300 Punkte bis zur 200-Tage-Linie

Abwärts, Aufwärts, Abwärts – der DAX konnte sich nach dem famosen Wochenauftakt am Dienstag nicht so richtig entscheiden, wohin die Reise gehen soll. Aber auch dieser Zustand dürfte nicht mehr lange andauern.

Eigentlich können wir uns mit der heutigen Analyse wirklich kurz fassen, denn neue Erkenntnisse liegen nach dem gestrigen Handelstag nicht vor. Knapp unter der 9800 drückten einige Anleger auf den „Verkaufen“-Knopf, bei 9720 erschienen die Kurse hingegen für Schnäppchenjäger offenbar attraktiv zu sein. Die Range von rund 75 Punkten stellt auch für heute eine erste Orientierung dar, ob ein Ausbruch erfolgen wird, ist hingegen vollkommen offen.

Denn dazu wird dringend ein frischer Impuls benötigt. Erst wenn neue Informationen auf den Markt treffen, die ausreichend viele Akteure zum Handeln bewegen, steigen die Chancen auf eine aussagekräftigere Bewegung. Allerdings erscheint es derzeit fraglich, ob es noch genügend mutige Trader gibt, die trotz des kurzfristig etwas durchwachsenen Kursverlaufs noch einsteigen. Zwar überrascht die US-Berichtssaison derzeit auf der positiven Seite – sogar die Banken liefern besser als erwartete Ergebnisse ab – zahlreiche Gefahren wie die geopolitischen Risiken im Nahen Osten oder die durchaus ambitionierten Bewertungen dämpfen aber die Kauflaune. Auf der Nachrichtenseite liegt zumindest keine Sommerflaute vor. Mutige Trader werden aber nur dann in den Markt einsteigen, wenn die Chancen auf größere Renditen deutlich höher sind als die Risiken. Je weiter der Markt Richtung Süden driftet, desto „billiger“ werden die Kurse und desto höher die Wahrscheinlichkeit für eine temporäre Gegenbewegung. Die Frage ist nur, wie weit der DAX für ein offenbar attraktives Chance-Risiko-Verhältnis fallen muss. Auf der anderen Seite darf der Index aber auch nicht unter charttechnisch wichtige Marken fallen, ansonsten könnten die Verkaufssignale neue Akteure von einem Einstieg abhalten.

Stunden- und Tagesanalyse:

Tradesignal Online. Tradesignal® ist eine eingetragene Marke der Tradesignal GmbH. Nicht autorisierte Nutzung oder Missbrauch ist ausdrücklich verboten.

Soweit die Theorie, in der Praxis hilft nur der direkte Blick auf den Chart. Die Grenzen der engen Range zwischen 9720 bis 9790 geben zunächst die Richtung vor. Je nachdem, welcher Bereich durchbrochen wird, lassen sich weitere kurzfristige Ziele ableiten.

Fällt der DAX auf der Unterseite aus der Spanne, stellen die 100-Tage-Linie in Kombination mit dem Monatstief um 9600 / 9640 einen ersten Anlaufpunkt dar. Entscheidend ist aber erst der im Tageschart sichtbare Bereich um 9400 bis 9500. Hier verlaufen die Untergrenze des Aufwärtskanals sowie der langfristige 200-Tage-Durchschnitt. Werden beide Marken durchbrochen, kippt nicht nur der mittelfristige Trend sondern wohl auch  die Stimmung bei vielen Akteuren. Eine verstärkte Abwärtsbewegung mit Ziel 9000 wäre zu erwarten.

Doch noch haben die Käufer alle Trümpfe in der Hand, den Markt wieder in Reichweite des Rekordhochs zu hieven. Voraussetzung dafür ist ein Anstieg über die erste, wichtige Widerstandszone um 9820. Hier hätte der Markt die Hälfte der Verluste seit Anfang Juli wieder aufgeholt. Dominieren auch darüber noch die Käufer, dürfte die Konsolidierung als beendet angesehen werden. Spätestens oberhalb der fallenden 21-Tage-Linie bei 9870 dreht der Pfeil wieder nach oben.

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Wochenanalyse:

MACD mit gefährlicher Divergenz

Mittel- bis langfristig betrachtet ist die Rally trotz der seit gut sieben Monaten laufenden Konsolidierung weiterhin als intakt zu bezeichnen. Richtungsweisend ist ein seit Sommer 2012 bestehender Aufwärtskanal, dessen Extremzonen mehrfach bestätigt wurden und somit über eine gewisse Relevanz verfügen. Während zum Jahreswechsel verstärkt die Oberseite im Fokus stand, führte die jüngste Konsolidierung zu widerholten Tests der unteren Aufwärtstrendlinie. Bisher nutzten die Käufer jeden Rücksetzer zum Einstieg, ein Kursverhalten, das wir auch im vergangenen Jahr mehrfach gesehen haben. Lediglich die Tatsache, dass der DAX bereits länger nicht mehr die obere Trendlinie angelaufen hat, kann als Schwächesignal ausgelegt werden.

