördlichen Zone, ein Verkaufssignal liegt aber noch nicht vor. Der Abstand des DAX zur 21-Tage-Linie (untere rote Linie) befindet sich derzeit auf einem erhöhten Niveau, ab dem es in der Vergangenheit mehrfach zu einer Konsolidierung im DAX kam. Fraglich ist derzeit noch, ob die Kurse den überhitzten Zustand über eine Seitwärtsbewegung oder eine Kurskorrektur abbauen werden.

Sollten die Kurse zur Schwäche neigen, ist der Index auf der Unterseite gut abgesichert. Neben dem alten Rekordniveau um 8550 vermittelt vor allem der Bereich zwischen der steigenden 200-Tage-Linie bei derzeit 7980 bis zur erwähnten Aufwärtstrendlinie bei aktuell 8100 einen sehr zuverlässigen Eindruck und begrenzt das Risiko für mittelfristig ausgerichtete Long-Engagements. Erst wenn der deutsche Aktienindex tiefer zurückfallen sollte, kippt der Trend. Anzeichen dafür sind aktuell aber nicht vorhanden.

 

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Neues Bewegungshoch in Sicht

Auch der dritte Anlauf in diesem Jahr an die seit Herbst 2011 bestehende Aufwärtstrendlinie verlief für die Verkäufer ohne Erfolg. Ein Durchbruch auf der Unterseite wäre sehr negativ gewesen und hätte weiteren Korrekturpotenzial bis mindestens an die wichtige horizontale Unterstützung bei 7400 (April-Tief) geführt.

Stattdessen ist der Blick nun klar noch oben gerichtet, wobei der DAX nun zwingend und auch nachhaltig ein neues Bewegungshoch erreichen sollte, um die Aufwärtsbewegung zu bestätigen. Unmittelbare Widerstände lassen sich im Wochenchart nicht mehr ausmachen. Die Mittellinie (entspricht der oberen Aufwärtstrendlinie im Tageschart) des seit Herbst 2011 bestehenden Trendkanals kann als Orientierungsziel verwendet werden und verläuft nach dem letzten Test im Mai aktuell bei rund 9150 Punkten.

 

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Richtungsweisende Entwicklung

Seit rund 13 Jahren scheitert der DAX an der 8000er-Marke. Während der derzeit noch laufenden dritten Aufwärtswelle markierte der Deutsche Leitindex zwar neue Bewegungshochs mit Kursen von bis zu 8557 Punkten. Im sehr langfristigen Kursverlauf kann aber noch nicht von einem nachhaltigen Ausbruch auf der Oberseite gesprochen werden, da der Index inzwischen nur noch knapp über der runden Schwelle notiert.

Aus rein charttechnischer Sicht ist dies nicht überraschend, denn an der 8000er-Marke steht viel auf dem Spiel. Ähnlich wie im amerikanischen Leitindex S&P 500 ist bei anhaltender Kaufbereitschaft mit einer längerfristigen und sehr nachhaltigen Aufwärtsbewegung zu rechnen, die den DAX deutlich in dreistellige Kursregionen oberhalb von 10.000 Punkten führen sollte. Eine solche Entwicklung werden die Bären aber nicht ohne Gegenwehr geschehen lassen.

Dennoch  ist die Wahrscheinlichkeit für einen Ausbruch auf der Oberseite als leicht erhöht einzuschätzen. Zwar kann es durchaus noch einmal zu einen erneuten Test der unteren Aufwärtstrendlinie bei derzeit rund 5360 Punkten kommen. Die steigenden Bewegungshochpunkte seit 2003 stimmen aber positiv. Kursrückschläge wurden immer früher zum Einstieg genutzt und verstärken den Druck auf der Oberseite eines möglichen aufsteigenden Dreiecks.

Die Indikatoren weisen in der sehr langfristigen Betrachtung bereits teilweise einen überhitzten Zustand auf. Allerdings können die Signalgeber durchaus über mehrere Monate, sogar Jahre, im oberen Extrembereich laufen, ehe ein Verkaufssignal aktiv wird. Beste Beispiele liefern die Jahre 2004/2005 und 2010 (DSS Bressert). Etwas entspannter ist derzeit noch die Lage im trendfolgenden MACD. Aktuell liegt die MACD-Linie noch deutlich unter den oberen Wendepunkten der vergangenen Jahre (grüner Kasten).

 

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Posted in: Deutschland

About the Author:

Franz-Georg Wenner ist regelmäßiger Gast beim Deutschen Anlegerfernsehen und gern gesehener Vortragsredner. Er hält regelmäßig Webinare und referierte unter anderem beim Verein Technischer Analysten Deutschlands (VTAD). Bei BÖRSE ONLINE war er sechs Jahre Online-Koordinator und Redakteur mit den Schwerpunkten Nebenwerte Deutschland, Zertifikate und Technische Analyse. Zusätzlich betreute er für die Commerzbank den Zertifikate-Newsletter ideas daily. Bereits seine Diplomarbeit im Fachbereich BWL der Uni Düsseldorf beschäftigte sich mit der Intermarket-Analyse.

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