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Drohen nun negative saisonale Effekte?

Überraschend entspannt verhalten sich nach wie vor die großen Anleger. Die Aufwärtstrends an den globalen Indizes sind intakt, obwohl Kapital abgezogen wird, wie der innere Markt zeigt. Für die DAX-Anleger könnte sich jetzt zusätzlich saisonaler Gegenwind entfalten. Auf spannendem charttechnischen Niveau handelt die russische Börse, die mit der Entwicklung der Rohstoffpreise hoch korreliert ist.

 

Liebe Anlegerinnen und Anleger,

von außen betrachtet liegen sehr ruhige oder sogar langweilige Handelstage hinter uns. Überraschend ist meiner Meinung nach die bisherige Widerstandsfähigkeit der globalen Märkte auf den politischen Schlingerkurs und den Auftritt von Präsident Trump auf dem G 7 Treffen in Sizilien. Die Besonnenheit der großen und kursbestimmenden Anleger sollte als Indiz für die aktuelle Attraktivität der Anlageklasse Aktie interpretiert werden und als Beleg der Stärke des gegenwärtigen Aufwärtstrends. Trotz der hohen Skepsis in den Medien und der andauernden Hinweise darauf, dass die Hausse sich nun in ihrem achten Jahr befindet, zeigt sich jetzt wieder einmal eindrucksvoll, dass wir Anleger uns nicht vom Lärm der Nachrichten ablenken lassen sollten. Wieder einmal zeigt sich, dass der wichtigste Indikator der Börse der Preis ist, also das Ergebnis des Kampfes zwischen Angebot und Nachfrage. Und das Preisverhalten ist nach wie vor positiv, wie ein kurzer Blick auf die Aufwärtstrends der wichtigsten globalen Märkte verrät.

Trotzdem will ich aber etwas Wasser in den Wein schütten und darauf hinweisen (etwas später im Text werde ich darauf eingehen) dass es unterhalb der Oberfläche der Indizes leicht brodelt und die Gefahr für eine völlig normale Konsolidierung jetzt ansteigt. Die Dynamik des Aufwärtstrends verringert sich und wichtige Indikatoren des inneren Marktes zeigen uns, dass sich die großen Anleger aktuell zurückhalten.

Russische Aktien hinken den amerikanischen hinterher

Heute will ich meine Analyse mit einem Land beginnen, welches unmittelbar mit der Vertrauenskrise in die politischen Fähigkeiten von Präsident Trump verknüpft ist, nämlich Russland. Während die politisch interessierten weltweit mit Spannung beobachten, wie sich die Beziehung der Supermächte zueinander und zwischen den beiden Alpha-Tieren Trump und Putin entwickelt, neigt sich das Pendel seit der Amtsübergabe in Washington zugunsten der US Aktien.

Der besonnene P & F Chart eines beliebten ETF, der die Entwicklung der wichtigsten russischen Aktien repräsentiert, zeigt Ihnen die Abhängigkeit Russlands vom Erdölpreis. Bitte beachten Sie die Dynamik, mit der die russischen Aktien ab dem Juli 2014 in die Knie gingen, also dem Zeitpunkt des rasanten Preisverfalls von Erdöl. Fast zeitgleich verschärfte sich damals aber auch die Krise in der Ukraine, was natürlich ebenfalls die Anleger verschreckt hat. Damals drehten die Kurse bei etwa 11,5 Punkten um eine Bodenbildung und einen mittelfristigen Aufwärtstrend einzuleiten. Bei etwa 20 Punkten übernahmen die Verkäufer das Ruder und drückten den Preis erneut bis fast auf das vorhergehende Tief des Jahres 2014. Hier übernahmen erneut die Käufer und trieben nach nur wenigen Monaten den Index endlich über den starken Widerstand bei 20. Doch prompt und zeitgleich mit dem zyklischen Hoch im Ölpreis Ende 2016 ging den Bullen erneut „die Puste aus“. Seitdem und im Einklang mit den schwachen Sektoren der Internationalen Öl- und Energieaktien tendieren russische Aktien wieder schwächer. Nun kommt es darauf an, dass die Investoren die wichtige Region von 20 Punkten verteidigen können. Ansonsten käme rasch die wichtige Unterstützung bei 17,5 und dann sogar die aufsteigende Unterstützungsgerade als Anziehungspunkt in Betracht. Aber warten wir die Entwicklung ab, noch handeln russische Aktien oberhalb der aufsteigenden Trendgeraden und einiges deutet auf einen völlig normalen und sogar gesunden Test der wichtigen Unterstützung.