Aus technischer Sicht stellt die 10.000er-Schwelle nur eine unbedeutende Kursmarke dar. Inzwischen scheint der psychologische Effekt aber den DAX zumindest zu einer Atempause zu zwingen. Potenzial auf der Oberseite wäre durchaus noch vorhanden, mittelfristig lässt der Kanal Platz bis 10.850.

Auf der Südseite ist der DAX gut abgesichert. Neben der erwähnten, zuletzt mehrfach bestätigten Aufwärtstrendlinie bei derzeit rund 9510 sorgen auch die 200-Tage-Linie bei 9400 und die breite horizontale Unterstützungszone um 8900 / 9000 für Sicherheit. Eine größere Umkehrformation und somit Schwächesignal in der mittel- bis langfristigen Zeitebene wird erst mit Kursen von unter 8900 aktiviert.

Warnsignal kommen von der Markttechnik. Der DSS Bressert ist in seine obere Extremzone vorgestoßen und kippt allmählich in den neutralen Bereich. Der MACD bildete sogar gegenüber seinem Hochpunkt zum Jahreswechsel eine tiefere Umkehr aus, obwohl der DAX neue Hochs erreichte. Diese negative Divergenz muss genau verfolgt werden und könnte ein Hinweis auf eine größere Korrekturbewegung sein.

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Monatsanalyse:

Zwei Szenarien für die Zukunft

Im abgebildeten Monatschart seit 1960 wird vor allem die Bedeutung des Kursbereichs um 8000 / 9000 deutlich. Nach dem Ausbruch aus einer rund 20 Jahre andauernden Seitwärtsbewegung im Jahr 1983 zeigte der DAX bis zur Jahrtausendwende eine ausgeprägte Rally-Bewegung. Mit dem Platzen der Spekulationsblase wurde diese Aufwärtsbewegung in den vergangenen 13 Jahren konsolidiert. In dieser Zeit bildete der Deutsche Aktienindex deutlich steigende Bewegungstiefpunkte aus, was auf einen allmählich steigenden Kaufdruck deutet. Der Sprung über die Hochpunkte aus dem Jahr 2000 und 2007 bei 8200 war somit nur eine Frage der Zeit. Der DAX löste ein sehr bullish aufsteigendes Dreieck nach oben hin auf, aus dem theoretisch Notierungen deutlich jenseits der 10.000er-Marke abgeleitet werden können.

Nach dem nun erfolgten Ausbruch sind zwei grundsätzliche Szenarien denkbar. Aufgrund der Bedeutung der Zone um 8200 wäre eine Rückkehrbewegung und somit ein Retest des Ausbruchsniveau nicht überraschend. Ein möglicher Wendepunkt könnte an der psychologisch wichtigen Schwelle von 10.000 liegen. Ausgehend von einem kurzen Test der fünfstelligen Kursmarke wäre mit einer Korrektur bis in den Bereich von 8200 / 8500 zu rechnen, von dem aus dann eine nachhaltige Aufwärtsbewegung erfolgen würde. Zugleich eröffnet sich Anlegern, die den Einstieg bisher verpassten, auf langfristige Sicht noch einmal eine gute Einstiegsgelegenheit.

In einem zweiten Szenario bleibt ein Test der Zone um 8200 von oben aus. Stattdessen läuft der Markt nach einer recht wahrscheinlichen Konsolidierung bei rund 10.000 weiter aufwärts. Neue Widerstände müssten sich erst noch herausbilden. Unwahrscheinlicher erscheint hingegen ein Rücksetzer unter das Ausbruchsniveau von 8200.

Auf Basis der Indikatoren wäre noch ein wenig Luft nach oben vorhanden. Beachten Sie vor allem den trendfolgenden MACD, der in den vergangenen 13 Jahren eigentlich recht zuverlässig die Wendepunkte beim DAX antizipierte. Allmählich erreicht der Signalgeber die Niveaus aus dem Jahr 2000 und 2007 (rote Linie).

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Posted in: Deutschland

About the Author:

Franz-Georg Wenner ist regelmäßiger Gast beim Deutschen Anlegerfernsehen und gern gesehener Vortragsredner. Er hält regelmäßig Webinare und referierte unter anderem beim Verein Technischer Analysten Deutschlands (VTAD). Bei BÖRSE ONLINE war er sechs Jahre Online-Koordinator und Redakteur mit den Schwerpunkten Nebenwerte Deutschland, Zertifikate und Technische Analyse. Zusätzlich betreute er für die Commerzbank den Zertifikate-Newsletter ideas daily. Bereits seine Diplomarbeit im Fachbereich BWL der Uni Düsseldorf beschäftigte sich mit der Intermarket-Analyse.

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