By 24. Januar 2014 Read More →

Spielen wir den Trend mit Stopps

In schöner Regelmäßigkeit schrauben die Indizes ihre Allzeithochs höher. Und das ist bullish, auch wenn es an der gefährlichen Gemengelage natürlich gar nichts ändert. Neue Hochs locken weiteres Geld an. Und an der Börse sinkt der Dampfer immer erst, wenn alle an Bord sind. 

 

„Mir ist es egal, wer unter mir Präsident ist.“

Dass nicht wirklich gesichert ist, ob die Aussage wirklich von ihm stammt, macht es nicht besser. Denn sie könnte von ihm sein. Immerhin hat er im Amt als Leiter des von ihm mitgegründeten FBI ab 1924 in über 60 Jahren acht US-Präsidenten „überlebt“. Die Rede ist von J. Edgar Hoover, den die für sein Amt optimale Mischung aus Omnipotenzgefühl und Paranoia auch nicht davor zurückschrecken ließ, US-Bürger bis hin zu den Richtern des Supreme Court und eben auch das Oval Office ausspähen zu lassen.

Wie die US-Präsidenten Dwight D. Eisenhower und John F. Kennedy darüber dachten, hatte ich hier vor einigen Monaten bereits ausführlich thematisiert. Und nun die Gretchenfrage, die jeder für sich selbst entscheiden mag: Hat sich das Machtgefüge zwischen Regierung und Geheimdiensten bzw. militärisch-industriellem Komplex seit damals zu Gunsten oder zu Ungunsten der Überwachungspsychopathen verlagert?

Die Frage, was denn wäre, wenn heute oder vielleicht später einmal beide an einem Strang zögen, stelle ich einmal in den Raum. Vor allem für all diejenigen, denen es nach wie vor so völlig gleichgültig ist, wer wann was von ihnen weiß. Barack Obama beispielsweise dürfte es nicht gleichgültig sein, wenn irgendjemand mitlas, als er seine gestrige Rede verfasste. Aber sicher sein konnte er sich da nicht. Und wer weiß, wie sie sonst ausgefallen wäre.

Den auf ihre Smartphones fixierten digitalen Zombies, deren Welt sich auf das begrenzt, was da stattfindet, fällt weder ihr Käfig noch dessen Überwachung auf. In George Orwells „1984“ wusste Winston Smith, was und wem er ausgesetzt war. Der „heutige Mensch“ weiß es nicht. Und schlimmer noch: Er will es auch gar nicht wissen. Und noch einmal schlimmer: Er stolpert immer schneller durchs digitale Leben, ohne sich je zu fragen, ob und wie es anders, erfüllter und glücklicher sein könnte.

Ein Staat, der alles über seine Bürger wissen zu müssen glaubt, ist kein gesunder Staat. Und da können wir uns alle schon einmal darauf freuen, wenn es Markus Söder gelingt, seine Pläne umzusetzen. Denn der bayerische Staatsminister für Finanzen, Landesentwicklung und Heimat tat sich unlängst mit der Idee hervor, künftig ein „Online Voting“ einführen zu wollen. Das klingt zwar nicht nach bayerischer Heimat, aber es würde Tür und Tor öffnen, um das grundgesetzlich verbriefte Recht auf „freie und geheime“ Wahlen unterlaufen zu können. Selbst die NSA weiß dann, wo Sie Ihr Kreuzchen machen. Zu etwas Erfreulicherem:

Märkte in Rekordlaune

In der letzten Woche hatte ich Ihnen geschrieben, dass es zwar gute Gründe gibt, der Hausse ein gesundes Misstrauen entgegen zu bringen, dass das aber kein Grund sei, sich ihr zu verweigern. Mit Stopps weiter dabei sein, muss hier die Devise lauten. Und so habe ich in meinem Börsendienst „private profits“ den am 20.12. gekauften Calls auf den MDAX (+37,5%) und den TecDax (+ 46,35%) jetzt erneut einen DAX-Call zur Seite gestellt. Den Grund sehen Sie im Chart:

Anstatt der charttechnischen Wahrscheinlichkeit zu folgen und innerhalb des seit Juni 2012 etablierten Aufwärtstrendkorridors nun abwärts oder zumindest seitwärts zu tendieren, entschied sich das deutsche Aktienbarometer für den Ausbruch nach oben. Die dabei zustande gekommene Umsatzspitze wirkt optisch zwar eindrucksvoll, geht aber zum Großteil auf den „kleinen Verfalltermin“ an der EUREX.

