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High Noon vor Weihnachten

Bevor wir uns in die hoffentlich ruhigen Weihnachtstage verabschieden, stehen in der nächsten Woche noch zwei Höhepunkte auf der Terminliste: Am Mittwoch das Ergebnis der Fed-Sitzung, zwei Tage später der Große Verfall an den Terminmärkten. Eine technisch explosive Mischung.

Nachdem zuletzt einige viel beachtete US-Konjunkturdaten zumindest besser ausfielen als erwartet, ist die Wahrscheinlichkeit gestiegen, dass Ben Bernanke auf seiner letzten Sitzung als Fed-Chef eine Reduzierung der monatlichen Anleihekäufe über 85 Mrd. Dollar ankündigen wird. Die richtungsweisenden 10-jährigen US-Anleihen kletterten in den vergangenen Wochen und stehen aktuell mit 2,8 Prozent nur knapp unter dem Jahreshoch von 2,984 Prozent. Im Blickpunkt steht besonders das Niveau von 3 Prozent.

www.stockcharts.com

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Die Fed weiß um die Gefahr von weiter steigenden Zinsen, bereits der Anstieg im Spätsommer führte auf dem Immobilienmarkt zu deutlich fallenden Baugenehmigungen und Baubeginnen.

Quelle: markt-daten.de

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An den Aktienmärkten wurde die Wahrscheinlichkeit des Tapering in den vergangenen Tagen mit fallenden Kursen eingepreist. Nach wie vor wäre eine Ankündigung aber sehr überraschend für viele Marktteilnehmer. In einer Umfrage von Bank of Amercia / Merrill Lynch glaubten nur 21 Prozent an eine Reduzierung der Aufkäufe im Dezember oder Januar. Die deutliche Mehrheit mit rund 50 Prozent erwartet einen ersten Schritt im März. Für diese Argumentation spricht auch, dass es bisher keine verbale Vorbereitung seitens der Führungskräfte im FOMC (Bernanke, Yellen oder Dudley) gab.

Aus charttechnischer Sicht kam dieser Stimmungswandel eher zu einer ungünstigen Zeit, denn in zahlreichen Leitindizes drehten die Notierungen an wichtigen Hochpunkten. Mögliche Top-Bildungen wären ein klares Zeichen für eine eher nachhaltige korrektive Bewegung in den kommenden Wochen. In einigen DAX-Indexschwergewichten wie Allianz oder BASF sind entsprechende Signale bereits zu erkennen, die Werte fielen am Donnerstag deutlich unter wichtige Ausbruchsniveaus zurück. Schauen wir uns aber zunächst die Wall Street an.

Der Tageschart zeigt den S&P 500. Ende Oktober erfolgte der Ausbruch aus einem seit 2009 bestehenden Aufwärtskanal, auch ein Retest von oben Anfang November bestätigte die Entwicklung. Eine mittelfristige Aufwärtstrendlinie begrenzte Ende November die Avancen der Käufer, nach einem Rücksetzer an die Oberkante des Kanals kam es vor wenigen Tagen zu einem erneuten Test des Rekordhochs um 1810. Der Index drehte nicht nur knapp unterhalb der Trendlinie, was als nachlassendes Kaufinteresse gewertet werden muss, sondern auch auf Höhe des bisherigen Rekordhochs. Der Schlusskurs am Donnerstag lag auf der Nackenlinie dieser nicht ganz idealtypischen und noch nicht abgeschlossenen Doppel-Top-Formation. Kurz vor dem Wochenende kommt es somit zum High-Noon: Sollte der S&P heute schwächer schließen, ist ein kurzfristiges Verkaufssignal aktiv mit Ziel 1750. Hier liegt das November-Tief sowie die 55-Tage-Linie. Allerdings ist der Gleitende Durchschnitt eher zu vernachlässigen, in diesem Jahr kam es mehrfach an der 100-Tage-Linie (grüne Kreise) zu einer Erholungsbewegung. Der mittelfristige Gleitdende Durchschnitt verläuft derzeit knapp unter dem ehemaligen Rekordhoch von Mitte September bei 1720. Die heutige Tagestendenz wird somit wichtige Informationen liefern, wie derzeit die Stimmung am Markt ist und wie sich die Akteure für die Zinssitzung am Mittwoch positionieren.

Tradesignal Online. Tradesignal® ist eine eingetragene Marke der Tradesignal GmbH. Nicht autorisierte Nutzung oder Missbrauch ist ausdrücklich verboten.

