DAX-Chartanalyse: Wichtige Signale der Volatilität

Kurz vor den richtungsweisenden Terminen in dieser Woche herrscht Sommerflaute an den Märkten. Der DAX traut sich nicht über die 10.000, zudem deutet die Markttechnik eher auf eine Konsolidierung. Eine neue Analyse der Vola liefert überraschende Erkenntnisse.

Stunden- und Tagesanalyse:

Der DAX verhält sich derzeit wie das viel zitierte Kaninchen vor der Schlange. Auch wenn die 10.000er-Marke aus rein technischer Sicht keinen bedeutenden Widerstand darstellt und hier auch keine Kursziele liegen, bleibt der Sprung über die Schwelle den Käufern bisher verwehrt. Aber nicht nur die Psychologie scheint den Aufwärtsimpuls derzeit zu bremsen, auch die Markttechnik deutet eher in Richtung Konsolidierung. Auf Wochenbasis lieferte der MACD ein Einstiegssignal, hingegen notiert der trendfolgende Indikator auf Tagesbasis bereits im überhitzten Bereich. Zugleich ist der doppelt geglättete Stochastik wie zuletzt Mitte Januar, Ende Februar und Anfang April erneut an seine obere Extremzone gelaufen. Bisher warnte der Taktgeber recht zuverlässig vor einer Ruhepause. Auch das Volumen bleibt weiterhin mau, am Dienstag erreichten die Umsätze lediglich 2,3 Mrd. Euro auf Xetra. Natürlich halten sich viele Investoren vor der EZB-Entscheidung am Donnerstag und dem US-Arbeitsmarktbericht zurück. Dennoch wäre etwas mehr Begeisterung auf dem aktuellen Niveau wünschenswert.

Von den Bären wird derzeit verstärkt die tiefe Volatilität angeführt. Das Argument ist sicherlich nicht von der Hand zu weisen, wie der erste Chart deutlich zeigt. Ausgehend vom aktuellen Niveau (hier ist der VDAX dargestellt und nicht der VDAX-New) kam es in den vergangenen Monaten immer zu einer steigenden Vola bei gleichzeitig fallenden Märkten.

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Ähnlich ist die Lage derzeit in den USA, auch der VIX liegt am Boden. Mit einem Niveau von 11,6 Prozent notiert das Vola-Barometer nur knapp über dem Tief vom März 2013 bei 11,05 Prozent. Für noch geringere Werte muss man bis in das Jahr 2007 zurückschauen. Aber sind niedrige Vola-Werte wirklich ein zuverlässiger Vorbote für fallende Kurse an den Aktienmärkten? Statistisch lässt sich die Vorlauffunktion nicht belegen. Einer Analyse der Citigroup zufolge sind die Chancen für Kursgewinne sogar deutlich höher, wenn der VIX zwischen 10 und 15 Prozent pendelt als zwischen 20 bis 25 Prozent. Ausgehend von einem VIX-Niveau von 10 bis 15 Prozent erzielte der S&P 500 seit 1990 eine positive Drei-Monats-Performance in 75 Prozent der Fälle. Der durchschnittliche Anstieg auf Zwölf-Monats-Sicht liegt bei elf Prozent. Notierte der VIX hingegen bei 20 bis 25 Prozent, stieg der S&P in den folgenden drei Monaten nur in 58 Prozent der Fälle. Die Zwölf-Monats-Performance erreichte nur knapp zwei Prozent. Die Ergebnisse der Analyse finden Sie hier. Gefährlich wird es erst, wenn die Volatilität und die Aktienkurse steigen.

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Wichtige neue Erkenntnisse liegen aus technischer Sicht nach dem gestrigen Handelstag nicht vor. Im Tagestief wurde die Unterseite einer möglichen Konsolidierungsformation bis 9885 ausgedehnt. Im Stundenchart ist zudem ausgehend vom Rekordhoch eine Serie von fallenden Kerzen zu erkennen. Die Entwicklung ist aber noch harmlos, solange der Markt über 9885 handelt. Fällt der DAX hingegen weiter zurück, liegt eine erste Zielmarke bei 9850. Zuverlässiger bleibt unverändert der Bereich von 9735 bis 9780, hier verläuft auch die steigende 21-Tage-Linie. Zuletzt nutzten Schnäppchenjäger im Mai Rückläufe an den kurzfristigen Durchschnitt zum Einstieg. Kursverluste darüber hinaus sind heute unwahrscheinlich.

Schwache Wiederstände liegen um 9960 und 9992. Darüber müssen sich neue Barrieren erst noch  ausbilden. Orientierung bietet dann nur noch der Abstand des DAX zum Monatsdurchschnittskurs. Dieser liegt in bullischen Phasen bei 3,8 bis 5,7 Prozent und lässt dem Markt Luft bis maximal 10.310.

