By 2. Oktober 2013 Read More →

Eine beeindruckende Statistik

Themen des Tages:  EZB und Italien +++ in den USA tickt die Uhr+++ die Chancen für eine Jahresendrally +++ BMW, Daimler und VW im Fokus

 

Politische Börsen haben kurze Beine? Vielleicht, vielleicht aber auch nicht. Stichwort Italien. Anders als in den USA keimen in Italiens politischer Krise neue Hoffnungsschimmer auf. Um 9.30 Uhr beginnt die Debatte im Senat, im Anschluss wird Premierminister Enrico Letta die Vertrauensfrage stellen. Und die Chancen stehen nicht schlecht, dass Letta diese Herausforderung meistern wird. Denn zumindest einige Minister seines Koalitionspartners PDL wollen sich auf die Seite von Letta schlagen und somit gegen den eigenen Chef Berlusconi. Es ist somit davon auszugehen, dass kurzfristig keine schlechten Nachrichten aus Rom zu erwarten sind. Gut für den Euro sowie die europäischen Indizes.

 

EZB bleibt wachsam

Bleiben wir kurz noch in Europa, denn wegen des morgigen Feiertags in Deutschland findet bereits heute die Ratssitzung der EZB statt. Natürlich gibt es für die Währungshüter keinen Grund, von der lockeren Geldpolitik abzurücken. Stichwort Inflation. Aktuelle Daten zeigen eine Jahresteuerung im September von 1,1%, dies ist deutlich unterhalb des EZB-Ziels von zwei Prozent. Zudem erhalten offenbar weiterhin kleine und mittlere Unternehmen in einigen Ländern nur unter erschwerten Bedingungen Kredite. Konkrete Maßnahmen sind heute nicht zu erwarten, zuletzt führte aber bereits die verbale „Drohung“ von Präsident Draghi, notfalls mit einem dritten, langfristigen Refinanzierungsgeschäft einzugreifen, zu verbesserten Konditionen.

 

In den USA tickt die Uhr

Im Fokus steht aber ganz klar die Situation in den USA. Der Haushaltsstreit dauert weiterhin an, die Finanzmärkte scheinen bisher noch nicht beunruhigt. Kein Wunder, denn inzwischen hat das Land „Routine“ in dieser Frage, bereits zum 17. Mal scheiterten die Verhandlungen. Zuletzt war dies vom 16. Dezember 1995 bis 6. Januar 1996 der Fall, erst nach 21 Tagen war der Streit beigelegt. Schätzungen zufolge kostet der aktuelle Notstand das Land mindestens 800 Mio. Dollar pro Tag, vielleicht auch 1 Mrd. Dollar. Wer von Ihnen gerne Nachrichten handelt, sollte nun besonders vorsichtig agieren. Es ist damit zu rechnen, dass Konjunkturdaten der offiziellen Statistikbehörde (also nicht die Daten der privaten Institute wie der ISM-Bericht oder die heutigen ADP-Zahlen) nur unvollständig, früher oder später veröffentlicht werden. So soll Gerüchten zufolge der US-Arbeitsmarktbericht nicht am Freitag sondern frühestens erst am kommenden Dienstag erscheinen. Die Märkte reagierten gestern sehr gelassen, weil zugleich die Wahrscheinlichkeit steigt, dass die Fed auf ihrer nächsten Sitzung Ende Oktober keine Reduzierung der monatlichen Anleihekäufe beschließen wird.

Wesentlich größere Auswirkungen sind hingegen zu erwarten, wenn auch hinsichtlich der Schuldenobergrenze keine Einigung erzielt wird. Bis zum 17. Oktober haben Republikaner und Demokraten Zeit, danach droht den USA der Bankrott. Die Erfahrung zeigt zwar, dass das US-Finanzministerium auch noch ein paar Tage länger als angekündigt zurechtkommt. An den Finanzmärkten ist aber schon früher mit deutlichen Reaktionen zu rechnen. Bleiben wir dennoch optimistisch, denn eine Zahlungsunfähigkeit können sich die USA nicht leisten. Auch  parteipolitisch macht dies aus Sicht der Republikaner kaum Sinn. Im kommenden Jahr stehen Parlamentswahlen auf der Agenda. Scheitern die Verhandlungen, könnten die Demokraten argumentieren, dass die Republikaner den Staat in den Bankrott und die Wirtschaft in eine erneute Rezession getrieben haben. Bereits jetzt bewertet eine deutliche Mehrheit der US-Bevölkerung die ablehnende Haltung der Republikaner negativ.

