By 27. August 2014 Read More →

Commerzbank spielt für den DAX keine Rolle

Die Stimmung an den Aktienmärkten ist wieder prächtig, zumindest auf der anderen Seite des Atlantiks. Der Dow Jones kletterte auf den höchsten Stand seiner 118 jährigen Geschichte, der marktbreite S&P 500 behauptete sich erstmals per Tagesschluss über der 2000er-Schwelle. Doch gerade jetzt droht wieder erhöhte Gefahr.

Gute Daten aus der Wirtschaft werden an den Aktienmärkte positiv aufgenommen. Enttäuschen hingegen die Zahlen, steigen die Hoffnungen auf eine noch länger als bisher eingepreiste, sehr lockere Geldpolitik der Notenbanken. Eine wunderbare Welt, in der sich die Käufer derzeit bewegen. Zudem fallen die Renditen an den Anleihemärkten, hier kann kaum noch Geld verdient werden. Zehnjährige portugiesische, italienische und spanische Bonds rauschten am Montag auf ein neues Rekordtief.

Dennoch: Einige Marktgesetzt werden sich auch in dieser Bullenphase wieder durchsetzen. Sowohl der Dow Jones als auch der S&P 500 legten in den vergangenen beiden Tagen in den ersten Handelsstunden deutlich zu, spätestens ab der zweiten Hälfte setzten aber jeweils deutliche Gewinnmitnahmen ein. Hier scheint es gerade zu größeren Umschichtungen zu kommen. Vielfach kaufen gerade Privatanaleger kurz nach Handelsbeginn, während die Profis ab dem Nachmittag aktiv werden. Eine Entwicklung, die nun genauer verfolgt werden sollte. Zudem ist der US-Aktienmarkt kurzfristig heiß gelaufen. Im ersten Chart ist die Anzahl der Aktien im S&P 500 abgetragen, die über ihrer 20-Tage-Linie notieren. Derzeit liegt die Quote bei 83 Prozent – ein gefährlich hohes Niveau. Sehr häufig signalisierten Werte von mehr als 80 Prozent in der Vergangenheit, dass kurzfristig eine Konsolidierung ansteht. Diese muss nicht zwingend mit Kursverlusten einhergehen, auch eine Seitwärtsbewegung ist durchaus vorstellbar. Die Luft wird aber ziemlich dünn.

Quelle: indexindicators.com

DAX: Stunden- und Tagesanalyse

Der DAX setzte auch am Dienstag seine positive Entwicklung der vergangenen Tage fort und kletterte um 0,82 Prozent oder 78 Punkte. Aktien der Commerzbank sicherten sich mit einem Zuwachs von 2,14 Prozent den Tagessieg. Aufgrund der inzwischen geringen Marktkapitalisierung von 13 Mrd. Euro spielt die Entwicklung der Frankfurter für die Berechnung der Indexveränderung aber nur eine geringe Rolle. Die Aktie steuerte nur 2,7 Punkte bei, verglichen mit 14,3 Punkten, die aus dem Tagesgewinn von 1,43 Prozent bei Bayer (Marktkapitalisierung 85 Mrd. Euro) resultieren. Deutschen Bank ist derzeit 36 Mrd. Euro schwer, die Papiere kletterten am Dienstag um zwei Prozent und lieferten 8,7 Punkte für den DAX.

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Der deutsche Aktienmarkt eroberte mit den gestrigen Gewinnen auch den 200-Tage-Durchschnitt wieder zurück, ein im mittel- bis langfristigen Zeithorizont sehr hoffnungsvolles Signal. Gerade viele institutionelle Investoren beachten verstärkt den Gleitenden Durchschnitt, neues Kapital strömt in den Markt und treibt die Kurse weiter aufwärts. Allerdings sollte die Signallinie niemals punktgenau beachtet werden. Es handelt sich eher um eine Zone, um die der Kurs auch über mehrere Tage bis hin zu Wochen schwanken kann.

Wieder einmal zeigte sich in den vergangenen Tagen, dass offenbar nach wie vor viele Investoren an der Seitenlinie stehen und auf einen günstigeren Einstieg warten. Bleibt dieser Wunsch unerfüllt und ziehen die Kurse wieder an, wird diese Gruppe in den Markt gezwungen und verstärkt somit die Aufwärtsspirale. Die Hausse nährt die Hausse. Hier dominiert ganz klar die Sorge, nicht schon wieder den nächsten Aufschwung an die 10.000er-Marke zu verpassen.

Mit knapp 9600 steht der DAX zu Handelsbeginn an einer sehr wichtigen charttechnischen Marke. Neben einem horizontalen Widerstand und der Oberseite eines kurzfristigen Aufwärtstrends verläuft hier auch das 61,8 Prozent-Niveau der Korrekturwelle. Erholungen bis an diese Schwelle gelten definitionsgemäß noch als Bärenmarktrally. Steigt der Markt hingegen weiter an, wendet sich das Blatt zu Gunsten der Käufer. Kurzfristig ist der DAX – ähnlich wie der S&P 500 – überhitzt. Seit dem 8. August kletterte das Barometer um stramme 700 Punkte und entfernte sich gefährlich weit von seiner 21-Tage-Linie. Entscheidend wird nun sein, wie stark die Gewinnmitnahmen ausfallen. Wirklich zuverlässige Haltemarken sind in der unmittelbaren Umgebung kaum vorhanden. Bei rund 9500 verläuft die 200-Tage-Linie, darunter ist mit einer Korrektur bis 9420 zu rechnen.