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Wochenanalyse:

Kaufsignal im MACD könnte DAX mittelfristig beflügeln

Auf Wochenbasis spielt sich Chart- und Markttechnik die Karten in die Hand: Seit der letzten richtigen Korrektur im Sommer 2011 läuft der Deutsche Aktienmarkt in einem stabilen Aufwärtskanal, dessen obere und untere Extrembereiche in den vergangenen Monaten und Jahren mehrfach bestätigt wurden. Während zum Jahreswechsel verstärkt die Oberseite im Fokus stand, führte die jüngste Konsolidierung zu widerholten Tests der unteren Aufwärtstrendlinie. Bisher nutzten die Käufer jeden Rücksetzer zum Einstieg, ein Kursverhalten, das wir auch im vergangenen Jahr mehrfach gesehen haben.

Die rund sechs Monate anhaltende Seitwärtsbewegung verlief somit noch innerhalb des intakten Aufwärtstrends. Mit den jüngst ausgebildeten frischen Rekordhochs scheint die Schiebezone in Trendrichtung nach oben hin aufgelöst zu werden. Dabei stellt die 10.000er-Schwelle nur eine unbedeutende Kursmarke dar. Mittelfristig lässt der Kanal durchaus Luft bis über 10.500.

Auf der Südseite ist der DAX gut abgesichert. Neben der erwähnten, zuletzt mehrfach bestätigten Aufwärtstrendlinie bei derzeit 9400 sorgen auch die 200-Tage-Linie bei knapp 9200 und die breite horizontale Unterstützungszone um 8950 / 9000 für Sicherheit.

Positiv zu interpretieren ist auch der MACD. Nach der Konsolidierung baute der trendfolgende Indikator seinen leicht überhitzten Zustand ab und steht unmittelbar vor einem Einstiegssignal.

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Monatsanalyse:

Zwei Szenarien für die Zukunft

Im abgebildeten Monatschart seit 1960 wird vor allem die Bedeutung des Kursbereichs um 8000 / 9000 deutlich. Nach dem Ausbruch aus einer rund 20 Jahre andauernden Seitwärtsbewegung im Jahr 1983 zeigte der DAX bis zur Jahrtausendwende eine ausgeprägte Rally-Bewegung. Mit dem Platzen der Spekulationsblase wurde diese Aufwärtsbewegung in den vergangenen 13 Jahren konsolidiert. In dieser Zeit bildete der Deutsche Aktienindex deutlich steigende Bewegungstiefpunkte aus, was auf einen allmählich steigenden Kaufdruck deutet. Der Sprung über die Hochpunkte aus dem Jahr 2000 und 2007 bei 8200 war somit nur eine Frage der Zeit. Der DAX löste ein sehr bullish aufsteigendes Dreieck nach oben hin auf, aus dem theoretisch Notierungen deutlich jenseits der 10.000er-Marke abgeleitet werden können.

Nach dem nun erfolgten Ausbruch sind zwei grundsätzliche Szenarien denkbar. Aufgrund der Bedeutung der Zone um 8200 wäre eine Rückkehrbewegung und somit ein Retest des Ausbruchsniveau nicht überraschend. Ein möglicher Wendepunkt könnte an der psychologisch wichtigen Schwelle von 10.000 liegen. Ausgehend von einem kurzen Test der fünfstelligen Kursmarke wäre mit einer Korrektur bis in den Bereich von 8200 / 8500 zu rechnen, von dem aus dann eine nachhaltige Aufwärtsbewegung erfolgen würde. Zugleich eröffnet sich Anlegern, die den Einstieg bisher verpassten, auf langfristige Sicht noch einmal eine gute Einstiegsgelegenheit.

In einem zweiten Szenario bleibt ein Test der Zone um 8200 von oben aus. Stattdessen läuft der Markt nach einer recht wahrscheinlichen Konsolidierung bei rund 10.000 weiter aufwärts. Neue Widerstände müssten sich erst noch herausbilden. Unwahrscheinlicher erscheint hingegen ein Rücksetzer unter das Ausbruchsniveau von 8200.

Auf Basis der Indikatoren wäre noch ein wenig Luft nach oben vorhanden. Beachten Sie vor allem den trendfolgenden MACD, der in den vergangenen 13 Jahren eigentlich recht zuverlässig die Wendepunkte beim DAX antizipierte. Allmählich erreicht der Signalgeber die Niveaus aus dem Jahr 2000 und 2007 (rote Linie).

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Posted in: Deutschland

About the Author:

Franz-Georg Wenner ist regelmäßiger Gast beim Deutschen Anlegerfernsehen und gern gesehener Vortragsredner. Er hält regelmäßig Webinare und referierte unter anderem beim Verein Technischer Analysten Deutschlands (VTAD). Bei BÖRSE ONLINE war er sechs Jahre Online-Koordinator und Redakteur mit den Schwerpunkten Nebenwerte Deutschland, Zertifikate und Technische Analyse. Zusätzlich betreute er für die Commerzbank den Zertifikate-Newsletter ideas daily. Bereits seine Diplomarbeit im Fachbereich BWL der Uni Düsseldorf beschäftigte sich mit der Intermarket-Analyse.

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