By 10. Dezember 2015 Read More →

Apple, DAX, Euro – jetzt werden die Weichen für 2016 gestellt

Whatever it takes … Mit dieser Formulierung war es Mario Draghi bis jetzt immer gelungen, den Marktteilnehmern den Eindruck zu vermitteln, dass die EZB irgendwie Herr der Lage sei. Seit Donnerstag hat dieser Eindruck Risse bekommen.

Denn obwohl die Notenbank ihre Anleihekaufprogramm noch einmal deutlich verlängerte und nun auch Schuldtitel von Kommunen und Regionen ins Portefeuille nehmen will, fiel die Reaktion der Börsen ernüchternd aus, was dem DAX den größten Minustag seit dem von mir ja tagesgenau angekündigten „Black Monday“ am 24. August bescherte. Die Aussage Draghis, dass die EZB ihren Kurs nicht in etwa fortsetze, weil er nicht funktioniere, sondern gerade weil er funktioniere, wirkte offenkundig wenig glaubwürdig. Hinzu kam, dass einige Marktteilnehmer nach Dänemark und in die Schweiz schielten. Denn dort hatte die Notenbanken den Einlagezins für von den Banken bei ihnen geparktes Geld mit höchst zweifelhaftem Erfolg gesenkt: Die Banken gaben diese Zinssenkung nicht etwa an ihre Kreditnehmer weiter, sondern erhöhten sogar die Kreditzinsen, um ihre Erträge zu sichern.

Das weiß natürlich auch die EZB. Was einmal mehr Wasser auf die Mühlen ihrer Kritiker ist, die mutmaßen, dass es der Notenbank gar nicht um die Ankurbelung der Wirtschaft gehe, sondern vornehmlich um das „Bailout“ von Banken.

DAX: Doch keine Jahresendrallye?

Am vergangenen Sonntag hatte ich in Secretz (www.secretz-online.de) darauf hingewiesen, dass sich am Markt hinsichtlich der EZB ein ausgesprochen hohes Erwartungspotential = Enttäuschungspotential gebildet habe.

Zusammengetroffen sind die hoch fliegenden Erwartungen an noch üppigere Geldgeschenke der Notenbank mit der in den Köpfen der meisten Anleger verankerten Überzeugung, dass der DAX vor einer fulminanten Jahresendrallye stünde. Eine Mischung, die fast nicht gut gehen konnte!

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Der Ausbruch des DAX über die vom Allzeithoch aus konstruierbare Abwärtsgrade erwies sich damit als typischer Fehlausbruch. Sieht man sich den im Chart abgebildeten, auf Wochenbasis eingestellten Momentum-Indikator an, spricht einiges für weitere Kursverluste. Denn der Versuch eines Anstiegs über die bei 100 liegende Signallinie dieses Indikators ist gescheitert, wobei jetzt auch das letzte kleine Zwischentief unterschritten wurde.

Interessanterweise hat das Momentum aber auch auf Tagesbasis nun den Weg unter seine Mittelpunktslinie angetreten, womit das Verkaufssignal des Wochencharts zusätzlich an Gewicht erhält.

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Noch liegt der deutsche Aktienindex komfortabel oberhalb der seit Herbst 2011 bestehenden Aufwärtstrendgeraden. Wird sie unterschritten, könnte es rasch ungemütlich werden.

Wieder ein Weltwunder!

Die gestern veröffentlichten US-Arbeitsmarktdaten hatten es wieder einmal in sich: Die Arbeitslosenquote blieb im November mit (offiziellen) 5,0 Prozent gegenüber dem Vormonat zwar unverändert, die Anzahl der neu geschaffenen Stellen lag allerdings deutlich über den Erwartungen.

Soweit der schöne Schein. Nur: Fast 50 Millionen Amerikaner – ich berichtete ja schon mehrfach darüber – bestreiten ihren Lebensunterhalt mit Lebensmittelmarken (sgn. food stamps), die man nur erhält, wenn man arbeitssuchend gemeldet ist.

Die Anzahl der arbeitsfähigen Menschen in den USA liegt aktuell bei ca. 250 Millionen. Wenn aber davon 50 Millionen auf Lebensmittelmarken angewiesen sind, entspricht das einer Quote von 20 Prozent. Hinzu kommen all die, die diese Marken nicht beantragen, da sie vielleicht familiär oder anderweitig unterstützt werden.

Die von www.shadowstats.com berechnete Arbeitslosenquote von 22,90 Prozent (siehe Chart oben) ist daher einfach nachvollziehbar. Die Idee Janet Yellens, dass die USA nun nahezu die „Vollbeschäftigung“ erreicht hätten, ist hingegen schlichtweg Unfug. Und wenn die Akteure an der Wall Street gestern feierten, dass es der US-Wirtschaft tatsächlich so gut gehe, dass die Notenbank die Zinswende einleiten könne, dann haben diese Marktteilnehmer entweder keinen blassen Schimmer von der Wirklichkeit oder aber sie glauben, was sie glauben wollen.