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Wochenanalyse:

Wiederholt sich die Geschichte?

Auch im langfristigen Wochenchart sind nun deutliche Bremsspuren zu erkennen. Ähnlich wie auf Tagesbasis gab auch hier der Aufwärtskanal die grundsätzliche Richtung vor. Erstmals seit Sommer 2012 rutsche der DAX wieder deutlich unter die 200-Tage-Linie. Allerdings eroberte der Markt vor zwei Jahren den langfristigen Gleitenden Durchschnitt rechnet schnell wieder zurück, ein ähnliches Szenario ist auch jetzt vorstellbar. Aktuell stabilisiert sich der DAX an der mittelfristig wichtigen Unterstützungsregion um 8900 / 9000. Die Börsenampel bleibt somit auf Orange.

Bereits seit mehreren Wochen warne ich an dieser Stelle vor der negativen Divergenz im MACD. Während der DAX in den vergangenen Monaten höhere Hochs ausbildete, wurden diese nicht mehr durch den trendfolgenden Indikator bestätigt (rote Linie beim MACD). Die kurzfristig überverkaufte Lage im DSS Bressert ist ein erster Hoffnungsschimmer, allerdings kann der Signalgeber durchaus über mehrere Wochen im unteren Extrembereich verlaufen (s. Sommer 2012).

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Monatsanalyse:

Zwei Szenarien für die Zukunft

Im abgebildeten Monatschart seit 1960 wird vor allem die Bedeutung des Kursbereichs um 8000 / 9000 deutlich. Nach dem Ausbruch aus einer rund 20 Jahre andauernden Seitwärtsbewegung im Jahr 1983 zeigte der DAX bis zur Jahrtausendwende eine ausgeprägte Rally-Bewegung. Mit dem Platzen der Spekulationsblase wurde diese Aufwärtsbewegung in den vergangenen 13 Jahren konsolidiert. In dieser Zeit bildete der Deutsche Aktienindex deutlich steigende Bewegungstiefpunkte aus, was auf einen allmählich steigenden Kaufdruck deutet. Der Sprung über die Hochpunkte aus dem Jahr 2000 und 2007 bei 8200 war somit nur eine Frage der Zeit. Der DAX löste ein sehr bullish aufsteigendes Dreieck nach oben hin auf, aus dem theoretisch Notierungen deutlich jenseits der 10.000er-Marke abgeleitet werden können.

Nach dem nun erfolgten Ausbruch sind zwei grundsätzliche Szenarien denkbar. Aufgrund der Bedeutung der Zone um 8200 wäre eine Rückkehrbewegung und somit ein Retest des Ausbruchsniveau nicht überraschend. Ein möglicher Wendepunkt könnte an der psychologisch wichtigen Schwelle von 10.000 liegen. Ausgehend von einem kurzen Test der fünfstelligen Kursmarke wäre mit einer Korrektur bis in den Bereich von 8200 / 8500 zu rechnen, von dem aus dann eine nachhaltige Aufwärtsbewegung erfolgen würde. Zugleich eröffnet sich Anlegern, die den Einstieg bisher verpassten, auf langfristige Sicht noch einmal eine gute Einstiegsgelegenheit.

In einem zweiten Szenario bleibt ein Test der Zone um 8200 von oben aus. Stattdessen läuft der Markt nach einer recht wahrscheinlichen Konsolidierung bei rund 10.000 weiter aufwärts. Neue Widerstände müssten sich erst noch herausbilden. Unwahrscheinlicher erscheint hingegen ein Rücksetzer unter das Ausbruchsniveau von 8200. Eine ähnliche Situation liegt auch im amerikanischen Leitindex S&P 500 vor.

Das Hauptaugenmerk gilt aber dem MACD. Der trendfolgende Indikator hat sich in den vergangenen 20 Jahren bereits mehrfach als guter Taktgeber für den langfristigen Verlauf erwiesen. Besonders an den Bewegungshochpunkten in 2000 und 2007 warnte der Signalgeber jeweils frühzeitig vor einer neuen Baisse. Die aktuelle Ausgangslage weist dabei viele Parallelen mit der Situation von vor 14 und sieben Jahren auf. Der MACD steht auf einem ähnlichen Niveau (knapp unter der roten Linie), zudem lieferte der Indikator erstmals seit August 2011 wieder ein Verkaufssignal.  

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About the Author:

Franz-Georg Wenner ist regelmäßiger Gast beim Deutschen Anlegerfernsehen und gern gesehener Vortragsredner. Er hält regelmäßig Webinare und referierte unter anderem beim Verein Technischer Analysten Deutschlands (VTAD). Bei BÖRSE ONLINE war er sechs Jahre Online-Koordinator und Redakteur mit den Schwerpunkten Nebenwerte Deutschland, Zertifikate und Technische Analyse. Zusätzlich betreute er für die Commerzbank den Zertifikate-Newsletter ideas daily. Bereits seine Diplomarbeit im Fachbereich BWL der Uni Düsseldorf beschäftigte sich mit der Intermarket-Analyse.

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