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Schlechter Januar, schlechtes Börsenjahr?

Die ersten vier Wochen des neuen Börsenjahres verliefen für viele Anleger deutlich schlechter als erwartet. Droht nun auch für das Technik liefern einige Anhaltspunkte. 

 

Wie vielfach zu Jahresbeginn werden die Karten neu gemischt, Favoriten des Vorjahres fallen zurück, und Aktien, die angeblich über Nachholbedarf verfügen, rücken in den Vordergrund. Ein alt bekanntes Spiel. Unter dem Strich verlief der Auftakt bisher holprig. Nach der Euphorie in 2013, als der Dax um rund 25 Prozent zulegte, fragen sich doch zunehmend mehr Anleger, ob die Rally der vergangenen Jahre nicht langsam ausgereizt scheint. Wobei für den deutschen Markt derzeit keine einheitliche Tendenz ausgemacht werden kann. So stehen TecDax und SDax trotz der jüngsten Korrektur rund sechs Prozent über dem Stand von Ende 2013, Dax und MDax notieren hingegen rund 1,8 Prozent tiefer. Gleiches gilt auch für die wichtigen Leitindizes in Großbritannien, Frankreich und natürlich an der Wall Street.

DAX-Rücksetzer in 2014 keine ausgemachte Sache

Rein statistisch gesehen zählt der Januar zu den besten   Börsenmonaten im Jahresverlauf. “As goes January, so goes the year” – “so wie der Januar verläuft, so verläuft das ganze Jahr”, lautet eine bekannte Börsenregel. Vor allem für die amerikanischen Indizes wurde der “Januar-Effekt” ausgiebig untersucht. Je nach ausgewähltem Zeitraum beendete der S&P 500 bei einem positiven Jahresauftakt in rund 85 Prozent auch das Gesamtjahr mit einem Gewinn von durchschnittlich knapp 12 Prozent. Verliefen die ersten vier Wochen des Jahres hingegen negativ, behielten in gut 60 Prozent der Fälle auch im Gesamtjahr die Bären die Oberhand. Vor allem wenn die US-Leitindizes den Januar um mehr als vier Prozent tiefer beendeten, steigt die Wahrscheinlichkeit für ein schwaches oder bestenfalls noch ausgeglichenes Börsenjahr deutlich an. Für 2014 sehen die Aussichten auf Basis dieser Regel schlecht aus, der Dow Jones büßte seit Silvester rund 4,3 Prozent ein.

DAXJanuar

Auch wenn die europäischen Aktienindizes und damit der Dax im vergangenen Jahr zeitweise durchaus eine Outperformance gegenüber den US-Barometern lieferten, wird die grundsätzliche Richtung natürlich von der Wall Street vorgegeben. Dennoch lohnt es sich, den Januar-Effekt auch beim Dax zu untersuchen. Die Grafik zeigt die Dax-Jahresperformance (blaue Säulen) und die Entwicklung in den ersten vier Wochen (rote Säulen) seit 1989. In 16 Jahren von 25 untersuchten Jahren war die Januar-Performance ein korrekter Signalgeber für das Jahresergebnis. Hingegen führte die Entwicklung zum Jahresauftakt in 1989, 1990, 1992, 1995, 2001, 2003, 2009, 2010 und 2011 die Anleger auf die falsche Fährte. Die Trefferquote liegt somit bei 64 Prozent. Nicht gerade ein sehr hoher Wert, aber doch deutlich über der normalen Wahrscheinlichkeit. Einschränkend muss man aber berücksichtigen, dass der Zeitraum von lediglich 25 Jahren statistisch nicht groß genug ist, um verlässliche Rückschlüsse ziehen zu können. Zudem sagt die Anzahl der Übereinstimmungen oder die Kursgewinne der ersten vier Wochen nichts darüber aus, wie groß die Performance im Gesamtjahr ausfällt.

Gründe, warum der Ansatz vor allem in der jüngeren Vergangenheit nicht mehr so gut funktionierte, gibt es sicherlich viele. Besonders seit 2008 beeinflussen inzwischen die massiven Interventionen der Notenbanken spürbar den Takt an den Aktienmärkten. Von daher überrascht es auch nicht, dass der Januar-Effekt gerade in den Nachkrisenjahren 2009 bis 2011 nicht aufging. Auch der inzwischen hohe Einfluss von automatisierten und algorithmischen Computerhandel führt dazu, dass die bekannten Börsenregeln nicht mehr so zuverlässig sind.

