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Devisen-Match noch lange nicht entschieden

Nach dem Motto „Totgesagte leben länger“ hat sich der Euro 2013 eindrucksvoll zurückgemeldet. Wer hätte das noch im Sommer 2011 oder 2012 für möglich gehalten, als Wetten auf den Zusammenbruch der Währung liefen. Aber wie ist die fundamentale und charttechnische Ausgangslage für 2014?

Die Trendwende zu einem deutlich festeren Euro wurde am 26. Juni eingeläutet. Damals hatte EZB-Chef Mario Draghi angekündigt, dass ein Ausstieg aus der ultralockeren Geldpolitik noch in weiter Ferne sei und noch einmal daran erinnert, im Notfall Anleihen der angeschlagenen Staaten zu kaufen. Und mit jedem Tag, an dem die Zinsen für italienische und spanische Staatsanleihen gesunken sind, hat der Euro gegenüber dem Dollar und etlichen anderen Währungen zugelegt.

Im vergangenen Jahr legte der Euro gegenüber dem Dollar um 3,5 Prozent zu, im Vergleich zum Yen um 19,4 Prozent und gegenüber dem australischen Dollar um 17,7 Prozent. Mit Kursen von 1,36 Dollar notiert der Euro auch zum Jahresauftakt immer noch in Schlagdistanz zu den Vorjahreshochs, die bei rund 1,38 Dollar liegen. Die Euro-Stärke dürfte für viele Investoren überraschend kommen. Denn während die US-Notenbank allmählich vom Gas geht, dürfte laut Experten die EZB ihre Geldpolitik eher weiter lockern um zu verhindern, dass die Euro-Zone in die Deflation abrutscht. Daher müsste der Dollar eigentlich steigen. Zumal die US-Konjunkturdaten zuletzt positiv überrascht haben.

Daten sprechen eigentlich gegen den Euro

So war die Arbeitslosenquote im November mit sieben Prozent auf das niedrigste Niveau seit Oktober 2009 gesunken. Hingegen stottert der Konjunkturmotor in Europa weiterhin. So war die Industrieproduktion in der Euro-Zone um 1,1 Prozent gegenüber dem Vormonat gesunken. Umso mehr freute es Investoren, dass weiche Konjunkturindikatoren wie der Einkaufsmanagerindex für die Euro-Zone zuletzt gestiegen sind. Wie soll es auch zu einer nachhaltigen Konjunkturerholung in Europa kommen, wenn die Arbeitslosenquote so hoch ist und keine deutliche Besserung in Sicht? Dennoch könnte der Euro in den nächsten Monaten weiter zur Stärke neigen. Verantwortlich hierfür könnte sein, dass ausländische Investoren zunehmend Geld in europäische Aktien investieren, sind sie doch deutlich niedriger bewertet als US-Aktien, die am Allzeithoch stehen. Während das 2014er-KGV des Euro Stoxx 50 bei 12,5 liegt, liegt die Bewertung des S&P500 bei 15.

Höhere Zinsen in den USA – wirklich denkbar?

Zudem dürften sich Investoren in den nächsten Monaten zunehmend fragen, ob die US-Wirtschaft höhere Zinsen tatsächlich verkraften kann. Sie hatten zuletzt die Erholung am Häusermarkt merklich gebremst. Denn die potenziellen Immobilienkäufer kommen gleich von zwei Seiten unter Druck. Einerseits sind die Häuserpreise zuletzt um 12,8 Prozent hochgeschossen. Und andererseits steigen die Zinsen. Da wird es zunehmend schwerer, sich ein Haus zu leisten.

