Commerzbank – Insiderkäufe knapp über dem Rekordtief

Deutlicher könnte der Unterschied kaum ausfallen: Während der DAX in Reichweite seines Rekordhochs notiert, steht die  Commerzbank kurz vor einem Rekordtief. Eine Analyse der fundamentalen und charttechnischen Situation kurz vor der mit Spannung erwarteten Hauptversammlung.

 

Die Commerzbank will mit einer Kapitalerhöhung um 2,5 Milliarden Euro die restlichen stillen Einlagen in Höhe von 1,6 Milliarden Euro zurückzahlen. Auch die 750 millionenschwere Finanzspritze der Allianz soll getilgt werden. Damit sinkt der Anteil des Bundes unter die Sperrminorität von 20 Prozent. Allerdings dürfte der Bund kräftige Verluste erleiden. Denn um einen Gewinn zu erzielen, müsste die Aktie sich schon in etwa verdreifachen. Verluste, die auch zahlreiche Anleger erlitten haben und mit der Kapitalerhöhung ist das Abwärtsrisiko nicht gebannt. Denn die im Zuge der Kapitalerhöhung neu begebenen Aktien dürften deutlich tiefer als zum aktuellen Aktienkurs angeboten werden, um neue Anleger anzulocken. Das verwässert den Kurs der alten Aktien, der Markt erwartet einen Abschlag von 20 bis 30 Prozent für die neuen Aktien. Damit dürfte der Aktienkurs nach der Kapitalerhöhung einen weiteren Rückgang erleiden.

 

Ist der Boden erreicht?

Die Bank verkauft diesen Schritt jedenfalls als etwas Positives. Durch die Kapitalerhöhung steige die Eigenkapitalquote auf 8,6 Prozent. Bis 2015 sollen die Anforderungen für den Basel III-Standard von neun Prozent erfüllt werden. Außerdem fallen die 9-prozentigen Zinszahlungen für die Einlagen des Bundes weg. Dennoch sind die Probleme der Commerzbank immer noch riesig und die Aussichten auf Besserung nur minimal. Die Bank hat immer noch ein enormes Exposure zu Anleihen aus den Peripherieländern. Der Besitz an italienischen Staatsanleihen beläuft sich auf rund 8,8 und an spanischen Staatsanleihen auf rund 2,6 Milliarden Euro. Hinzu kommt, dass die „Bad Bank“ der Commerzbank notleidende Kredite in Höhe von 151 Milliarden Euro hat. In der Bilanz schlummern also noch genügend Risiken, die eine Kapitalerhöhung allein nicht retten kann. Die auf den 19. April vorgezogene Hauptversammlung soll die Kapitalerhöhung genehmigen. Von Mitte Mai bis Anfang Juli können Commerzbank-Aktionäre die neuen Aktien zeichnen. Gleichzeitig sollen aus je zehn Aktien eine entstehen. Und ganz billig ist die Aktie trotz Kurssturz mit einem KGV von zwölf auch nicht. Die Marktkapitalisierung liegt bei 6,9 Milliarden Euro. Im Vergleich dazu kommt die Deutsche Bank auf 30 Milliarden Euro, das KGV beträgt hier nur 8,5.

 

Charttechnisch am Scheideweg

Steht die Aktie der Commerzbank vor einer fulminanten Erholung oder dem Absturz auf Pennystockniveau? Zumindest das Management scheint noch an den Wert zu glauben. Commerzbank-Chef Martin Blessing orderte kurz vor Ostern 100.000 Aktien zu 1,1745 Euro. Wie gut das Timing war, wird sich vielleicht bereits heute zeigen.
Am Donnerstag sackten die Papiere kurzzeitig bis auf 1,11 Euro ab und bestätigten damit die immens wichtige horizontale Unterstützung. Exakt auf diesem Niveau liegen auch die zyklischen Tiefpunkte aus den vergangenen beiden Jahren. Sollte die letzte Bastion der Bullen durchbrochen werden, könnte es zu einem schnellen dynamischen Abwärtsimpuls bis an die Ein Euro-Marke kommen.
Denn zahlreiche, eher kurzfristig ausgerichtete Anleger dürften zur Absicherung Stoppkurse zwischen 1,08 bis 1,11 Euro im Markt platziert haben. Wer vorsichtiger ist wartet ab, bis die Aktie auch per Tagesschluss auf Rekordtief den Handel beendet. Einige Profi-Investoren könnten nämlich die Situation nutzen und intraday Stopp-Aufträge „abfischen“, um günstig einzusteigen und die Aktie später nach oben zu handeln. Zeigt der Finanzwert hingegen wie bei den beiden Abverkäufen zuvor eine technische Erholung, liegen schwache Widerstände bei 1,16 / 1,17 Euro  und 1,22 / 1,24 Euro. Vor allem wenn die letztgenannte Marke und damit auch das 23,6 Prozent Fibonacci-Retracement der Abwärtsbewegung seit dem Jahreshoch wieder zurückerobert wird, könnte die Aktie vor einer deutlicheren Erholung stehen.

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Posted in: Marktanalysen

About the Author:

Franz-Georg Wenner ist regelmäßiger Gast beim Deutschen Anlegerfernsehen und gern gesehener Vortragsredner. Er hält regelmäßig Webinare und referierte unter anderem beim Verein Technischer Analysten Deutschlands (VTAD). Bei BÖRSE ONLINE war er sechs Jahre Online-Koordinator und Redakteur mit den Schwerpunkten Nebenwerte Deutschland, Zertifikate und Technische Analyse. Zusätzlich betreute er für die Commerzbank den Zertifikate-Newsletter ideas daily. Bereits seine Diplomarbeit im Fachbereich BWL der Uni Düsseldorf beschäftigte sich mit der Intermarket-Analyse.

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