DAX-Chartanalyse: Bessere Chancen als im Februar und April

Der DAX nähert sich erneut einer mittelfristig richtungsweisenden Schwelle. Die technische Ausgangslage bei den Einzelwerten ist durchaus optimistischer einzuschätzen als noch vor wenigen Wochen. Für ein neues Kaufsignal muss der Markt nun zwingend Fakten schaffen.    

Stundenanalyse:

Trotz des gestrigen Feiertags und der Fed-Zinsentscheidung zur Wochenmitte dürfte der DAX nur wenig verändert in den Handel starten. Broker sehen den Index rund eine Stunde vor Beginn bei 9630. Der Dow Jones markierte am Mittwoch ein frisches Rekordhoch, während dem breiten S&P 500 neue Allzeithochs noch verwehrt blieben (s. Chart-Übersicht). Erst wenn auch der US-Leitindex neue Gipfel markiert, dürfte auch beim DAX ein frischer Aufwärtsimpuls einsetzen.

Bis zum US-Arbeitsmarktbericht um 14.30 Uhr sollte die jüngste Lethargie in Frankfurt anhalten. Ohnehin dürfte heute das Handelsvolumen sehr gering ausfallen, bereits mit vergleichsweise kleinen Orders kann der Markt bewegt werden. Erst wenn zu Beginn der kommenden Woche alle Daten auf dem Tisch liegen und die Investoren wieder vor ihren Bildschirmen agieren, ist mit einer neuen Trendentwicklung im kurzfristigen Bereich zu rechnen.

Die richtungsweisenden Grenzen für die kommenden Stunden liegen bei 9550 und 9650 auf der Oberseite. Erst nach den US-Daten ist mit einer impulsiveren Bewegung zu rechnen. Sollten die Kurse über das Hoch der Aufwärtsbewegung von Mitte April bei 9645 / 9650 steigen, rückt die mittelfristig wichtige Zone um 9700 / 9720 erneut auf den Prüfstand. Kaufenswert erscheint der DAX erst ab Notierungen oberhalb dieser Barriere. Darunter muss jederzeit mit einer erneuten Korrektur gerechnet werden, dies lehrt ein Blick auf die vergeblichen Versuche der Käufer Mitte Februar und Anfang April.

Technisch ist der DAX aber nicht so überkauft wie bei den letzten Versuchen, was für die Käufer spricht. Sowohl der Abstand zur 200- als auch zur 21-Tage-Linie liegen mit sechs und 1,2 Prozent auf einem eher niedrigen Niveau. Auch die Anzahl der Blue Chips, die über ihrem 21-Tage-Durchschnitt notieren, steht einer weiteren Erholung nicht entgegen. Derzeit schauen gut die Hälfte der Papiere von oben auf ihren kurzfristigen Gleitenden Durchschnitt, erfahrungsgemäß nimmt erst ab 85 Prozent die Wahrscheinlichkeit für eine Korrektur signifikant zu.

Scheitert der Aktienmarkt hingegen an der 9700 / 9650, stehen erste Auffangzonen bei 9550 und 9500 bereit. Diese sind allerdings nur schwach ausgeprägt und könnten schnell unterboten werden. Solange der DAX aber noch über der 9370 / 9400 notiert, haben die Käufer die etwas besseren Karten in der Hand. Erst darunter wird es wieder etwas bearischer.

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Tagesanalyse:

Bald fallen die Würfel

Die volatile Seitwärtsbewegung des DAX seit November vergangenen Jahres geht allmählich in ihre entscheidende Phase. Im Tageschart der vergangenen Monate spitzt sich die Situation für den Deutschen Aktienindex zu. Während die Käufer seit Februar am Kursbereich um 9700 bereits mehrfach scheiterten, hielt bisher die untere Begrenzung des Aufwärtskanals jedem Angriff der Verkäufer Stand.

In den kommenden Wochen wird aber eine der beiden Marken brechen. Denn die südliche Extremzone der Range steigt immer weiter an und verläuft Ende Mai bereits im Bereich um 9600. Entweder kommt es zum Trendbruch und der DAX liefert ein Schwächesignal, oder der Deckel auf der Oberseite wird gelüftet.

Im negativen Fall dürften sich zügig weitere kurzfristig ausgerichtete Anleger aus dem Markt verabschieden und den Abwärtsdruck verschärfen. Eine schnelle Korrektur bis mindestens an die mittelfristig richtungsweisende Unterstützung mit der 200-Tage-Linie um 8950 / 9000 wäre zu erwarten.

Erfolgt hingegen der Sprung über die 9700, stellt das Rekordhoch nur eine psychologische Hürde dar. Fünfstellige Kurse dürften nur eine Frage der Zeit sein.

Welches Szenario wahrscheinlicher ist, lässt sich derzeit noch nicht seriös beantworten. Das nach wie vor bestehende Verkaufssignal im MACD auf Wochenbasis deutet aber eher auf die bearische Alternative.