Aber ein Ausbruch bleibt nun einmal ein Ausbruch. Und niemand weiß, wohin die Notenbanken die Kurse noch treiben werden, bevor sich wieder einmal die Schwerkraft zu Wort meldet. Ja, es sind die Notenbanken, die uns einerseits vor gefährlichen Blasen warnen und andererseits alles tun, um solche Blasen zu erzeugen. Um es einmal auf einen ganz einfachen Nenner zu bringen: Da all die „schöne“ neue Liquidität ja nicht in der Realwirtschaft ankommt, will sie angelegt werden. Und dem per Mausklick erzeugten, theoretisch unbegrenzten Geldvolumen steht eine faktisch begrenzte Zahl von Aktien gegenüber.

Damit der künftige Reichtum der Anleger überhaupt noch auf die Konten passt, hat die EU noch vor der Einführung der 62-stelligen Telefonnummer die Sepa erfunden. Anders als die gleichnamige Gottheit der ägyptischen Mythologie, die man sich als eine Art Tausendfüßer vorzustellen hat, begnügt sich die Sepa mit vergleichsweise bescheiden anmutenden 22 Stellen, was den Vorteil hat, dass Überweisungen in der EU künftig so schnell sind, dass sie die Hälfte der fürs Eintippen benötigten Zeit wieder hereinholen. Theoretisch zumindest.

Anleger, die jetzt noch auf den fahrenden Zug aufspringen wollen, sollten neue Positionen stets durch einen Stoppkurs absichern. Die Kursentwicklung am Freitag zeigte, dass der DAX sofort nach dem Auslaufen der Indexpositionen um 13:00 Uhr scharf nach unten wegbrach. Mit „Anlegen“ hat all das nichts mehr zu tun, hier wird wieder gezockt. Und wer mitzockt, sollte das nur mit Stoppkursen tun!

Zinsanstieg beflügelt

Was die Rentenmärkte betrifft, gibt es einiges an immer wieder auftauchenden Irrtümern. Erstes Beispiel: Ein Anleger rechnet mit steigenden Zinsen und legt sich deshalb einen Call auf den Euro-Bund oder US-Bonds ins Depot. Steigen die Zinsen dann wirklich, wird er sein blaues Wunder erleben. Denn seit Call verliert an Wert. Warum?

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Weil sich Calls und Puts nicht auf die Rendite, sondern auf den Kurs der Anleihen beziehen. Und bei steigenden Zinsen wie in unserem Beispiel sinkt der Kurs bestehender Anleihen. Einfach weil neue, besser verzinste Anleihen logischerweise teurer gehandelt werden. Wer steigende Zinsen erwartet, muss sich also Puts ins Depot legen. Und da sind wir auch schon beim zweiten, noch weit verbreiteten Irrtum: „Steigende Zinsen sind Gift für den Aktienmarkt.“ Der Glaube an diesen Satz ist dermaßen verbreitet, dass die Anleger wie paralysiert vor jedem Wort der Notenbanken zittern, das auf anziehende Zinssätze hinweist. Nur:

Wie Sie im oben abgebildeten Chart der Rendite der US-Staatsanleihen sehen, sind die Zinsen bereits gestiegen. Und zwar recht deutlich. Denn vom 2012er Tief bei 1,46 Prozent aus haben sie sich bis heute recht genau verdoppelt. Was die Aktienmärkte in dieser Zeit getan haben, wissen Sie. Wie aber kommt das? Ganz einfach: Steigen an den Rentenmärkte die Zinsen, fallen (s. o.) die Kurse bestehender Anleihen.

Was die Anleger natürlich veranlasst, ihre angesichts der historisch beispiellosen Zinssenkungsorgie geradezu phantastischen Gewinne mitzunehmen. Und auch dieses Geld will wieder neu angelegt werden. Und ein Teil auch dieses Geldes findet den Weg in den Aktienmarkt.

Da die Unternehmensgewinne angesichts der Geldflut der Notenbanken und des Anleihemarktes mit den Kursen nicht mehr Schritt halten können und sich die Refinanzierungskosten für Firmen durch die steigenden Zinssätze erhöhen, folgt dann irgendwann das, was die Anleger als „Korrektur“ bezeichnen. So sicher wie das Amen in der Kirche. Das bedeutet:

Sobald wir erste Hinweise dafür haben, dass diese Entwicklung einsetzen könnte, werden wir für kleines Geld weit aus dem Geld liegende Puts auf den DAX oder den S&P 500 kaufen. Momentan aber gibt es diese Hinweise noch nicht! Also genügt es, bei weiteren Kursgewinnen die Stopps nachzuziehen.

