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E.ON – Gut Ding will Weile haben

Wer auf eine schnelle Turnaroundstory setzen möchte, sollte um E.ON einen Bogen machen. Langfristig bietet die Aktie aber viel Potenzial – eine Analyse der aktuellen Lage mit Investmentideen.

 

Quelle: E.ON

Quelle: E.ON

 

Schaut man als Anleger die E.ON-Aktie aus rein charttechnischer Sicht an, ist die Sache klar: Egal ob auf kurz-, mittel-, oder langfristiger Ebene, alle relevanten Trends und gleitenden Durchschnitte sind abwärts gerichtet. Die hohe Dividendenrendite ist da nur ein schwacher Trost. Und Anzeichen für eine   Bodenbildung sucht man im Chartbild vergeblich. Ganz im Gegenteil. Ende Juni sackte die Aktie unter die Haltezone um 12,50 Euro und fiel mit zuletzt rund zwölf Euro auf den tiefsten Stand seit zehn Jahren. Jetzt können sich die verbliebenen Optimisten nur noch an das 2003er-Tief bei 11,37 Euro klammern. Der viel zitierte Griff nach dem letzten Strohhalm.  Denn sollte auch dieses Niveau unterschritten werden, dürfte es nicht mehr lange dauern, bis Sorgen vor einstelligen Notierungen eine Abwärtsspirale in Gang setzen  – mit ungewissem Ausgang.

Für E.ON steht somit in den kommenden Wochen und Monaten viel auf dem Spiel. Der Chart liefert aber nur die halbe Wahrheit. Denn von der Aufstellung scheinen die Düsseldorfer auf dem richtigen Weg zu sein. Und so könnten wir aktuell doch eine Bodenbildung sehen, auch wenn im Kursbild noch keine klaren Signale zu erkennen sind. Hier würden sich die Aussichten erst aufhellen, wenn die Aktie mindestens den langfristigen Abwärtstrend bei derzeit 17 Euro und im Anschluss das Vorjahreshoch bei 20 Euro überwindet.

Gründe für die langjährige Talfahrt der Aktie gibt es reichlich. Doch die Probleme sind nicht neu und sollten im Kurs langsam eingepreist sein. Zumal E.ON-Chef Johannes Teyssen Mut beweist und passende Antworten parat hat. An der Börse werden die Erfolge aber noch nicht zur Kenntnis genommen. Und genau hier lauern Chancen, zumindest langfristig.

 

Die Messlatte liegt bei 20 Mrd. Euro

Im vergangenen Jahr veräußerten die Düsseldorfer Beteiligungen im Wert von 13,5 Mrd. Euro, im ersten Quartal 2013 kamen noch einmal drei Mrd. Euro dazu. Flankiert werden die Maßnahmen von massiven Stellenstreichungen. Ursprünglich wollte E.ON bis Ende 2015 durch Beteiligungsverkäufe 15 Mrd. Euro einnehmen. Da das Desinvestitionsprogramm deutlich besser als erwartet läuft, liegt die Messlatte für dieses Jahr nun bei 20 Mrd. Euro. Positive Effekte mit Blick auf die wirtschaftliche Nettoverschuldung sind bereits zu erkennen. Vor einem Jahr drückten den Konzern Schulden von 37,6 Mrd. Euro, zum Stichtag 31. März lag der Wert bei 31,6 Mrd. Euro. Immer noch sehr viel, aber die Entwicklung geht in die richtige Richtung, zumal das Geld auch für die Expansionsstrategie genutzt wird.

 

Angst vor einem Brasilien-Fiasko wie bei ThyssenKrupp

Denn anders als zum Beispiel Adidas oder BMW konzentrierten sich  die heimischen Energieversorger zu lange nur auf den deutschen Markt. Mit der überraschenden Energiewende erhielten E.ON und RWE eine bitte Quittung für ihre defensive Strategie. Nun müssen möglichst schnell neue Märkte erschlossen werden, was mit Risiken verbunden ist. E.ON-Finanzvorstand Marcus Schenk rechnet ab der zweiten Hälfte des Jahrzehnts mit Erfolgen: „Wir wollen mittelfristig 25 Prozent des nachhaltigen Konzernüberschusses außerhalb Europas verdienen, das heißt in den USA, Russland und unseren neuen Märkten Brasilien und der Türkei“. Gerade das Brasilien-Engagement ist aber sehr umstritten, vor allem nachdem ThyssenKrupp Milliarden in den Sand setzte. Auch bei E.ON läuft das Projekt nicht rund. Anderthalb Jahre nach dem Einstieg zieht sich der Geschäftspartner aus dem Gemeinschaftsunternehmen MPX Energia zurück. Wegen des verschlechterten Marktumfeldes wird die angekündigte Kapitalerhöhung nicht über den Markt abgewickelt, sondern durch private Investoren. Die Investitionen von E.ON dürften sich inzwischen auf gut eine Milliarde Euro belaufen. Und es ist fraglich, ob die Partner auch weiterhin Geld zuschießen oder ob E.ON einspringen muss. Die Ziele sind hingegen klar definiert: In den nächsten sieben Jahren wollen MXP und E.ON Kraftwerke und Windparks mit einer Leistung von rund zehn Gigawatt bauen. Besser läuft es hingegen in der Türkei. Mit dem Zuschlag für den Vertrieb in einigen Regionen erhielt E.ON im Frühjahr rund sechs Millionen neue Kunden. Zusammen mit dem Partner Enerjisa sollen neue Kraftwerke gebaut werden, um so bis 2020 auf einen Anteil am türkischen Erzeugermarkt von zehn Prozent zu kommen. Auch in Russland zahlt sich das Engagement bereits aus. E.ON Russia erzielte 2012 einen Nettogewinn von 450 Mio. Euro und federt so die schwache Entwicklung im Westeuropageschäft ab.

