DAX-Chartanalyse: Letztes Bewegungshoch ist die Messlatte

Sammelten die Aktienmarktbullen gestern nur Kraft für den Spurt an das Jahreshoch oder bestätigte der DAX die laufende Konsolidierung? Eine Vorentscheidung könnte heute die Zinssitzung der EZB liefern.

 

So ganz allmählich dämmert wohl zunehmend mehr Akteuren, dass der Markt ziemlich heiß gelaufen ist und auch die Konjunkturdaten nicht wirklich überzeugen. Während in den USA die beiden viel beachteten ISM-Indizes den Rückwärtsgang einlegten und auch die Arbeitsmarktdaten des Dienstleisters ADP wenig Hoffnung auf positive Überraschungen für den morgigen offiziellen Arbeitsmarktbericht signalisieren, haben zuletzt auch die Sorgen in Europa zugenommen. Das Rettungsdrama um Zypern zeigt deutlich, dass die Schuldenkrise noch lange nicht vorbei ist und in Italien ist eine stabile politische Regierung noch lange nicht in Sicht.

Vor diesem Hintergrund rücken die heutigen Ratssitzungen der Bank of Japan (BoJ), Bank of England und EZB verstärkt in den Fokus. Mit der ersten geldpolitischen Entscheidung unter der Fürhung des neuen japanischen Notenbankchefs, Haruhiko Kuroda, läuten die Japaner am Morgen eine neue Expansionsphase ein und übertrafen die Markterwartungen. Innerhalb von zwei Jahren soll die monetäre Basis und das Volumen der gehandelten Staatsanleihen verdoppelt werden. Ähnliche QE-Maßnahmen oder Zinssenkungen seitens der EZB sind sehr unwahrscheinlich. Da die Zinssenkungen nur in den Kernländern wirken, erscheinen alternative Ansätze mehr Erfolg zu versprechen. Spekuliert wird derzeit über vereinfachte Kriterien für Kredite an kleine und mittelständische Unternehmen. In den USA könnten einige Reden von Fed-Mitgliedern, u.a. Ben Bernanke, für Aufsehen sorgen.

 


Zur Verfügung gestellt von: Forexpros dem Aktien Portal

 

Mit Gipfelbesteigungen ist es so eine Sache. Nicht wenige Bergsteiger müssen ihre ambitionierten Pläne wegen Höhenkrankheit aufgeben. Ein ähnliches Schicksal zeichnet sich auch beim DAX ab. Die Marke von 8000 Zählern flößt offenbar weiterhin großen Respekt bei den Investoren ein. Am Dienstag schoss der Index noch um knapp zwei Prozent in die Höhe, gestern revidierte der DAX seine Marschrichtung und gab rund die Hälfte der jüngsten Gewinne wieder ab.

Unter dem Strich bildete sich somit gegenüber dem Bewegungshoch von Ende März gestern bei 7950 Punkten ein tieferes Hoch aus, während gleichzeitig die Serie fallender Tiefpunkte weiterhin Gültigkeit hat. Die Entwicklung lässt erneut Zweifel aufkommen, ob sich der Markt im kurzfristigen Bereich noch in einer Aufwärtsbewegung befindet. Zwingend notwendig wäre daher ein zügiger Anstieg über das letzte Bewegungshoch. Für ein zaghaftes Kaufsignal sollte der DAX mindestens über 7950 Punkte steigen. Darüber eröffnet sich dann weiteres Potenzial bis 8030 sowie später bis zum Jahreshoch bei 8075 Punkten.

Setzt sich hingegen die negative Entwicklung fort, droht bereits heute erneut ein ernsthafter Test der am Freitag noch mit viel Mühe verteidigten mittelfristigen Aufwärtstrendlinie. Die Gerade steigt mit rund 10 Punkten pro Tag und schneidet noch vor dem Wochenende die nächste schwache Unterstützung bei 7860 Punkten. Bleibt die Nachfrage schwach und kommt es zum Trendbruch, trübt sich das Chartbild ein. Weitere Verluste bis an die 55-Tage-Linie und damit auch das jüngste Tief bei 7750 bis 7790 Punkten wären zu erwarten.

 

 
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Kennzahlen:

DAX-Pivot-Punkte für den 4. April:

 

Für einige Anleger sind Pivot Punkte vielleicht noch Neuland. Kurz zur Erklärung: Die Pivot Punkte dienen der Kurszielbestimmung und haben ihren Ursprung in den Futures-, Termin- und Forexmärkten. Grundannahme ist, dass die Kursbewegungen des vorherigen Handelstages Einfluss auf den neuen Börsentag haben. Berechnungsgrundlage sind daher Tageshoch, Tagestief und Schlusskurs vom Vortag. Als Ergebnis erhält man drei Widerstandsmarken (Resist R 1-3) sowie drei Unterstützungsniveaus (Support S 1-3).

 

wichtige Chartmarken:

 

 

 



 

 

 

Keilformation deutet auf Konsolidierung

Das Kursverhalten nach Ostern könnte durchaus richtungsweisend für die kommenden Wochen werden. Nachdem der DAX Mitte März einen Fehlausbruch über die obere Aufwärtstrendlinie zeigte, steht nun die untere Begrenzung einer möglichen Keilformation auf dem Prüfstand. Verstärkt wird der Bereich aktuell von der steigenden 55-Tage-Linie.