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Wochenanalyse:

8150 oder 10.300

Im langfristigen Wochenchart zeigt sich ebenfalls bereits deutlich die seit rund fünf Monaten anhaltende Konsolidierungsbewegung. Nachdem der DAX zu Jahresbeginn eine seit Anfang 2012 bestehende obere Aufwärtstrendlinie (dunkelgrün) vergeblich anlief, kam es zuletzt aufgrund der Seitwärtsbewegung zu mehreren Test der südlichen Begrenzung (hellgrün). Bisher nutzten Schnäppchenjäger die Rücksetzer zum Einstieg und bestätigten somit den übergeordneten Aufwärtsimpuls. Je geringer allerdings die anschließenden Erholungen ausfallen und je öfter der DAX die untere Aufwärtstrendlinie testet, desto höher die Wahrscheinlichkeit für einen Trendbruch. Zu einem bestimmten Zeitpunkt werden nicht mehr genügend Käufer an der Seitenlinie stehen und für eine Stabilisierung sorgen. Zugleich geben die bereits investierten Anleger irgendwann auf und veräußern wieder ihre Positionen, wenn sich das bullische Szenario nicht einstellt.

Sollte es zu einem Trendbruch kommen, stellt die 200-Tage-Linie zusammen mit der horizontalen Unterstützung um 9000 eine letzte wichtige Bastion dar. Erst wenn diese Zone nachhaltig unterschritten wird, trüben sich die Aussichten deutlich ein. Die Kursbewegungen des DAX in den vergangenen fünf Monaten oberhalb von 9000 wären dann als eine Top-Formation einzustufen, deren Höhe auf ein Korrekturpotential bis rund 8150 deuten würde. Exakt auf diesem Niveau liegen auch die Umkehrbewegungen aus 2000 und 2007 (s. auch Monatsanalyse).

Noch ist aber das entscheidende Verkaufssignal nicht gegeben. Bis dahin bleibt eine Fortsetzung des Hausseimpulses wahrscheinlicher. Für ein klares mittelfristiges Kaufsignal sollte der DAX aber mindestens über das Rekordhoch von 9800 ansteigen. Im positiven Fall lässt die dunkelgrüne Trendlinie Platz bis rund 10.300.

DAXW

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Monatsanalyse:

Zwei Szenarien für die Zukunft

Im abgebildeten Monatschart seit 1960 wird vor allem die Bedeutung des Kursbereichs um 8000 / 9000 deutlich. Nach dem Ausbruch aus einer rund 20 Jahre andauernden Seitwärtsbewegung im Jahr 1983 zeigte der DAX bis zur Jahrtausendwende eine ausgeprägte Rally-Bewegung. Mit dem Platzen der Spekulationsblase wurde diese Aufwärtsbewegung in den vergangenen 13 Jahren konsolidiert. In dieser Zeit bildete der Deutsche Aktienindex deutlich steigende Bewegungstiefpunkte aus, was auf einen allmählich steigenden Kaufdruck deutet. Der Sprung über die Hochpunkte aus dem Jahr 2000 und 2007 bei 8200 war somit nur eine Frage der Zeit. Der DAX löste ein sehr bullish aufsteigendes Dreieck nach oben hin auf, aus dem theoretisch Notierungen deutlich jenseits der 10.000er-Marke abgeleitet werden können.

Nach dem nun erfolgten Ausbruch sind zwei grundsätzliche Szenarien denkbar. Aufgrund der Bedeutung der Zone um 8200 wäre eine Rückkehrbewegung und somit ein Retest des Ausbruchsniveau nicht überraschend. Ein möglicher Wendepunkt könnte an der psychologisch wichtigen Schwelle von 10.000 liegen. Ausgehend von einem kurzen Test der fünfstelligen Kursmarke wäre mit einer Korrektur bis in den Bereich von 8200 / 8500 zu rechnen, von dem aus dann eine nachhaltige Aufwärtsbewegung erfolgen würde. Zugleich eröffnet sich Anlegern, die den Einstieg bisher verpassten, auf langfristige Sicht noch einmal eine gute Einstiegsgelegenheit.

In einem zweiten Szenario bleibt ein Test der Zone um 8200 von oben aus. Stattdessen läuft der Markt nach einer recht wahrscheinlichen Konsolidierung bei rund 10.000 weiter aufwärts. Neue Widerstände müssten sich erst noch herausbilden. Unwahrscheinlicher erscheint hingegen ein Rücksetzer unter das Ausbruchsniveau von 8200.

Auf Basis der Indikatoren wäre noch ein wenig Luft nach oben vorhanden. Beachten Sie vor allem den trendfolgenden MACD, der in den vergangenen 13 Jahren eigentlich recht zuverlässig die Wendepunkte beim DAX antizipierte. Allmählich erreicht der Signalgeber die Niveaus aus dem Jahr 2000 und 2007 (rote Linie).

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Posted in: Deutschland

About the Author:

Franz-Georg Wenner ist regelmäßiger Gast beim Deutschen Anlegerfernsehen und gern gesehener Vortragsredner. Er hält regelmäßig Webinare und referierte unter anderem beim Verein Technischer Analysten Deutschlands (VTAD). Bei BÖRSE ONLINE war er sechs Jahre Online-Koordinator und Redakteur mit den Schwerpunkten Nebenwerte Deutschland, Zertifikate und Technische Analyse. Zusätzlich betreute er für die Commerzbank den Zertifikate-Newsletter ideas daily. Bereits seine Diplomarbeit im Fachbereich BWL der Uni Düsseldorf beschäftigte sich mit der Intermarket-Analyse.

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