EUR/AUD: Rütteln an den Ketten

Die Rohstoffabhängigkeit des australischen Dollars hatte ich ja bereits seit Monaten zum Thema gemacht. Und einen Long-Trade EUR/AUD als ausgesprochen lukrativ bezeichnet. Der Ausbruch nach oben, den ich einmal mit dem Prädikat „explosiv“ bezeichnet hatte, ließ allerdings auf sich warten. So ist es nun einmal an den Märkten: Recht haben und Recht bekommen sind zwei Paar Stiefel. Und Recht zu haben ist ja bisweilen auch nicht die einfachste Übung. Im Irren bin auch ich nicht der Schlechteste.

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Das könnte sich jetzt allerdings rasch ändern. Im nebenstehenden Wochenchart hat EUR/AUD für einen sauberen Rücksetzer zwar noch Luft bis zur seit Mitte 2012 etablierten Aufwärtstrendgeraden. Mag sein, dass auch das noch ausgetestet wird.

Der Blick auf den Tageschart lässt es allerdings auch realistisch erscheinen, dass der Test dieser Unterstützung gar nicht mehr stattfindet. Denn gestern legte EUR/AUD sehr kraftvoll zu, wobei der Trendfolge-Indikator MACD ein neues Kaufsignal generierte, während das Momentum über seine seit September bestehende Abwärtstrendlinie anzog.

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Ob das den Startschuss zur von mir erwarteten Trendwende ist, muss abgewartet werden. EUR/AUD sollten Sie ab jetzt auf jeden Fall nicht mehr aus den Augen lassen. Jede neue Nachricht, die die Rohstoffe weiter schwächt, könnte hier einen regelrechten Senkrechtstart auslösen.

Rohöl: Und läuft und läuft und läuft

Meine Erwartung für Rohöl kennen Sie seit langem: Der Barrelpreis sollte unter die seit 1998/1999 bestehende Aufwärtstrendlinie fallen, um dann in Richtung 30 US$/barrel zu fallen.

Dieses Szenario gewinnt nun zunehmend an Kontur. Denn auf dem gestern in Wien zu Ende gegangenen Treffen der OPEC konnte man sich nicht auf eine Drosselung der Förderquoten eignen.

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So angenehm die Ölpreisentwicklung für die Verbraucher ist, so gefährlich droht sie für Venezuela, Algerien, Kanada und Russland werden. Der Staatshaus-halt Russlands, Venezuelas und Algeriens ist dermaßen von den Erlösen aus dem Ölverkauf abhängig, dass diesen Staaten durchaus die Pleite drohen könnte, wenn meine Zielerwartung von 30 US$/barrel Wirklichkeit werden sollte. Vor allem aber: Sollten sich die Hinweise auf eine neue Rezession der Weltwirtschaft verdichten, muss auch bei 30 Dollar noch nicht Schluss sein.

Was die Entwicklung des Ölpreises für die Umsetzung der in einer Woche in Paris zu beschließenden Maßnahmen zur „Klimarettung“ bedeuten wird, steht auf einem anderen Blatt. Ein Spar-Anreiz geht von Barrelpreisen nahe oder unter 30 US$ gewiss nicht aus. Und dem Ausbau alternativer Energien erweisen sie ebenfalls Bärendienst.

Apple: Wenn, dann jetzt …

Irgendetwas scheint sich bei der weltweit bekanntesten Technologie-Aktie zu tun. Denn während der NASDAQ 100 gestern mit dem höchsten jemals erreichten Wochenschluss glänzte, liegt der Apple-Kurs deutlich unterhalb seiner Bestmarke. Das allein bedeutet natürlich noch keinen Beinbruch, zumal der 2009 gestartete Aufwärtstrend absolut intakt ist.

Allerdings scheint sich im Chart der Kult-Aktie die von mir bereits mehrfach thematisierte „Schulter-Kopf-Schulter“-Formation immer klarer abzuzeichnen. Ob aus ihr eine Trendwende nach unten wird, hängt maßgeblich davon ab, ob der Kurs vom aktuellen Level aus wieder nach oben durchstarten kann oder nicht. Gelingt Apple ein Kursanstieg über 123 US$, wird die rechte „Schulter“ nach oben durchbrochen.

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Der negative Verlauf des Momentum-Indikators spricht momentan allerdings gegen diese bullishe Perspektive. Ebenso wie die relative Schwäche der Aktie im Vergleich mit dem NASDAQ 100. Apple sollten Sie sich daher m. E. jetzt jeden Tag einmal ansehen. Denn wenn es hier einmal zur Sache geht, das lehrt die Vergangenheit, dann richtig!

About the Author:

Axel Retz ist seit über 25 Jahren als Chefredakteur von Börsenmagazinen und Börsendiensten tätig und betreibt das Portal private-profits. Konservative Anleger finden dort seit Jahren bewährte, treffsichere Strategien zur Outperformance der Märkte in Hausse- und Baissephasen. Aggressivere Trader finden alle notwendigen Tools, um mit kleinem Einsatz kurzfristige Gewinne zu erzielen. „Phasen, in denen sich keine Gewinne erzielen lassen, das sind die Seitwärtsmärkte. Aber sie sind nichts anderes als Unterbrechungen im Trendverhalten. Technische oder fundamentale Analyse? Für mich macht es die Mischung!“

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