 

Starke Statistik

Kurz vor dem Feiertag will ich Sie aber nicht nur mit Krisenszenarien belasten. Und damit kommen wir zurück zur Überschrift. Der DAX kletterte in den ersten neun Monaten um rund 14% – deutlich schlechter als TecDAX (31%) und MDAX (26%), aber dennoch eine sehr ordentliche Leistung. Diese Rückspiegelbetrachtung besitzt aber zugleich auch einen guten Prognosecharakter. Die HSBC analysierte dazu die Entwicklung des DAX in den vergangenen 25 Jahren unter der Prämisse, dass die ersten neun Monate positiv verliefen. Das Ergebnis sollte den Bullen Mut machen. In 15 von insgesamt 16 Fällen (Trefferquote 94%) seit 1988 legte der DAX einen starken Jahresendspurt aufs Parkett. Die Durchschnittsperformance in den letzten drei Monaten liegt bei knapp zehn Prozent, vor allem der Dezember erwies sich mit einem Zuwachs von 5,3% als ein sehr starker Monat. Beide Performancekennzahlen liegen deutlich über dem ohnehin guten Zuwächsen zum Jahresende. Bezogen auf alle Schlussquartale legte der DAX um 7,7% zu, im Dezember um durchschnittlich 3,2%.

Etwas kritisch ist natürlich die geringe Datenbasis von 25 Jahren zu berücksichtigen. In einer zweiten Analyse wurde daher das Saisonmuster des S&P 500 unter die Lupe genommen. Auch hier zeigte sich  ein ähnliches Ergebnis seit Ende des 2. Weltkrieges. Auf einen freundlichen Januar bis September-Zeitraum zeigte der S&P 500 in 82% der Fälle auch einen guten Schlussspurt. Die Trefferquote für weitere Kursgewinne im Dezember liegt bei 79%. Auch die zu erwartende Durchschnittsperformance von 4,3% für das letzte Quartal sowie 2,2 Prozent für den Dezember wecken Erwartungen und liegen über der durchschnittlichen Wertentwicklung bezogen auf die gesamten Daten seit 1946.

 

 

 

Zum heutigen Handelstag

Der DAX taucht nach schwachen Vorgaben aus Asien zu Handelsbeginn ab und steht rund 0,6% tiefer bei 8640. Mit Beiersdorf und Commerzbank können sich nur zwei Werte in der Gewinnzone halten. Automobilwerte stehen nach den jüngsten Absatzzahlen aus den USA im Fokus. An steigende Autoverkäufe hatten sich Investoren in den vergangenen Monaten bereits gewöhnt. Gerade die heimischen Hersteller profitierten von der hohen Nachfrage und konnten so die Schwäche in Europa mehr als ausgleichen. Nun könnte sich das Blatt wenden. Denn im September lieferten die deutschen Branchengrößen ein durchwachsenes Bild  ab. BMW setzte gut acht Prozent mehr Fahrzeuge ab, Mercedes-Benz steigerte die Verkäufe um rund sechs Prozent, Porsche um 13, während VW einen Rückgang von zwölf Prozent verkraften muss. Durchweg abwärts ging es mit den Verkaufszahlen bei den asiatischen Konkurrenten. Branchenexperten sind auch wegen möglicher Auswirkungen des Haushaltsstreits skeptischer und erwarten nur noch einen Jahresabsatz von 15,3 bis 15,7 Millionen Autos. Zuvor lag die Zielmarke bei 16 Millionen.

Gegen Abend könnten einige Vorträge von Fed-Mitgliedern für Impulse sorgen. Rosengren und Bullard sprechen um 21:20, Bernanke hält gegen 21:30 eine Rede.

 

 


Zur Verfügung gestellt von: Forexpros dem Aktien Portal

 

About the Author:

Franz-Georg Wenner ist regelmäßiger Gast beim Deutschen Anlegerfernsehen und gern gesehener Vortragsredner. Er hält regelmäßig Webinare und referierte unter anderem beim Verein Technischer Analysten Deutschlands (VTAD). Bei BÖRSE ONLINE war er sechs Jahre Online-Koordinator und Redakteur mit den Schwerpunkten Nebenwerte Deutschland, Zertifikate und Technische Analyse. Zusätzlich betreute er für die Commerzbank den Zertifikate-Newsletter ideas daily. Bereits seine Diplomarbeit im Fachbereich BWL der Uni Düsseldorf beschäftigte sich mit der Intermarket-Analyse.

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