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Bayer, Deutsche Bank, Allianz – Vorsicht, wenn Larry den Verkaufsknopf drückt

Die ersten zwei Handelstage der Woche haben wir geschafft, und wie nicht anders zu erwarten war, bleibt die Nervosität sehr hoch. Erst schoss der DAX um rund 1000 Punkte oder gut elf Prozent in die Höhe, nur um dann wieder rund 400 Zähler abzugeben. Wieso fallen die Bewegungen so kräftig aus?

Mit 33 Prozent bleibt der VDAX-New in Alarmbereitschaft, gleiches gilt für die amerikanischen Aktienmärkte. 31 Prozent beim VIX sind eine klare Botschaft, weitere Turbulenzen wären nicht überraschend. Mittelfristig zeichnet sich aber eine Beruhigung ab, die 3-Monats-Volatiltitä liegt mit 29 Prozent tiefer. Zudem haben wir im VIX bei 20 Prozent eine große Aufwärtslücke – und Lücken werden beim Vola-Barometer immer geschlossen. Noch extremer sind die Aussichten für einzelne Segmente: Die Vola für den chinesischen Markt liegt bei rund 54 Prozent, für Öl-ETFs werden 57 Prozent und Goldminen-Aktien sogar 64 Prozent veranschlagt.

Gründe dafür gibt es genügend. Mit der morgigen EZB-Sitzung und den US-Arbeitsmarktdaten am Freitag stehen einige Risikofaktoren in der Agenda. Die Experten der ABN Amro sehen die Wahrscheinlichkeit für eine Ausweitung des QE-Programms der EZB derzeit bei rund 40 Prozent. Hier wird vor allem auf den Ölpreis abgestellt, der Preiseinbruch wirkt sich inzwischen immer deutlicher auf die von den Notenbankern stark beachteten Inflationserwartungen (5y5y) aus, die seit Juli wieder fallen. Die Spekulationen belasten wiederum den Euro, zur Wochenmitte steht die Gemeinschaftswährung unter 1,13 Dollar.

Fed, China, Carry Trade – bunter Mix

EZBneuFundamental begründet war die vorherige Aufwertung ohnehin nicht. Investoren lösten wegen den weltweiten Turbulenzen mit Euro finanzierte Carry Trades auf. Dabei leihen sich Profis Geld zu den sehr niedrigen Zinssätzen der EZB und investieren das Kapital in andere Finanzinstrumente. Fallen die Kurse an den Aktienmärkten, werden die riskanten Geschäfte aufgelöst, was zu einer steigenden Euro-Nachfrage führte und den Kurs entsprechend aufwerten lässt.

Die Arbeitsmarktdaten am Freitag könnten ebenfalls größere Bewegungen auslösen. Bleiben Sie hier vorsichtig und warten besser ab, wie der Markt die Zahlen interpretiert. Aktuell liegen die Konsensschätzungen bei 220.000 neuen Jobs, die Arbeitslosenquote soll leicht von 5,3 auf 5,2 Prozent fallen. Werden die Prognosen übertroffen, dürften die Wetten auf eine Zinserhöhung der Fed am 17. September wieder zunehmen. Aktuell ist dies kein Thema, an den Terminmärkten liegt die Wahrscheinlichkeit für eine Anpassung auf 0,5 Basispunkte bei 32 Prozent.

Und natürlich darf auch das leidige Thema China nicht vernachlässigt werden. Kursbewegungen beim SSE Composite scheinen den DAX derzeit mehr zu beeinflussen als Dow Jones & Co. Wie weit man den chinesischen Konjunkturdaten vertrauen kann, steht auf einem anderen Blatt. Denken Sie hier lieber “um die Ecke”, konkret an die Zulieferer. Ein verlässliches Barometer sind die Exportzahlen aus Südkorea. Die Asiaten beliefern vor allem China und Japan mit Elektronik, Chemikalien usw. Im August sind die Exporte um 14,7 Prozent eingebrochen, eine klare Botschaft.

Herbststürme in Sicht

Nicht gerade hilfreich ist die bevorstehende saisonal eher schwache Phase. Die Bilanz für den September fällt meist sehr schlecht aus, aber nur, wenn man auch die “richtigen” Daten verwendet. In einer Rückrechnung bis 1965 haben die Bären klare Vorteile, rund 1,7 Prozent büßte der DAX in den vergangenen 50 Jahren im Durchschnitt ein, 10 Mal sackte der Markt sogar um mehr als fünf Prozent ab.