Bleibt ein spürbare technische Gegenbewegung in den kommenen Tagen aus, dürfte der Markt mittelfristig nur seitwärts laufen. Richtung Süden gilt es die wichtige Leitplanke an der im Februar bereits mehrfach bewährten Unterstützung um 7560 Punkten im Blick zu behalten. Sollte der DAX ein neues Jahrestief ausbilden, findet sich um 7435 bis 7480 Zählern eine weitere veritable Unterstützungszone. Allerdings hat der Bereich seine Qualität als Nachfragegebiet bisher noch nicht unter Beweis gestellt.

Gegen die Ausbildung eines neuen Jahreshochs bzw. Rekordhochs spricht auch die jüngste Entwicklung beim MACD. Während der DAX in diesem Jahr bereits eine Serie steigender Bewegungshochs markierte, bestätigte der trendfolgende Indikator zuletzt nicht mehr die Gipfeljagd des Aktienindex und bildete negative Divergenzen aus. Zudem verläuft seit Ende der vergangenen Woche die MACD-Linie unter der Signallinie – ein deutlicher Hinweis auf eine nachlassende Trenddynamik.

Richtung Norden stehen dem DAX bis zur Rückeroberung des Jahreshochs einige Hürden im Weg. Erwähnenswert ist vor allem die Zone knapp unter 7900 Punkten. Sollte der Markt diese Hürde zurückerobern, ist ab 8020 Zählern erneut mit einer stärkeren Verkaufsbereitschaft zu rechnen.

 

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DAX bleibt im ersten Halbjahr in der Range gefangen

Im übergeordneten Wochenchart lieferte der DAX Ende 2012 mit der Rückeroberung des horizontalen Widerstandes bei 7500 Punkten das letzte Kaufsignal. Charttechnische Hürden lassen sich nun bis zum Rekordhoch bei 8151 Punkten nicht mehr ausmachen. Die zentrale Frage lautet natürlich: Kommt es bereits im ersten Anlauf zum Ausbruch und damit dem besten Einstiegssignal, das die Charttechnik zu bieten hat oder prallen die Kurse nach unten ab? Eine mögliche Antwort liefert vielleicht das Kursverhalten im Frühjahr / Sommer 2007. Bereist damals war der DAX über Monate in der Spanne zwischen 7500 / 8200 Zähler gefangen. Für den mittelfristigen Zeithorizont kann daher das Kursmuster als Blaupause genutzt werden und deutet für die kommenden Monate auf ein Patt zwischen Bulle und Bär. Erst wenn der DAX per Wochenschlusskurs die Ober- oder Untergrenze deutlich hinter sich lässt, entsteht wieder ein klareres Bild über die weitere Entwicklung.

Etwas Rückenwind kommt von Seiten der Indikatoren. Nach der Winter-Rally wurde der deutlich überhitzte Marktzustand über die Zeitebene abgebaut. Der DSS Bresser verläuft ausgehend vom überverkauften Niveau wieder ansteigend.

 

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DAX über 10.000 möglich, wenn…

So ganz allmählich robbt sich der DAX an die historischen Höchststände heran. Damit verbunden ist auch die Chance auf Auflösung eines sehr großen aufsteigenden Dreiecks. Fünfstellige DAX-Kurse sind somit auch charttechnischer Sicht durchaus in Reichweite. Zwingende Voraussetzung dafür ist aber, dass der DAX auch neue Rekordstände markiert.

Ob dies bereits während der laufenden Aufwärtsbewegung erfolgt oder erst nach einem Rücksetzer (bis maximal an die noch nicht bestätigte untere Trendlinie bei knapp 5000 Punkten), lässt sich aktuell nicht vorhersagen. Immerhin spielt die zeitliche Komponente den Bullen in die Karten. Seit dem Jahr 2000 verkürzen sich die Hausse- und Baissephasen. So dauerte die erste Abschwungphase beginnend Anfang 2000 rund drei Jahre. Der scharfe Rücksetzer ab Anfang 2008 stoppte rund 15 Monate später, in 2011 kapitulierten die Bären nach 5 Monaten. Ähnlich verhält es sich auch mit den Aufwärtsbewegungen.

Auch von Seiten der Indikatoren ist das Potenzial noch nicht ausgeschöpft. Der trendfolgende MACD notiert aktuell noch deutlich unter den Extremwerten in 1998, 2000 und 2007, ab denen jeweils die Baissephasen einsetzten.

 

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About the Author:

Franz-Georg Wenner ist regelmäßiger Gast beim Deutschen Anlegerfernsehen und gern gesehener Vortragsredner. Er hält regelmäßig Webinare und referierte unter anderem beim Verein Technischer Analysten Deutschlands (VTAD). Bei BÖRSE ONLINE war er sechs Jahre Online-Koordinator und Redakteur mit den Schwerpunkten Nebenwerte Deutschland, Zertifikate und Technische Analyse. Zusätzlich betreute er für die Commerzbank den Zertifikate-Newsletter ideas daily. Bereits seine Diplomarbeit im Fachbereich BWL der Uni Düsseldorf beschäftigte sich mit der Intermarket-Analyse.

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