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Wiederholt sich der Crash von 2000 bis 2003?

Tom Fitzpatrick, Technischer Analyst bei der Citigroup, hat eine interessante Gemeinsamkeit in der charttechnischen Entwicklung von 1998 / 2000 und 2011 bis 2014 herausgefunden. Sollte dieser Gleichlauf weiter gültig bleiben, dürfte es bald ungemütlich werden.

Wer schon etwas länger an der Börse aktiv ist, erinnert sich noch gut an die Zeiten des Neuen Marktes. Eigentlich war es egal, welchen Technologiewert man damals kaufte, denn nahezu jede  Aktie stieg zur Jahrestausendwende mal eben prozentual zweistellig innerhalb von wenigen Tagen. Es waren fantastische Zeiten, obwohl jeder wusste, dass die Geschichte nicht gut ausgehen kann, eine Blase am Kapitalmarkt vorhanden war. Als die Kurse dann tatsächlich fielen, wurden die tieferen Notierungen eher als Nachkaufgelegenheit wahrgenommen. Ein fataler Irrtum. Blase, übertriebene Kurse, kommt Ihnen das irgendwie bekannt vor?

Betrachtet man nur die Charts und lässt alle fundamentalen Einflussfaktoren unberücksichtigt, ergeben sich durchaus einige interessante Parallelen. Dachte sich wohl auch Tom Fitzpatrick, Technischer Analyst bei der Citigroup. Das Ergebnis seiner Arbeit sehen Sie im Wochenchart des S&P 500 seit 1997.

Beginnen wir im Jahr 1998. Der Kollaps des Hedgefonds Long-Term-Capital-Management (LTCM) und die Russlandkrise setzen den Märkten einen heftigen Dämpfer zu. Der S&P sackte im Spätsommer ausgehend vom Jahreshoch um rund 22 Prozent ab. Die amerikanische Notenbank musste eingreifen, beruhigte die Märkte und an Weihnachten war der Spuk auch schon wieder vorbei. Bis März 2000 kletterten die Kurse weiter gen Norden und markierten 68 Prozent über dem Krisentief von 1998 ihr Bewegungshoch. Zum Zeitpunkt des Rekordhochs notierte der US-Leitindex zugleich knapp 14 Prozent über seiner 55-Wochen-Linie. Dieser langfristige Gleitende Durchschnitt (rot eingezeichnet) wird eher wenig verwendet, erwies sich aber in der Vergangenheit bei Korrekturen in einer Trendbewegung als recht guter Signalgeber.

Springen wir nun in die jüngere Vergangenheit, und zwar in das Jahr 2011. Im Sommer wütet die Euro-Krise und belastet die Kurse deutlich. Auch in den USA bekommen die Investoren kalte Füße, der S&P verliert in der Spitze erneut 22 Prozent. Notenbanken greifen ein und stabilisieren die Märkte. Die Aktienmärkte jubeln dank der Aussicht auf langfristig billiges Zentralbank-Geld. Ausgehend vom 2011-Mini-Crash-Tief steht der richtungsweisende US-Aktienmarkt derzeit rund 72 Prozent höher. Unter dem Strich ein etwas stärkerer Zuwachs als von 1998 bis 2000, der Unterschied fällt aber eher gering aus. Zumal weitere Parallelen gefunden werden können. So notiert der Index zum Jahreswechsel rund 13,5 Prozent über dem 55 Wochen-Durchschnitt. Zudem lassen sich die jeweiligen Hoch- und Tiefpunkte aus 1998 und 2011 mit zwei Trendlinien zusammenfassen. Aus streng charttechnischer Sicht nicht ganz lehrbuchmässig, aber interessant. Denn das Top im Jahr 2000 lag rund 28 Prozent über der Geraden (lila Balken). Sie können es sich wohl schon denken… Aktuell notieren wir erneut gut 28 Prozent über dieser Verbindungslinie.

Tradesignal Online. Tradesignal® ist eine eingetragene Marke der Tradesignal GmbH. Nicht autorisierte Nutzung oder Missbrauch ist ausdrücklich verboten.

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Was nach 2000 passierte, wissen wir alle. Die nachfolgenden drei Jahre waren eine harte Zeit für die Bullen, Ende 2002 wollte eigentlich niemand mehr Aktien haben. Der perfekte Nährboden für die anschließende Rally, bis eine weitere Blase platzte. Und so wiederholte sich einige Jahre später erneut das Spiel. Die aufgezeigten Übereinstimmungen sind sicherlich interessant, allerdings sollten sie auch nicht auf die Goldwaage gelegt werden. Denn theoretisch muss man nur nach den passenden Signalgebern suchen und wird auch fündig, wenn man lange genug sucht. Allerdings lässt sich natürlich auch nicht abstreiten, dass wir uns derzeit in einer eher überhitzten Phase an den Aktienmärkten befinden, eine Korrektur eigentlich überfällig erscheint. Ob sich daraus aber ein ähnlicher Crash wie vor 14 Jahren entwickeln wird, kann derzeit niemand seriös vorhersagen.

About the Author:

Franz-Georg Wenner ist regelmäßiger Gast beim Deutschen Anlegerfernsehen und gern gesehener Vortragsredner. Er hält regelmäßig Webinare und referierte unter anderem beim Verein Technischer Analysten Deutschlands (VTAD). Bei BÖRSE ONLINE war er sechs Jahre Online-Koordinator und Redakteur mit den Schwerpunkten Nebenwerte Deutschland, Zertifikate und Technische Analyse. Zusätzlich betreute er für die Commerzbank den Zertifikate-Newsletter ideas daily. Bereits seine Diplomarbeit im Fachbereich BWL der Uni Düsseldorf beschäftigte sich mit der Intermarket-Analyse.

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