Quelle:Captimizer

Quelle:Captimizer

Seit der DAX im Jahr 1988 aus der Taufe gehoben wurde, fällt der Monatsdurchschnitt mit minus 3,1 Prozent für September sogar noch deutlich negativer aus. Für die schwache Performance ist besonders der Zeitraum zwischen 1989 bis 2003 verantwortlich, als der DAX mit Ausnahme von 1996 und 1997 jeden Monat immer deutlich tiefer beendete. Seit 2004 hat sich das Blatt aber gewendet, nur in 2008 und 2011 ging es abwärts. Für die vergangenen elf Jahre kann sich die Bilanz sogar sehen lassen und ist was die Anzahl der negativen Monate angeht sogar ähnlich gut wie der starke Dezember. Im gestrigen Chart-Webinar bin ich noch genauer auf das typische September-Verlaufsmuster eingegangen. Um die Aufzeichnung zu sehen, einfach auf das Bild klicken:

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Liquidität trocknet aus

Ein weiterer Faktor, der aktuell noch kaum beachtet wird ist die zunehmende Konzentration großer Investoren auf einzelne Märkte. Bestes Beispiel waren im Frühjahr die Verwerfungen am Anleihemarkt. Positionen in verschiedensten Bond Märkten wie dem Hochzinssegment werden nicht mehr groß abgesichert, sondern über ETFs wie auf den S&P 500 – Stichwort Spider. Da inzwischen die Notenbanken große Mengen am Bond-Markt aufkaufen, ist die Bedeutung der Banken gesunken, es gibt weniger Akteure, die Liquidität sinkt. Kommt es dann zu größeren Bewegungen, müssen die Absicherungen – Spider – aufgelöst werden, und der Funke springt auf den Aktienmarkt über.

Wenn alle durch den Notausgang wollen…

Ebenfalls zu beachten: Finanzriesen wie Blackrock. Rund 4,7 Bio. Dollar verwalten die Amerikaner um Konzern-Chef Larry Fink, viermal so viel wie alle 30 DAX-Konzerne auf die Börsenwaage bringen. Größe ist per se nicht negativ, zumindest nicht in ruhigen Marktphasen. Schwieriger wird es, wenn die Kurse kräftig fallen. Gut 3 Bio. Dollar schlummern bei Blackrock in ETFs, die die Wertentwicklung z.B. des DAX exakt abbilden. Rund 40 Mrd. Euro flossen in die 30 DAX-Konzerne, bei Schwergewichten wie Bayer, BASF, Allianz, Deutsche Bank und Deutsche Post sind die Amerikaner mit mehr als sechs Prozent dabei. Nur minimal kleiner sind die Beteiligungen an Daimler, Telekom, Siemens. Drehen die Kurse nach unten, verkaufen Anleger ihre ETFs. Um diese auszuzahlen, müssen die gehaltenen Beteiligungen teilweise aufgelöst werden, was den Druck verstärkt – eine Abwärtsspirale setzt ein.

Verstärkt werden können solche Effekte durch Analysesysteme, die zu gleichen Ergebnissen kommen. Bei Blackrock aber auch vielen anderen Investoren ist “Aladdin” im Einsatz. Dreht hier das Signal auf “Verkaufen”, werden Abwärtsbewegungen ebenfalls verstärkt. Schauen Sie sich dazu die jüngste Entwicklung bei Bayer an. Die Aktie ist aufgrund ihrer Gewichtung richtungsweisend für den DAX und muss entsprechend von allen ETFs abgebildet werden. Am 24. August lag der Börsenwert zeitweise bei 88,3 Mrd. Euro., drei Tage später waren es rund 13 Mrd. Euro mehr. Kursbewegende Unternehmensmeldungen wurden nicht veröffentlicht…

Tradesignal Online. Tradesignal® ist eine eingetragene Marke der Tradesignal GmbH. Nicht autorisierte Nutzung oder Missbrauch ist ausdrücklich verboten.

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About the Author:

Franz-Georg Wenner ist regelmäßiger Gast beim Deutschen Anlegerfernsehen und gern gesehener Vortragsredner. Er hält regelmäßig Webinare und referierte unter anderem beim Verein Technischer Analysten Deutschlands (VTAD). Bei BÖRSE ONLINE war er sechs Jahre Online-Koordinator und Redakteur mit den Schwerpunkten Nebenwerte Deutschland, Zertifikate und Technische Analyse. Zusätzlich betreute er für die Commerzbank den Zertifikate-Newsletter ideas daily. Bereits seine Diplomarbeit im Fachbereich BWL der Uni Düsseldorf beschäftigte sich mit der Intermarket-Analyse.

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