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Unter der Oberfläche deuten die Signale eher auf das Lager der Bären. Im folgenden Chart ist das Ratio der zyklischen zu den nicht zyklischen Konsumgütern dargestellt. Steigt die blaue Linie, zeigen die zyklischen Werte eine Outperformance gegenüber den nicht zyklischen Papieren, die Investoren rechnen in diesem Fall mit einer wachsenden Wirtschaft und sind zuversichtlich gestimmt. Fällt die Linie, dominiert eher Zurückhaltung. Zum Vergleich ist mit der schwarzen Linie der Verlauf des S&P 500 abgetragen.

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Auf Basis dieses Ratios konnte bereits die Rezession in 2007 aber auch die Korrektur in 2011 gut vorhergesagt werden. Zudem bildete das Ratio Ende 2008 / Anfang 2009 bereits früher ein steigendes Hoch aus, während der breite Aktienmarkt noch bis in den März hinein zur Schwäche neigte. Bereits im Frühjahr 2013 bestätigte das Ratio nicht mehr den steilen Anstieg des breiten Aktienmarktes. Auch in den vergangenen acht Wochen konsolidiert das Verhältnis auf dem Niveau von 2007, während der S&P seine Rekordjagd fortsetzte.  Sollte das Ratio keine neuen Hochs ausbilden, ist dies eher ein Zeichen für eine skeptische Erwartungshaltung der Strategen für 2014.

An ähnlich richtungsweisenden Chartmarken wie der S&P 500 befinden sich auch zahlreiche andere Leitindizes. Der Euro Stoxx ist deutlich vom Jahreshoch zurückgekommen, das sich bisher nur als Fehlausbruch über die massive Widerstandszone der Jahre 2010 und 2011 herausstellte. Die Haltemarken um 2900 und 2930 sind eher gering, wichtig ist aber das Ausbruchsniveau um 2845, entsprechend dem 38,2 Prozent Fibonacci-Niveau der gesamten Aufwärtsbewegung seit Ende Juni.  Eine Stabilisierung ist bereits jetzt möglich, grundsätzlich liefert der Leitindex aber erst prozyklische Kaufsignale mit neuen Verlaufshochs über 3100.

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Blicken wir zum Abschluss noch auf den Nikkei. Der japanische Leitindex bestätigte erst vor wenigen Tagen erneut den seit 1996 bestehenden Abwärtstrend – Charttechnik in Perfektion. Auch hier steht eine Richtungsentscheidung an. Sollte der Index über das Jahreshoch und somit 16.000 ansteigen, wäre der Weg für ein erneut bullisches Jahr 2014 geebnet. Bisher kam es aber immer zu einem empfindlichen Rücksetzer nach einem Test der Baissetrendlinie. Die Chancen für einen Ausbruch sind mit Blick auf die massiven Interventionen der Bank of Japan aber nicht zu unterschätzen.

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Die aktuelle Positionierung zum Verfall am kommenden Freitag spricht derzeit für eine Abrechnung bei rund 9000 Punkten im DAX. Mit rund 55.000 Call-Optionen und 48.000 Put-Optionen liegen die jeweils größten Positionen beim Open Interest der Stillhalter auf dem aktuellen Niveau. Bei 9200 stehen derzeit rund 42.000 Call-Papiere im Feuer, diese Optionen dürften aus Sicht der Verkäufer nicht ins Geld laufen, entsprechend scheint der DAX oberhalb von 9200 eher gedeckelt. Sollte der Markt hingegen dennoch weiter anziehen, könnte es sehr dynamisch verlaufen, denn die Stillhalter müssten entsprechende Absicherungsmaßnahmen eingehen, was wiederum die Bewegung verstärken würde. Gleiches gilt auch auf der Unterseite. Um 8800 liegen 34.000 Put-Optionen und 28.000 Call-Scheine.

DAXST1

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About the Author:

Franz-Georg Wenner ist regelmäßiger Gast beim Deutschen Anlegerfernsehen und gern gesehener Vortragsredner. Er hält regelmäßig Webinare und referierte unter anderem beim Verein Technischer Analysten Deutschlands (VTAD). Bei BÖRSE ONLINE war er sechs Jahre Online-Koordinator und Redakteur mit den Schwerpunkten Nebenwerte Deutschland, Zertifikate und Technische Analyse. Zusätzlich betreute er für die Commerzbank den Zertifikate-Newsletter ideas daily. Bereits seine Diplomarbeit im Fachbereich BWL der Uni Düsseldorf beschäftigte sich mit der Intermarket-Analyse.

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