Sicherlich: Gründe, warum es nicht mehr weiter nach oben gehen kann, gibt es immer. Und Gründe, gar nichts zu tun auch: Heute die Arbeitslosenzahlen, morgen die Rede eines Notenbankers, übermorgen der Ifo-Geschäftsklima-Index und tags drauf ein Verfalltermin oder sonst was. Ich werde meine Index-Calls weiter halten und die Stopps nachziehen. Natürlich gelingt es damit nicht, genau auf dem Hoch auszusteigen. Aber das schaffen eh immer nur andere …

Gold: Profis knicken ein

Die Anfragen meiner Leser, ob man zum gegenwärtigen Preis nicht bei Gold zufassen solle, häufen sich. Meine Antwort: Nur weil etwas im Preis stark gefallen ist, bedeutet das nicht, dass es nicht noch viel weiter fallen könnte.

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Und mein Langfristindikator für den Goldpreis, den Sie im nebenstehenden Chart einmal für Gold auf Euro-Basis sehen, ist noch deutlich vom Wechsel auf die Kaufseite entfernt. Zudem: Die europ. Statistikbehörde EuroStat hat in der abgelaufenen Woche die vorläufigen Inflationszahlen für 2013 in Höhe von 1,5 Prozent bestätigt. Im Dezember lag sie sogar bei nur noch 0,8 Prozent. Zum Vergleich: 2011 und 2012 hatten wir es noch mit Teuerungsraten von 2,1 bzw. 2,0 Prozent zu tun. Der Weg in Richtung Deflation scheint sich also nicht nur fortgesetzt, sondern sogar beschleunigt zu haben. Und damit entfällt das für die meisten Anleger wichtigste Argument zum Einstieg in die Edelmetalle.

Dass dem Goldpreis vielleicht schneller als erwartet ein neuer Absturz drohen könnte, das lässt der nebenstehende Chart vermuten, der die Quote der bullish gestimmten Gold-Analysten abbildet.

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Wie Sie erkennen, ist es hier in der vergangenen Woche trotz leichter Preisaufschläge für die Edelmetalle zu einem regelrechten Einbruch gekommen. Womit wir nun wieder sehr deutlich unterhalb der zum Jahreswechsel 1997/1998 gestarteten Aufwärtstrendlinie liegen.

Mit dem Einstieg in Gold oder Silber scheint es danach nicht eilig zu sein. Etwas anderes sind Edelmetallbestände (physisch), die Sie rein zu Absicherungszwecken gekauft haben. Für diese Positionen gibt es kein „Hoch“ oder „Niedrig“. Sie sollten durch Dick und Dünn gehalten werden. Denn das, was die Notenbanken in den letzten Jahren getrieben haben und immer noch treiben, kann und wird keinen guten Ausgang nehmen, es sei denn, es geschieht ein richtiges und kein blaues Wunder. Wenn Sie wissen möchten, wo dieser Begriff eigentlich herkommt, besuchen Sie doch einmal Dresden. Zum Beispiel zum 44. Dixie-Festival im Mai!

EUR/AUD: Chance für Späteinsteiger

Im Währungsbereich halten meine Leser momentan nur eine einzige Position: Einen lang laufenden, konservativen (tief im Geld liegenden) Call auf den Euro gegen den australischen Dollar, für den wir den Stoppkurs auf den Einstiegskurs gesetzt haben und zuschauen können, was sich tut.

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Richtig in Fahr kommen wird EUR/AUD erst, wenn das gegenwärtige Aufschwung- und Wachstumsgetöse für 2014 von den Zahlen widerlegt wird. Denn dann wird Druck auf die Rohstoffe und damit auch auf die Währungen der Länder kommen, die viele Rohstoffe im Boden haben. Das „ganz große Fass“ wird hier erst beim Aufwärtsbreak der massiven Widerstandszone bei 1,60 geöffnet werden. Aber wer hier noch nicht mit von der Partie ist, sollte beim Sprung über das letzte Zwischenhoch den Einstieg erwägen. Mit engem Stopp, natürlich!

Viel Erfolg und beste Grüße!

Axel Retz

About the Author:

Axel Retz ist seit über 25 Jahren als Chefredakteur von Börsenmagazinen und Börsendiensten tätig und betreibt das Portal private-profits. Konservative Anleger finden dort seit Jahren bewährte, treffsichere Strategien zur Outperformance der Märkte in Hausse- und Baissephasen. Aggressivere Trader finden alle notwendigen Tools, um mit kleinem Einsatz kurzfristige Gewinne zu erzielen. „Phasen, in denen sich keine Gewinne erzielen lassen, das sind die Seitwärtsmärkte. Aber sie sind nichts anderes als Unterbrechungen im Trendverhalten. Technische oder fundamentale Analyse? Für mich macht es die Mischung!“

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