Der Häusermarkt ist aber die wichtigste Konjunkturstütze. Denn trotz der im Langfristvergleich sehr niedrigen Zinsen halten sich die Unternehmen mit Investitionen weiterhin zurück. Die Firmen geben das Geld stattdessen über Aktienrückkäufe und Dividenden an die Aktionäre zurück. Die Chancen stehen gut, dass der Euro 2014 gegenüber dem Dollar weiter zulegt. Selbst wenn EZB-Chef Draghi die Geldpolitik überraschend stark lockern würde, dürfte der Euro nur kurzfristig nachgeben. Für 2014 sollten Sie sich folgende Termine eintragen: 9. Januar, 6. Februar, 6. März, 3. April, 8. Mai, 5. Juni, 3. Juli, 7. August, 4. September, 2. Oktober, 6. November, 4. Dezember. An diesen Tagen trifft sich der EZB-Rat, zudem findet im Anschluss eine Pressekonferenz statt.

Charttechnisch unklare Ausgangslage

Vor einigen Wochen hatten wir die Situation zwischen Euro und Dollar mit einem Tennis-Match verglichen. Mal äußert sich die eine Notenbank, dreht an der Zinsschraube oder interveniert nur verbal, danach ist die Konkurrenz am Zug und schickt das Währungsverhältnis in die gewünschte Richtung, bis das Spiel von vorne beginnt. Im Ergebnis führt dieses Wechselspiel zu einem Kursbild, dass durch jeweils kurze aber knackige Rallybewegungen gekennzeichnet ist. Die entscheidende Frage lautet jeweils, welche Notenbank gerade “Aufschlag” hat. Von Anfang November bis Mitte Dezember zeigte sich der Euro stark, der entscheidende Satzball mit Kursen über dem Oktober-Hoch bei 1,38 Dollar ging aber verloren. Zu Jahresbeginn hat wieder der Dollar die Regie übernommen, ohne allerdings ein klares Signal auszulösen. Kurzfristig könnten die Weichen bereits in dieser Woche gestellt werden, denn mit der EZB-Zinsentscheidung am Donnerstag und dem US-Arbeitsmarktbericht am Freitag stehen zwei wichtige Termine auf der Agenda. Sollte das Währungspaar über 1,365 Dollar steigen, dürften die Euro-Bullen erneut den Bereich um 1,38 Dollar anstreben. Schwierig gestaltet sich hingegen die Einschätzung auf der Unterseite. Ein möglicher Aufwärtstrend um 1,35 sowie zwei Unterstützungen um 1,34 und 1,33 Dollar hinterlassen keinen wirklich zuverlässigen Eindruck. Erst neue Tiefs unter 1,275 Dollar wären ein deutlicheres Signal.

Tradesignal Online. Tradesignal® ist eine eingetragene Marke der Tradesignal GmbH. Nicht autorisierte Nutzung oder Missbrauch ist ausdrücklich verboten.

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Auf der Nordseite scheint aber auch der Euro noch lange nicht das Match in der Hand zu haben. Denn um 1,39 Dollar lauert ein seit 2008 bestehender Abwärtstrend. Erst wenn Kurse von mehr als 1,40 Dollar aufgerufen werden, steht der vorläufige Sieger fest. Wer gerne Devisen handelt, sollte sich daher trendstärkere Paare aussuchen. Unsere Favoriten sind der Euro gegenüber dem australischen Dollar, kanadischen Dollar oder japanischen Yen.

Der Beitrag ist eine Zusammenarbeit mit dem Partnerportal Feingold Research.

About the Author:

Franz-Georg Wenner ist regelmäßiger Gast beim Deutschen Anlegerfernsehen und gern gesehener Vortragsredner. Er hält regelmäßig Webinare und referierte unter anderem beim Verein Technischer Analysten Deutschlands (VTAD). Bei BÖRSE ONLINE war er sechs Jahre Online-Koordinator und Redakteur mit den Schwerpunkten Nebenwerte Deutschland, Zertifikate und Technische Analyse. Zusätzlich betreute er für die Commerzbank den Zertifikate-Newsletter ideas daily. Bereits seine Diplomarbeit im Fachbereich BWL der Uni Düsseldorf beschäftigte sich mit der Intermarket-Analyse.

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