 

Neue Trumpfkarte im Russen-Poker

Erfolge gibt es auch bei den Verhandlungen mit den Gaslieferanten. Bereits im Juli 2012 einigten sich die Düsseldorfer mit Gazprom auf günstigere Preise. Seit wenigen Wochen hat E.ON ein neues Ass im Ärmel: Von 2020 an bezieht der Konzern rund 6,5 Milliarden Kubikmeter verflüssigtes Gas vom kanadischen Unternehmen Pieridae Energy. Die Menge entspricht rund sieben Prozent des jährlichen Gasverbrauchs in Deutschland und macht E.ON deutlich unabhängiger von den Gasimporten aus Russland. In den noch laufenden Verhandlungen mit Gazprom hofft E.ON die Preise noch näher an den billigeren Spotmarktkurs zu drücken. Der Deal mit den Kanadiern könnte sich dabei als recht hilfreich erweisen.

 

Noch nicht gelöst ist hingegen die Situation auf dem Heimatmarkt. Eigentlich sollten die CO2-Verschmutzungsrechte die Stromproduktion für Kohlekraftwerke unrentabler machen. Doch Berlins Pläne hielten der Realität nicht stand. Zudem rauschte durch das große Angebot an erneuerbaren Energie der Börsenstrompreis in den Keller. Kurz vor der Bundestagswahl wird der Ton nun deutlicher rauer: Die großen deutschen Stromerzeuger kündigten an, bis zu ein Fünftel der bundesweiten Stromerzeugung zur Disposition zu stellen, weil sich der Betrieb nicht mehr lohnt. Allerdings hat hier die Bundesnetzagentur das letzte Wort: Ist ein Kraftwerk für die Versorgungssicherheit unabdingbar, muss es einsatzbereit bleiben. Die Kosten trägt der Verbraucher.

 

Dividende bleibt hoch

Zahlen zum Geschäftsverlauf in den ersten neun Monaten werden für den 13. August erwartet. Mit Blick auf das Gesamtjahr rechnet der Konzern mit einem nachhaltigen Konzernüberschuss zwischen 2,2 bis 2,6 Mrd. Euro. Davon sollen 50 bis 60 Prozent ausgeschüttet werden, so dass bei rund zwei Mrd. Aktien für 2013 mit einer Dividende von rund 0,70 Euro pro Anteilsschein zu rechnen ist. Gegenüber 2012, als noch 1,10 Euro ausgekehrt wurden, ein deutlicher Rückgang. Dennoch bleibt die Verzinsung nach den kräftigen Kursverlusten mit 5,4 Prozent weiterhin sehr hoch. Weniger glanzvoll ist hingegen die Bewertung. Für 2013 liegen die Prognosen bei einem Gewinn je Aktie von rund 1,25 Euro, im nächsten Jahr bei  1,34 Euro. Angesichts der zahlreichen Herausforderungen scheint die Aktie mit einem KGV von gut neun zunächst fair bewertet.

 

Investmentideen für den Geschmack

Fazit: Wer auf eine schnelle Turnaroundstory setzen möchte, sollte um E.ON einen Bogen machen. Anleger mit einem langfristigen Horizont von mehreren Jahren sollten das aktuelle Kursniveau aber für einen ersten Einstieg nutzen und bei einer einsetzenden Erholung sukzessive Zukaufen. Dank der hohen Dividendenrendite sind aber vor allem Zertifikate sehr attraktiv. Für defensive Naturen eignet sich ein Discount-Zertifikat mit einem Cap auf Höhe des aktuellen Kurses von zwölf Euro. Die WKN TB5QBF bietet einen Discount von knapp elf Prozent bei einer Maximalrendite von 13 Prozent. Eine Spur offensiver sind Anleger mit einem Bonus-Papier unterwegs. Zur Sicherheit sollte die Kursschwelle knapp unter dem 2003er-Tief liegen und damit genügend Platz nach unten lassen. Passend dazu bietet die WKN DX5LTE bei einem leichten Abgeld eine Seitwärtsrendite von 21 Prozent, sofern die E.ON-Aktie bis zum Bewertungstag Ende Dezember 2014 nicht unter elf Euro fällt. Um von einer deutlichen Erholung ebenfalls zu profitieren, ist das Papier nicht mit einer oberen Kappungsgrenze versehen. Eine passende Weihnachtswette für dieses Jahr stellt die WLN BP2GGH dar. Sollte die Aktie am 20. Dezember auf oder über zwölf Euro notieren, erzielen Anleger mit dem Discount-Call eine Maximalrendite von 68 Prozent. Im ungünstigen Fall droht unter zehn Euro der Totalverlust.

 

Bild: E.ON

About the Author:

Franz-Georg Wenner ist regelmäßiger Gast beim Deutschen Anlegerfernsehen und gern gesehener Vortragsredner. Er hält regelmäßig Webinare und referierte unter anderem beim Verein Technischer Analysten Deutschlands (VTAD). Bei BÖRSE ONLINE war er sechs Jahre Online-Koordinator und Redakteur mit den Schwerpunkten Nebenwerte Deutschland, Zertifikate und Technische Analyse. Zusätzlich betreute er für die Commerzbank den Zertifikate-Newsletter ideas daily. Bereits seine Diplomarbeit im Fachbereich BWL der Uni Düsseldorf beschäftigte sich mit der Intermarket-Analyse.

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