Leichtes Brodeln unterhalb der Oberfläche

Die folgende Grafik zeigt Ihnen die Relation der Kaufsignale nach P & F an der wichtigen New Yorker Börse NYSE, an der etwa 2.600 Werte notiert werden. Deshalb gibt Ihnen dieser Index einen viel besseren Überblick über das Marktgeschehen und die unterschiedliche Entwicklung der Sektoren als z.B. der Dow Jones mit nur 30 Werten. Wie Sie sehen, verringert sich tendenziell seit Anfang März die Anzahl derjenigen Aktien, die von der Nachfrage gelenkt werden. Umgekehrt geraten also immer mehr Aktien unter den Einfluss des Angebots und die Indizes werden von einer kleiner werdenden Anzahl von Titeln „oben“ gehalten.

Diese Entwicklung ist bisher nicht sehr dynamisch, aber immerhin hat sich die Anzahl der Kaufsignale bereits um etwa 10 % verringert. Bedenklich ist ebenfalls, dass diese Entwicklung nach wie vor anhält, was Ihnen die negative 0-Spalte im rechten Bereich zeigt. Tendenziell verlieren also immer mehr Aktien wichtige Unterstützungen und geraten unter den Einfluß des Angebots. Der gesamte Markt weicht von innen her auf – obwohl Sie dies nur von außen betrachtet und durch die Brille der klassischen Charttechnik nicht erkennen. Ein Grund zur Vorsicht ist auch die potentielle Fallhöhe, denn der Weg nach unten von einem überhitzten bis zu einen neutralen oder überverkauften Zustand ist noch weit. Mit dem unterschreiten der wichtigen Marke von 70 % hat sich insofern ein wichtiges Warnsignal ereignet. Natürlich kann es sein, dass der Markt von diesem Niveau aus sofort wieder nach oben dreht und genügend konsolidiert hat. Dies kann ohne Glaskugel nicht bewertet werden, dennoch will ich mich nicht an irgendwelchen „Wenn-Dann-Ratespielchen“ beteiligen.

Aber ich will Sie daran erinnern, dass der heutige Marktzustand bzw. das Verhalten der großen Anleger die beste Prognose ist. Im historischen Kontext hat es sich als richtig erwiesen in ähnlichen Konstellationen sehr vorsichtig zu agieren und die Stoppkurse zu beachten. In solchen Situationen ist die Wahrscheinlichkeit einer Konsolidierung viel höher als wenn wir in einer positiven X Spalte oder auf sehr viel tieferem Niveau im Risikoindikator notieren, in der umgekehrt frisches Kapital an den Markt fließt.

Der aktuelle saisonale Einfluss auf den DAX

Jeder Anleger sollte meiner Meinung nach möglichst viele solide Argumente auf seiner Seite haben, um sein Verlustrisiko zu verringern. Eine zusätzliche Wahrscheinlichkeit geben uns Investoren die saisonalen Einflüsse und einige übergeordnete Zykliken.

Die folgende Grafik zeigt Ihnen den möglichen saisonalen Verlauf des DAX in sogenannten „ US-Nachwahljahren“. Die zugrunde liegenden Kursdaten beziehen sich dabei auf die durchschnittliche Entwicklung der Jahre 1957-2009.


Quelle: www.seasonalcharts.com

Wie Sie sehen, ist im Durchschnitt dieser Jahre mit einem zyklischen Hoch im DAX Ende Mai/Anfang Juni zu rechnen. Daraufhin mit einem sehr moderaten Kursrückgang von etwa 2 %. Dieser wäre dann übrigens erneut eine gute Einstiegsgelegenheit Ende Juni, da erst Mitte August mit einem zyklischen Hoch zu rechnen ist. Bitte Bedenken Sie aber wie üblich, dass saisonale Muster weder einen Fahrplan noch eine Regieanweisung darstellen, sondern lediglich eine Wahrscheinlichkeit. Genau darum geht es aber meiner Meinung nach bei der möglichst sicheren Geldanlage: statistisch erprobte Verhaltensweisen der Anleger sind mit der Charttechnik und den Risikoindikatoren des inneren Marktes in Einklang zu bringen.

Falls Sie sich für die P & F Technik und die Philosophie des inneren Marktes interessieren, beachten Sie bitte den Ratgeber, den ich auf meiner Seite für Sie zusammengestellt habe.

Viel Erfolg mit ihren Positionen und sommerliche Grüße

Ihr Klaus Buhl
 

About the Author:

Klaus Buhl ist seit über 15 Jahren als Portfoliomanager und Analyst tätig und betreibt u.a. das Portal www.libra-invest.de. Dort erhalten Sie praktische Hinweise über die sinnvolle Kombination von marktneutralen bzw. vermögensverwaltenden Strategien in Abhängigkeit vom jeweiligen Börsenzyklus. Ein kostenloser Newsletter informiert regelmäßig über neue Entwicklungen. „Ich verspreche Ihnen keinen schnellen Reichtum, aber konstante Performance und regelmäßige Erträge in jeder Marktphase. Aber vor allem: Keine Verluste mehr!”

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