Korrektur mit Ansage

Für den mittel- bis langfristigen Zeitraum ist somit auf Basis der doch recht deutlichen Schwäche in den ersten vier Wochen mit einer eher enttäuschen Entwicklung zu rechnen. Kurzfristig drängt sich hingegen die Frage auf, ob der Dax nach der Korrektur von rund 5 Prozent ausgehend vom Rekordhoch bereits reif ist für eine technische Erholung oder ein größerer Rücksetzer zu erwarten ist. In der Vergangenheit zuverlässige Signalgeber wie der Abstand zur 21- und 200-Tage-Linie lassen hier noch etwas Platz nach unten. Vor der jüngsten Korrektur notierte der Dax rund 14 Prozent über seiner langfristigen Durchschnittslinie und somit auf einem historisch überhitzten Niveau. In den vergangenen zwei Jahren kam es noch einer solchen Übertreibung immer zu einer Rückkehrbewegung bis an die Signallinie, die derzeit bei 8600 verläuft. Etwas mehr Hoffnung liefert die Differenz zur 21-Tage-Linie. Inzwischen entfernte sich der Leitindex vom kurzfristigen Durchschnitt ähnlich weit wie während der Korrekturen Ende August und Mitte Dezember 2013. Dies spricht eher für eine Erholungsbewegung. Dennoch ist Vorsicht angebracht: In den vergangenen zwei Jahren notierte der Dax kurzzeitig auch schon um bis zu 5 Prozent unter der 21-Tage-Linie.

DAX_RSL

Mit Blick auf die Relative Stärke (Grafik erscheint täglich im kostenlosen DAX-Newsletter DAX-Radar) der einzelnen Indexmitglieder kann aktuell noch keine überverkaufte Situation diagnostiziert werden. Zuletzt hat sich das Pendel deutlich zu Gunsten der Bären verschoben. Insgesamt 12 der 30 Indexwerte notieren in einem mittelfristigen Abwärtstrend, die Balkenfarbe ist entsprechend rot eingefärbt. Negativ fällt vor allem auf, dass mit Allianz, Bayer, SAP und Siemens bei vier Indexschwergewichten die Tendenz Richtung Süden geneigt ist. Lediglich die Papiere von BASF behaupten sich derzeit noch mit einer hohen Relativen Stärke über ihren Vier-Wochen-Durchschnitt. Gleiches gilt auch für Commerzbank, Continental, Fresenius Medical Care, Fresenius, Infineon, Lanxess, Lufthansa, RWE und ThyssenKrupp. Allerdings weisen diese Titel aufgrund ihrer vergleichsweise kleinen Marktkapitalisierung nur einen geringen Einfluss auf den Dax auf.

Fazit: Ein erneuter Rücklauf des Dax wie zuletzt Mitte Dezember an die 9000er-Marke sollte  kurzfristig noch eingeplant werden. Allerdings bietet sich dem Index auch schon auf dem aktuellen Niveau eine erste Chance zur Stabilisierung. Mit Blick auf das Gesamtjahr sollten nach den schwachen ersten vier-Wochen die daraus resultierenden negativen Signale der Januar-Regel nicht überbewertet werden. Die kommenden Monate dürften für trendfolgende Strategien aber deutlich schwieriger werden als die vergangenen beiden Jahre.

About the Author:

Franz-Georg Wenner ist regelmäßiger Gast beim Deutschen Anlegerfernsehen und gern gesehener Vortragsredner. Er hält regelmäßig Webinare und referierte unter anderem beim Verein Technischer Analysten Deutschlands (VTAD). Bei BÖRSE ONLINE war er sechs Jahre Online-Koordinator und Redakteur mit den Schwerpunkten Nebenwerte Deutschland, Zertifikate und Technische Analyse. Zusätzlich betreute er für die Commerzbank den Zertifikate-Newsletter ideas daily. Bereits seine Diplomarbeit im Fachbereich BWL der Uni Düsseldorf beschäftigte sich mit der Intermarket-Analyse.

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