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Cancom, Merck, Nordex, Südzucker – der Mix ist entscheidend

Rund 13 Prozent büßte der DAX in der Spitze seit dem Rekordhoch ein. Die ersten Pessimisten warnen bereits vor einem Bärenmarkt, ausgelöst durch die Lage in Griechenland. An der Weltleitbörse sieht man die Sache hingegen ganz anders. Von daher: Augen auf beim Aktien-Kauf.

  

Es ist schon erstaunlich: Die wirtschaftliche Bedeutung Griechenlands ist denkbar gering, dass Land macht weniger als zwei Prozent des BIP des Euroraums aus. Dennoch sind die Finanzmärkte in Aufruhr, wobei genauer gesagt nur am Aktienmarkt eine hohe Nervosität zu messen ist. Wesentlich entspannter zeigt man sich am viel größeren Währungsmarkt. Der Euro steht mit 1,13 Dollar sogar im oberen Bereich seiner Range der vergangenen Monate. Grexit-Panik sieht wirklich anders aus. Im Gegenteil, nicht wenige Institutionelle dürften nur darauf warten, in den Euro einzusteigen, sobald Griechenland den Euroraum verlassen hat.

Ganz anders hingegen die Lage am Aktienmarkt. Und auch hier muss man etwas genauer hinschauen. Denn die Griechenland-Sorgen werden vor allem in Europa, verstärkt sogar beim DAX gespielt. Die deutschen Blue Chips weisen bereits seit Anfang April eine relative Schwäche gegenüber dem S&P 500 und dem Euro Stoxx 50 auf – gemessen auf Basis des DAX Kursindex und währungsbereinigt. Es scheint fast so, als ob Griechenland seit der Antike nicht mehr so mächtig gewesen ist wie heute. Ablesen lässt sich dies sehr gut am VDAX New. Mit 28 Punkten steht das Angstbarometer auf Jahreshoch und liegt auf einem ähnlichen Niveau wie Mitte Oktober 2014, als die letzte Korrektur den DAX durchschüttelte.

Grexit – keine Panik!

In den USA sieht man die Sache hingegen wesentlich entspannter. Sogar schon fast tiefenentspannt. Zwei Beispiele: Die Vola beim S&P 500 dümpelt seit Monaten im Bereich der Tiefs der vergangenen Jahre bei rund 12 bis 14 Punkten seitwärts. Im Vergleich zum VDAX New ist der Spread in den vergangenen Wochen durch die Decke gegangen. Sogar während dem Höhepunkt der Eurokrise in 2011, als die Bonds der Peripherie implodierten, war nur eine sehr geringe Differenz messbar. Vor vier Jahren handelte es sich um eine globale Bedrohung, die aktuelle Griechenland-Sorgen sind aber eindeutig eine europäische Geschichte. An der Wall Street spielt das Thema nur eine untergeordnete Rolle. Noch deutlich wird dies bei den Margin Debt. Im April ist das Volumen an Wertpapierkrediten an der New York Stock Exchange gegenüber dem März-Wert um 6,5 Prozent auf 507 Mrd. Dollar gestiegen – neuer Rekord. Im Juli 2007 lag der Spitzenwert bei 378 Mrd. Dollar, zur Jahrtausendwende bei 278 Mrd. Dollar. Sollten sich die US-Strategen wirklich Sorgen um Griechenland machen, wären die heißen Wetten rückläufig. Das Gegenteil ist der Fall. Dafür spricht auch die Relative Stärke der Technologiewerte und der Small Caps im Russell 2000. Im gestrigen Chart-Webinar haben wir uns die wichtigsten Aktienmärkte angeschaut – und dabei so mache Überraschung gefunden…Die Aufzeichnung sehen Sie hier:

webinar1606

Kaufen, wenn die Kanonen…

Für deutsche Aktien eröffnen sich daher sehr interessante Chancen. Natürlich ist das Risiko weiterhin sehr hoch, vor allem wenn keine Einigung mit Griechenland erzielt wird. Der politische Wille sollte aber nie unterschätzt werden, gerade nicht aus Deutschland (s. auch hier). Bei 12.400 war der DAX vielen Anlegern zu teuer, rund 1400 Punkte tiefer sehen die Bewertungsrelationen schon besser aus. Noch mehr gilt dies für die Chart- und Markttechnik. Die Ende des ersten Quartal gefährlich weite Differenz zur 200-Tage-Linie von mehr als 20 Prozent wurde komplett abgebaut. Kurzfristig deutet der negative Abstand von mehr als drei Prozent zur 21-Tage-Linie sogar auf eine Gegenbewegung. In die gleiche Richtung weist auch die geringe Anzahl an Aktien, die noch über ihren Monatsmittelwert stehen (trifft nur auf Lanxess zu). Richtig ist aber auch, dass der mittelfristige Trend für den DAX abwärts gerichtet ist. Selbst eine Erholung bis 11.640 (50-Tage-Linie, Oberseite des Abwärtskanals) wäre noch als Bärenmarktrally einzuordnen. Erst darüber wechseln wieder die Vorzeichen. Ein erster Positionsaufbau sollte sich dennoch lohnen, je nach Risikogeschmack abgesichert bei rund 10.450.

Tradesignal Online. Tradesignal® ist eine eingetragene Marke der Tradesignal GmbH. Nicht autorisierte Nutzung oder Missbrauch ist ausdrücklich verboten.

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Große Auswahl

Unter den Einzelwerten bieten sich zunächst Papiere mit hoher Relativer Stärke an. Tabelle 1 zeigt die Aktien aus dem HDAX seit dem Rekordhoch beim DAX von Mitte April, jeweils nach absteigender Performance sortiert. Fünf Titel legten in dem Zeitraum prozentual zweistellig zu, auch Nordex, Salzgitter, Freenet und als bester DAX-Wert Lanxess hielten sich sehr gut. Insgesamt 20 der 110 Indexmitglieder verzeichneten Kursgewinne und überzeugen mit einem Aufwärtstrend.

Quelle: Captimizer

Quelle: Captimizer

Die unteren Bereiche der Liste sollten sich hingegen nur Anleger anschauen, die bewusst etwas mutiger agieren wollen und eher antizyklisch ausgerichtet sind. Cancom, Münchener Rück, Klöckner, Merck, Deutsche Annington (Achtung hoher Einfluss des Anleihemarktes) sowie VW wären Beispiele. Hier bietet sich auch der Umweg über defensive Zertifikate wie Discounter oder Capped-Calls an. Wegen der hohen Vola locken die Scheine derzeit mit besonders guten Konditionen.

Quelle: Captimizer

Quelle: Captimizer

About the Author:

Franz-Georg Wenner ist regelmäßiger Gast beim Deutschen Anlegerfernsehen und gern gesehener Vortragsredner. Er hält regelmäßig Webinare und referierte unter anderem beim Verein Technischer Analysten Deutschlands (VTAD). Bei BÖRSE ONLINE war er sechs Jahre Online-Koordinator und Redakteur mit den Schwerpunkten Nebenwerte Deutschland, Zertifikate und Technische Analyse. Zusätzlich betreute er für die Commerzbank den Zertifikate-Newsletter ideas daily. Bereits seine Diplomarbeit im Fachbereich BWL der Uni Düsseldorf beschäftigte sich mit der Intermarket-Analyse.

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